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Die Feuerwehr fährt durch Mengerskirchen und appelliert an die Bevölkerung, achtsam zu sein. Über die sozialen Medien wird dieses Video vielfach geteilt.

Die aktuellen Zahlen

Coronavirus-Krise: Feuerwehr rückt aus und warnt vor dem Virus

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Im 6000-Seelen-Ort Mengerskirchen hat Bürgermeister Thomas Scholz die Feuerwehr eingesetzt, um über Lautsprecherdurchsagen alle im Dorf zu erreichen und für richtiges Handeln in Zeiten des Coronavirus zu bitten. 

Mengerskirchen - Es ist bereits dunkel, das blinkende Licht des Feuerwehrwagens weithin zu sehen. Tanja Kirchem merkt auf. Etwas mehr als eine Minute lang hört die Frau aus Winkels der Lautsprecher-Durchsage aufmerksam zu. Sie kann es anschließend noch mehrfach verfolgen: Der Wagen fährt alle Straßen ab. Das nicht nur in Winkels. Fünf Wagen sind in allen Ortsteilen im Einsatz. Außer in Winkels noch in Mengerskirchen, Dillhausen, Probbach, Waldernbach - die Menschen sollen hören, wie ernst die Lage ist. Dafür hatte sich Bürgermeister Thomas Scholz (CDU) entschieden, nachdem die Zahl der positiv auf das Coronavirus getesteten Mitbürger in der Westerwaldgemeinde auf sechs angestiegen war. Gestern waren es schon acht.

Der Bürgermeister bittet seine Mitbürger eindringlich, "sich im häuslichen Umfeld zu bewegen, weitere direkte persönliche Kontakte zu vermeiden und die hygienischen Vorgaben anzuwenden. Dies ist als Anordnung zu verstehen und zu befolgen. Maßnahmen zum Einkauf von Nahrungsmitteln und der Gesundheitsversorgung sind nach den gültigen Vorgaben möglich. Für die tägliche Arbeit gelten die jeweiligen Maßnahmen in Verbindung mit Ihrem Arbeitgeber". Die Durchsage verweist auf die Homepages des Landkreises und des Marktfleckens, um weitere, aktuelle Informationen zu bekommen. Der Bürgermeister bittet, "sich mit ganzer Kraft für die Eindämmung dieser Pandemie einzusetzen und sich diszipliniert zu verhalten".

Coronavirus-Krise: Keine Ausgangssperre, sondern eine Warnung

Eine Ausgangssperre sei das nicht, betont Scholz, wohl auch, weil das mancher falsch verstanden hat. Eine solche wird auch der Kreis von sich aus nicht erlassen, sagt dessen Sprecher Jan Kieserg. Er verweist auf die Verantwortung des Landes Hessen, das koordiniere: "Flächendeckende Vorgaben halten wir für sinnvoll, um positive Effekte zu erreichen. Verfügungen einzelner Landkreise können dem nicht gleichgesetzt werden." Ob die Landesregierung in der nächsten Zeit eine Ausgangssperre anordnen werde, "vermögen wir gegenwärtig nicht zu beantworten", so Kieserg. Entscheidend dürfte in diesem Zusammenhang sein, ob die Bevölkerung die bislang ergangenen Maßnahmen beachtet und die mit ihr erhofften Wirkungen eintreten.

Coronavirus-Krise: Die Menschen sind sensibilisiert

Werden auch weitere Kommunen das Mittel wählen, über Lautsprecherdurchsagen zu informieren? "Das glaube ich nicht", sagt die Hünfeldener Bürgermeisterin Silvia-Scheu-Menzer (parteilos), Sprecherin der 19 Bürgermeister im Kreisgebiet. Sie kann die besondere Situation verstehen, in der sich ihr Kollege befunden hat. Jetzt seien die Menschen sensibilisiert.

