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Trotz Corona-Krise kommt es im Umkreis von Limburg immer wieder zu Verstößen gegen das Kontaktverbot. Polizei und Ordnungsamt mussten mehrfach eingreifen. 

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Corona in Limburg: Häufige Verstöße gegen Kontaktverbot – Polizei muss eingreifen

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  • Rolf Goeckel
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  • Joachim Heidersdorf
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Trotz Corona-Krise kommt in Limburg und Umgebung immer wieder zu Verstößen gegen das Kontaktverbot. Die Polizei muss mehrfach eingreifen.

  • In und rund um Limburg kommt es immer wieder zu Verstößen gegen das Kontaktverbot
  • Trotz Corona-Krise halten sich einige nicht an die vorgegebenen Einschränkungen
  • Die Polizei muss mehrfach eingreifen

Limburg - Die große Mehrzahl der Bürger hält sich an die Ausgangsbeschränkungen und Kontaktsperren, aber auch im Landkreis Limburg-Weilburg gibt es Unvernünftige. Trotz der angekündigten Kontrollen und der angedrohten Bußgelder musste die Polizei am Wochenende 30 mal ausrücken. Die Beamten konnten allerdings nicht in allen Fällen eingreifen, weil sich einige Gruppen sich bis zu ihrem Eintreffen aufgelöst hatten.

Corona-Krise in Limburg: Mehrere Einsätze der Polizei wegen Verstößen gegen Kontaktverbot

"Das war teilweise heftig", sagte Polizeichef Frank Göbel gestern auf Anfrage dieser Zeitung. Er spielte damit vor allem auf einen Vorfall in der Weiersteinstraße in Limburg an, wo ein 29-Jähriger im Hof Haare schnitt. Mehrere Männer weigerten sich, der Motorradstreife ihre Personalien anzugeben.

Hinzugerufene Polizisten nahmen den Friseur schließlich vor einem Döner-Imbiss fest. Dabei soll der Mann sich ebenso wie ein 35-jähriger Helfer aus dem Imbiss zur Wehr gesetzt haben. Gegen beide wurde eine Anzeige wegen des Widerstandes gegen Beamte der Polizei gefertigt. Sie müssen nun mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.

Kontaktverbot wegen Corona-Krise in Limburg: Teilweise Widerstand gegen Einsätze der Polizei

In den meisten Fällen blieben die Polizisten laut Göbel ihrer Devise treu, die Beteiligten "freundlich, aber deutlich" anzusprechen. "Das funktioniert überwiegend", sagt der Kriminaldirektor. "Die meisten sind einsichtig. Wir haben jedoch auch verschiedene Verfahren wegen Ordnungswidrigkeiten eingeleitet."

Die Einsätze verteilten sich nach seinen Angaben über das gesamte Kreisgebiet von Mengerskirchen bis Bad Camberg. In der Regel meldeten Anwohner oder Passanten Menschenansammlungen und Ruhestörungen. Häufig sollen Jugendliche laut Musik gehört haben. In Staffel lösten Beamten am Sonntag eine Grillfeier mit acht Gästen auf, in Waldbrunn trafen sie am Sonntagmorgen 20 Angler an.

Corona-Krise in Limburg: Polizei meldet teils kuriose Einsätze wegen Kontaktverbot

Manchmal hatte alles seine Ordnung, weil alle Anwesenden zu einer Familie gehörten. Im Einsatzprotokoll steht auch ein kurioser Vorgang: Ob es sich um einen makabren Scherz oder eine saudumme Aussage handelte, ist offen. Am Samstagnachmittag meldete eine Frau in Elz drei stark alkoholisierte Spaziergänger mit Hund. Einer soll ihr gesagt haben, er habe Corona und wolle sie infizieren.

In Limburg halten sich die Bürger "weitgehend an die Vorschriften", teilte gestern auf Anfrage die Sprecherin der Stadt, Anna-Sophie Schindler, mit. "Größere Personengruppen wurden nicht angetroffen, und es mussten auch keine Platzverweise ausgesprochen werden." Die Mitarbeiter des Ordnungsamts hätten am Wochenende an den 65 gesperrten Spiel- und Bolzplätzen die Einhaltung der Maßnahmen, die die Ausbreitung des Coronavirus verlangsamen soll, ebenso kontrolliert wie an anderen öffentlichen Flächen. Außerdem sei die Schließung der gastronomischen Betriebe überwacht worden.

