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Ein Selfie aus dem Italien-Urlaub. Julia Grau infizierte sich mit dem Coronavirus. Nach dem Urlaub war für sie und ihren Mann Daniel Grau alles anders.

Familie aus Kreis Limburg-Weilburg

Corona-Schock nach Italien-Urlaub: Jeder könnte betroffen sein

  • Sabine Rauch
    vonSabine Rauch
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Eine Familie aus dem Landkreis Limburg-Weilburg macht Urlaub in Italien. Julia Grau infiziert sich dort mit dem Coronavirus. Die Familie berichtet über ihre Situation.

  • Eine Frau aus dem Kreis Limburg-Weilburg wird nach einem Campingurlaub in Italien positiv auf das Coronavirus getestet.
  • Sie berichtet über ihre Angst, ihre Familie mit Corona anzustecken.
  • Die Familie findet das Einhalten der Corona-Regeln wichtig und weist auch andere auf die Gefahren hin.

Frickhofen - Das Virus aus dem Italien-Urlaub: Seit mehr als einem halben Jahr leben wir nun schon mit der Corona-Pandemie, die Fallzahlen steigen wieder und die Erkältungszeit steht uns noch bevor. Trotzdem nehmen es viele Menschen mit den Vorsichtsmaßnahmen nicht mehr so genau. Wir berichten von Menschen, die Covid-19 durchgemacht haben und darüber, was sie von der Sorglosigkeit halten. Heute erzählt eine Familie, wie schwierig die Zeit für Selbstständige ist.

Jeder könnte es haben, wirklich jeder - und zwar ohne es zu merken. Wenn sie sich nicht vorsichtshalber hätte testen lassen, hätte Julia Grau aus dem Kreis Limburg-Weilburg vermutlich nie erfahren, dass sie sich mit dem Coronavirus infiziert hatte. Und was dann alles hätte passieren können, will sie sich gar nicht vorstellen. Das muss sie auch nicht. Julia Grau, ihr Mann und ihre beiden Kinder haben sich nach dem Urlaub ganz vorschriftsmäßig beim Gesundheitsamt gemeldet und berichtet, dass sie in Italien waren. Im Kreis Limburg-Weilburg gelten jetzt neue Corona-Regeln, weil die Neuinfektionen derzeit dramatisch ansteigen.

Corona: Urlaub in Italien - „Die Zahlen immer beobachtet“

Obwohl sie extra mit dem eigenen Wohnmobil losgefahren waren, nur auf Campingplätzen mit besonders hohen Corona-Hygiene-Standards logiert haben und wenn sie im Restaurant waren, immer nur im Freien saßen. Damit sie wirklich nichts anfassen müssen, hatten die Familie aus dem Kreis Limburg-Weilburg sich extra eine Bedienungshilfe aus dem 3-D-Drucker ausgedruckt, und Mund-Nasen-Schutz und jede Menge Desinfektionsmittel hatten sie in Italien natürlich auch dabei.

Sie sei immer schon ziemlich penibel gewesen, sagt Julia Grau und lacht. Und sie seien auch im Urlaub immer vorsichtig gewesen - obwohl sie sich sicher waren, dass ihnen in Ligurien in Italien nichts passieren kann. Dort habe es Ende Juli weniger Corona-Fälle als in Deutschland gegeben, sagt Daniel Grau. „Wir haben die Zahlen immer beobachtet.“ Sie seien davon ausgegangen, dass sie eher in Deutschland krank werden, sagte der Mann aus dem Kreis Limburg-Weilburg. Und deshalb habe sie ja auch erst gedacht, dass die Tests fehlerhaft oder vertauscht worden waren, als der Anruf kam, dass sie positiv sei, sagt Julia Grau.