Mengerskirchen ist nicht der größte Ort im Kreis Limburg-Weilburg, doch mit knapp 6000 Einwohnern eine der großen Gemeinden im Westerwald. Tanja Kirchem ist Physiotherapeutin und arbeitet in Bad Camberg. Die 46-Jährige hatte den Inhalt der Nachricht schon auf der Homepage gelesen. Zurzeit informiert sie sich intensiv. So auch jetzt. Der Fernseher läuft, doch sie schaltet ab. "Das ist hier bei mir. Das hat mich natürlich noch mehr interessiert." Außerdem: "Hier leben viele ältere Menschen, die kein Internet oder Smartphone nutzen. Ich bin froh, dass auf diese Weise alle informiert wurden." Hat ihr der abendliche Einsatz Angst gemacht? "Nein", sagt sie sofort. "Ich war froh, dass die Gemeinde so vorgegangen ist."

Video-Aufnahme wird online verbreitet

Die Informationen auf der Gemeinde-Homepage und der des Kreises Limburg-Weilburg werden geklickt. Jemand hat ein Video des Feuerwehreinsatzes aufgenommen. Es wird vielfach geteilt und verbreitet sich, wie der Virus. Das Ziel: So viele zu erreichen und zu überzeugen, den notwendigen Abstand voneinander zu halten, dass die Ausbreitung der Krankheit verlangsamt wird.

Das Land Hessen hatte am 17. März die vierte Verordnung zur Bekämpfung des Coronavirus erlassen. Sie regelt, welche Einrichtungen, Betriebe und Verkaufsstellen schließen müssen. Die Verordnung kann auch auf der Internetseite des Landkreises Limburg-Weilburg eingesehen werden. Sie führt zu erheblichen Einschränkungen, was im Alltag bereits festzustellen ist. "Um das Ziel, die Bekämpfung des Coronavirus zu erreichen, muss bei der Umsetzung ein strenger Maßstab gelten. Der Verordnung liegt zugrunde, nur das offen zu halten, was als notwendig erachtet wurde", sind sich Landrat Michael Köberle (CDU) sowie die Bürgermeisterin und Bürgermeister der Kommunen des Landkreises in einer Mitteilung einig. Nach einer Telefonkonferenz machten Landrat, Bürgermeisterin und Bürgermeister gemeinsam deutlich: "Die örtlichen Ordnungsbehörden und gegebenenfalls die Polizei werden die Einhaltung der Verordnung überwachen. Bei Verstößen wird die Schließung oder Einstellung des Betriebs, der Einrichtung oder der Verkaufsstelle veranlasst, zudem wird der Verstoß auch als Straftat angezeigt."

Limburg-Weilburg(Stand 19. März, 12 Uhr): 36 Personen wurden bestätigt positiv auf das Coronavirus getestet (Vortag 18). Sie verteilen sich auf Mengerskirchen (8), Hünfelden (6), Dornburg (5), Elz (4), Merenberg (3), Limburg (3), Bad Camberg (2), Hadamar (1), Weilmünster (1), Runkel (1), Selters (1) und Waldbrunn (1). 203 Menschen befanden sich gestern im Kreis in Quarantäne.

Rhein-Lahn-Kreis(Stand 19. März): Mittlerweile ist die Zahl der bestätigten Fälle auf 27 gestiegen (Vortag: 18). Die neuen Fälle stammen aus den Verbandsgemeinden Diez, Aar-Einrich und Loreley.

Westerwaldkreis(Stand 19. März): Derzeit können die Tests nicht analysiert werden. So stehen noch etwa 100 Tests aus. Am Vortag waren 54 Fälle bekannt. Eine 84 Jahre alte Frau aus dem Kreis ist in der Paracelsus-Klinik in Bad Ems gestorben. red

Von Petra Hackert

Im Hochtaunuskreis fruchten vielerorts die Appelle noch nicht, sich nicht in Gruppen zu treffen. Die Stadt Bad Homburg denkt daher über eine Ausgangssperre nach.

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