Das ?Alte Brunnencafé? in Niederselters ist ein ehrenamtlicher Treff ? auch, aber nicht nur für Flüchtlinge.
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Das ?Alte Brunnencafé? in Niederselters ist ein ehrenamtlicher Treff ? auch, aber nicht nur für Flüchtlinge.

„Selters macht mit –

Dank der Ehrenamtlichen klappt’s

Die Gemeinde Selters hat zwei Ein-Euro-Jobs für Flüchtlinge im Bauhof geschaffen, außerdem helfen Freiwillige unter anderem bei den Hausaufgaben oder dem Bewältigen bürokratischer Anforderungen. Die Flüchtlingsbeauftragte der Gemeinde Selters, Dagmar Ries, ist insgesamt zufrieden. Doch wären mehr freiwillige Helfer willkommen.

Wenn sich Dagmar Ries die aktuelle Situation in der Niederselterser Flüchtlingsarbeit anschaut, stellt sie fest, dass vieles gut läuft: In Eisenbach sei die Mobilität dank des Zugriffs auf einen Bus der Caritas gewährleistet, auch die Unterbringung der Kindergartenkinder aus Eisenbach sei gelungen. Wobei sie ausdrücklich darauf hinweist, dass dabei keine Sonderbehandlung der Flüchtlinge erfolgt sei. Loben kann sie auch die Gemeindeverwaltung, die im Bauhof zwei 1-Euro-Jobs für Flüchtlinge geschaffen hatte. Allerdings nennt sie auch die Herausforderungen, die weiterhin sowohl auf die Helfer als auch die Flüchtlinge zukommen werden: Unter anderem werde dringend Wohnraum benötigt.

„Bufdi“ hilft mit

Dagmar Ries ist vonseiten der Gemeinde Selters mit der Aufgabe betraut, dem ehrenamtlichen Team der Flüchtlingsarbeit bei Organisationsfragen oder behördlichen Angelegenheiten zu helfen. Mit der Flüchtlingssituation im gesamten Gemeindegebiet setzte sich auch der Ausschuss Jugend, Soziales und Kultur in der jüngsten Sitzung auseinander. Ausschuss-Vorsitzender Ulrich Finger hatte man dazu die Steuerungsgruppe der Initiative „Selters macht mit – Flüchtlinge willkommen“ mit eingeladen. Dieses Team besteht weitgehend aus Ehrenamtlichen, bis auf Dagmar Ries. Seit Neuestem gibt es in der Gemeinde auch einen „Bufdi“ (Bundesfreiwilligendienst): Frank Marterer wurde eingestellt, um die Flüchtlinge unter anderem bei Behördengängen oder Arztbesuchen zu unterstützen. Dagmar Ries appellierte im Ausschuss an die anwesenden Mandatsträger, dass sie sich aktiv für die Bereitstellung von Wohnraum einsetzen sollten. Zudem vertrat sie die Meinung, dass der soziale Wohnungsbau wieder dringend benötigt würde. Selbst wenn die Flüchtlinge wieder zurückkehren könnten, würde man damit einen Gegenpol zu explodierenden Mietkosten schaffen.

Weitere Herausforderungen sah Ries in der Schaffung von Arbeitsplätzen und in der schulischen Förderung der Kinder. „Bildung ist unverzichtbar, Menschen, die als Kinder unsere Schulen besucht haben, werden die Bildung weiter in ihr Land tragen, wenn sie zurückkehren können.“ Umso mehr Bedeutung maß sie dem Thema „Hausaufgabenhilfe für Flüchtlingskinder“ bei, allerdings: „Der Bedarf ist hoch und kann aus unseren Reihen kaum gedeckt werden“, sagte Ries und warb daher eindringlich um weitere ehrenamtliche Helfer. Als eine weitere offene Baustelle bezeichnete sie die Kooperation der Behörden. Um Leistungen wie Kindergeld zu erhalten, sei beispielsweise eine Geburtsurkunde notwendig. Selbst wenn eine Familie es schaffe, das Dokument aus dem Heimatland zu retten, würde es bei der ersten Anhörung in Gießen erst einmal abgenommen mit dem Hinweis, dass sie es ja wieder zurück bekommen.

Oft scheitere diese Rückgabe von Urkunden oder Dokumenten aber an der mangelnden Kooperation zwischen Sozialamt und Ausländerbehörde, stellte Ries fest. Sie hob hervor, dass diesbezüglich die ehrenamtlichen Helfer unschätzbar wertvolle Dienste leisteten. Unermüdlich forschten sie bei Behörden in Limburg, Gießen, Wiesbaden nach Dokumenten, um den Flüchtlingen durch den „Behörden-Dschungel“ zu helfen. „Wie gut wären Sie eigentlich, wenn Sie ein Formular in arabischer Schrift ausfüllen müssten?“ fragte Dagmar Ries in die Runde.

Im Anschluss an die Ausführungen des Steuerungsteams gab es Gelegenheit zur Diskussionsrunde, bei der verschiedene Themen zur Sprache kamen. Nachgefragt wurde, ob man in Erfahrung bringen könne, aus welchen Berufsfeldern die Asylbewerber kommen. Hier wurde auf „Bufdi“ Materer verwiesen, da dies eine Aufgabe wäre, der er sich künftig annehmen könne. Angesprochen wurde weiter, dass es schwierig sei, Menschen, die aus anderen Kreisen nach Niederselters ziehen, zu erreichen, was die verschiedenen Hilfsangebote betrifft. Hier wurde überlegt, einen entsprechenden Flyer im Rathaus auszulegen. Überlegt wurde, wie man die Flüchtlinge über Vereine noch besser integrieren können. Nicht alle finden den Weg von alleine, man müsse sie im wahrsten Sinne „abholen“ – was wiederum den einheimischen Vereinsmitgliedern eine hohe Einsatzbereitschaft abverlange. Zur Sprache kam, dass ein Fahrradtraining für die Flüchtlinge angeboten werden müsste, da es gerade für die Kinder immer wieder zu ungewohnten – und daher umso kritischeren – Verkehrssituationen käme.

Auf eigenen Füßen stehen

Bei allen Hilfsangeboten, die für eine bessere Integration der Flüchtlinge nötig wären, machte Torsten Gunnemann vom Steuerungsteam Niederselters deutlich, dass es nicht darum gehe solle, den Flüchtlingen „alles abzunehmen“, sondern vielmehr darum, ihnen beim Lernen zu helfen, damit sie sich später alleine helfen können.

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