Im Italien-Urlaub mit Corona infiziert: Immer wieder das mulmige Gefühl

Montagmorgen hatte sie sich beim Gesundheitsamt gemeldet und dieses über den Urlaub in Italien informiert, Dienstagmorgen hatte sie einen Termin in der Corona-Teststation in Beselich, Mittwochmorgen kam der Anruf: Sie war infiziert, Mann und Kinder nicht. Zum Glück seien im Erdgeschoss ihres Hauses in Frickhofen immerhin die Bäder und die Fußböden fertig saniert gewesen, sagt Julia Grau. Denn so konnte sie auf die Baustelle ziehen - mit Campingherd, -tisch, -stuhl und -bett, der Rest der Familie wohnte ein Stockwerk drüber. „Wir hätten alle vier zusammen in Quarantäne gehen können.“

Aber sie habe eine wahnsinnige Angst gehabt, ihren Mann und ihre Kinder mit Corona anzustecken. Zum Glück sei das Wetter gut gewesen, so konnte sie sich unter die Laube setzen und ihren Kindern aus sicherer Entfernung beim Spielen im Garten zuschauen. 14 Tage war die Familie in Quarantäne - erst ohne Pool im Garten, dann mit. Für ihren Sohn sei die Zeit sehr schwer gewesen, er wollte auch endlich mal wieder woanders spielen. Und für sie sei nach dieser Zeit alles anders gewesen. Nicht, weil sie dann doch noch krank wurde. Nein, sie hatte weder Husten noch ein Hüsteln, kein Fieber, keinen Durchfall, keines der anderen typischen Covid-19-Symptome.

Corona: Positiv nach dem Urlaub in Italien - Maske, Desinfektion und Abstand

Aber da sei immer diese Angst gewesen. Die Angst, ihren Mann anzustecken, dass der dann krank würde und sich niemand um die Kinder kümmern könnte. Und dann noch die Angst, dass sie über Nacht doch noch Fieber und Atemnot bekommt. Immer wieder habe sie dieses mulmige Gefühl gehabt, alle paar Stunden Fieber gemessen. Auch wenn sie keine Symptome hatte, "mit meiner Psyche hat Corona etwas gemacht". Aber sie und ihr Mann hätten auch gelernt, was Freiheit bedeutet, und wie viel es wert ist, die eigenen Kinder einfach mal auf den Schoß nehmen zu können. "Man schätzt das normale Leben wieder."

Und noch etwas haben sie erfahren: Wie wertvoll ein finanzielles Polster sein kann. Sonst hätten sie die letzten Monate nicht so gut überstanden. Vor rund einem Jahr hatte sich Daniel Grau als Schreiner selbstständig gemacht. Dann erst der Urlaub, dann die Quarantäne aufgrund der Corona-Infektion. Über Wochen hatte seine Firma keine Einnahmen. Zwar stehe ihm als Selbstständigen ein Ausfallgeld zu, aber dabei werde ja das durchschnittliche Einkommen des vergangenen Jahres zugrunde gelegt und allein der Antrag sei aufwendig.

Familie aus Limburg-Weilburg: Sorglosigkeit in Corona-Zeiten bringt uns alle in Gefahr

Anfang August, noch in der Quarantänezeit, hatte „Holz Grau“ einen Antrag beim Regierungspräsidium gestellt. Eine Antwort habe es bis heute nicht gegeben. „Zum Glück konnten wir nach der Quarantäne nahtlos weiterarbeiten.“ Und zum Glück sind die Kunden ihnen auch in der Corona-Krise treu geblieben. Aber er sei geschockt, wie vielen Betrieben der Staat unter die Arme greifen muss. „Man muss doch Rücklagen für mindestens ein halbes Jahr haben“, sagt Daniel Grau. Aber noch mal Corona-Quarantäne müsse nicht sein.

Jetzt versucht die Familie aus dem Kreis Limburg-Weilburg, wieder ein ganz normales Leben zu führen - unter Corona-Bedingungen. Das heißt: Maske tragen, alles desinfizieren und Abstand halten - und immer wieder all jene darauf hinweisen, die sich nicht an die Regeln halten. „Denn alle, die so sorglos sind, bringen uns in Gefahr.“ (Sabine Rauch)

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