Trotz Verstößen gegen Kontaktverbot in Limburg: Die meisten Bürger halten sich an Einschränkungen durch Corona-Krise

"Gleichzeitig gehen aktuell beim Ordnungsamt sehr viele Anrufe ein", berichtet Schindler. Limburgs Erster Stadtrat Michael Stanke (CDU) weist deshalb darauf hin, dass die Mitarbeiter vielfältig im Einsatz seien und bittet um Verständnis, dass nicht jedem Verdacht nachgegangen werden könne. "Oftmals handelt es sich bei den Personengruppen um Familien aus einem Haushalt oder manchmal auch um Gruppen, die berufsbedingt unterwegs sind."

In Bad Camberg wurde das Versammlungsverbot bis auf einige Ausnahmen eingehalten, sagt Ordnungsamtsleiterin Heike Niehörster. "Zumindest was die Zeiten betrifft, in denen wir unterwegs sind, also wochentags ganztägig bis gegen 19 Uhr und an den Wochenenden zwischen 14 und 19 Uhr." Vereinzelt habe das Ordnungsamt Wandergruppen (bis zu fünf Personen) angetroffen. "Auch auf zwei Picknick-Treffen sind wir gestoßen", so Heike Niehösters. "Wir versuchen, an die Vernunft der Personen zu appellieren und sind damit bis jetzt ganz gut gefahren."

Corona-Krise in Limburg: Städte ziehen Konsequenzen nach Verstößen gegen Kontaktverbot

Eine "gewisse Quarantänemüdigkeit" ist nach Einschätzung des Runkeler Bürgermeisters Michel Kremer (parteilos) seit dem vergangenen Wochenende festzustellen. Während es in den Tagen zuvor "sehr ruhig" auf den Straßen und Plätzen der Stadt gewesen sei, war nach seinen Angaben bei dem sonnigen Wetter am Samstag und Sonntag "sehr viel los" in der Stadt. Dies sei besonders auf der Badeinsel in Runkel festzustellen gewesen, wo sich viele Leute niedergelassen hätten, um Sonne zu tanken. "Ich bin mir nicht sicher, ob da immer der Mindestabstand eingehalten wurde", so Kremer. Die Stadt habe deshalb umgehend reagiert und die Badeinsel ab sofort gesperrt.

Das Ordnungsamt habe bereits in den vergangenen beiden Wochen Spiel- und Bolzplätze kontrolliert und werde dies auch in den kommenden Tagen fortsetzen, sagt der Bürgermeister. Dies gelte insbesondere für das lange Osterwochenende, vor dem er ein "bisschen Angst habe", wenn schönes Wetter ist.

Corona-Krise in Limburg: Verstöße gegen Kontaktverbot - Polizei und Ordnungsamt im Einsatz

Aber nicht nur in der Kernstadt Runkel, sondern auch in einigen Stadtteilen seien teilweise größere Menschenansammlungen festgestellt worden. Kremer: "Man merkt, die Leute wollen raus."

"Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach", fasst Peter Wilhelmy, Leiter des Ordnungsamts in Hadamar, die Ausnahmesituation zusammen. Gemeinsam mit drei Mitarbeitern sei er am Wochenende in der Fürstenstadt unterwegs gewesen, um Corona-Sünden zu verhindern. Mit Erfolg, sagt er.

Zwar hätten sich an einigen "Hotspots" etwa in der Graf-Emich-Anlage hinter dem Schloss, am Herzenbergplateau oder auf den Sportanlagen der Stadt Annäherungsversuche und Ansammlungen von Spaziergängern gebildet. Aber die habe man "kommunikativ auflösen" können, betont Wilhelmy. "Reden hilft." Einen Zwischenfall, bei dem die freundlich bestimmte Ansprache nicht wirkte, gab es dennoch. In der Innenstadt seien am Freitagabend ein paar Leute gegenüber dem Ordnungsamt uneinsichtig und frech aufgetreten, weshalb man deren Personalien aufgenommen habe und erstmals Bußgelder verhängen werde: 200 Euro pro Person.

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