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Das Radfahren sicherer machen

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Von: Sebastian Semrau

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Dies - zwischen Schlittstraße und Adolfstraße - ist eine der breiteren Stellen der Diezer Straße. Noch teilen sich dort Fahrräder und Autos die Straße. Wenn es nach dem Entwurf des Radverkehrskonzepts geht, soll sich dies ändern. Die Zahl der Parkplätze würde sich allerdings unweigerlich reduzieren.
Dies - zwischen Schlittstraße und Adolfstraße - ist eine der breiteren Stellen der Diezer Straße. Noch teilen sich dort Fahrräder und Autos die Straße. Wenn es nach dem Entwurf des Radverkehrskonzepts geht, soll sich dies ändern. Die Zahl der Parkplätze würde sich allerdings unweigerlich reduzieren. © Sebastian Semrau

Grüne nehmen Diezer Straße in den Blick und hoffen auf möglichst schnelle Umsetzung

Limburg -Das Radfahren sicherer und attraktiver machen und damit zur Verkehrswende beitragen. Das ist eine häufige Forderungen in Zeiten des Klimawandels und nun noch mehr wegen der explodierenden Energiepreise. Da passt es gut, dass der Limburger Magistrat nun einen 150-seitigen Entwurf eines Radverkehrskonzepts beschlossen hat, das im Juni in die Gremien gehen soll und noch nicht öffentlich vorliegt. Die Limburger Grünen haben aber am Montag gemeinsam mit ihrer Landtagsabgeordneten Katrin Schleenbecker Teile daraus vorgestellt und dabei besonders die Diezer Straße in den Fokus genommen.

"Wir müssen die Leute in den Blick nehmen, die aufs Fahrrad umsteigen wollen und sollen", betonte Hermann Maxeiner, Zweiter Vorsitzender des Kreisverbands Limburg-Weilburg des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Denn die begeisterten Radfahrer fänden ihre Wege schon. Doch noch liege, wie der Grünen-Stadtverordnete Andreas Pötz mitteilte, der Anteil des Radverkehrs in Limburg nur bei 7 Prozent. Ziel des Radverkehrskonzepts sei es, diesen auf mindestens 15 Prozent auszuweiten. "Das würde auch zu gesteigerter Aufenthalts- und Lebensqualität in der Stadt führen." Dass es zum Senken der hohen Schadstoffwerte in der Innenstadt beitrüge, versteht sich von selbst. "Noch sind die Dieselfahrverbote ja nicht vom Tisch", sagte Pötz.

Auf diesen kommt jetzt das von IKS Mobilitätsplanung aus Kassel erarbeitete Konzept. "Das hat Hand und Fuß", sagte Pötz. Wie Notwendigkeit dies sei, zeigten nicht nur die schlechten Nutzerzahlen, sondern auch die bescheidenen Noten im Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutsche Fahrrad-Clubs (ADFC). 2020 habe man da Platz 340 von 415 Städten belegt. "Radfahren in Limburg war schon immer etwas Spezielles", so Pötz. Dies habe auch immer an den "autozentrierten Sichtweisen" in der Stadtpolitik gelegen.

Drei Velo-Routen von

besonderer Bedeutung

Doch nun soll ja alles besser werden, damit zumindest den Menschen in einem Radius von zehn Kilometern um die Stadt die Möglichkeit erhalten, aufs Fahrrad umzusteigen. "Das E-Bike kann da durchaus mit Autos konkurrieren", sagte der Stadtverordnete. Besonders wichtig seien da die drei übergeordneten Pendlerrouten, die schon im Masterplan Mobilität als Velo-Routen enthalten waren. Diese führen von der Innenstadt nach Elz, Diez und zum ICE-Bahnhof. Doch auch an diesen Wegen gibt es noch einiges zu tun.

Deshalb nahmen die Grünen die Diezer Straße in den Blick, die wichtigste Verbindung in die Nachbarstadt, wo es übrigens schon einen Radweg gibt. Auf Limburger Seite müssen sich die Radler die Straße allerdings mit Autos und zahlreichen Lastwagen teilen. "Wenn ich zur Arbeit möchte, dann will ich das so schnell, gut und sicher wie möglich", sagte Pia Wuth. Sie wohnt in Diez, die Hubertus-Apotheke, deren Inhaber ihr Mann ist, ist in Limburg. Wuth, die oft mit dem Lastenrad unterwegs ist, hat festgestellt, dass "die Autofahrer immer aggressiver werden". Schon Tempo 40, das es bisher auf der Diezer Straße aber nicht gibt, würde helfen. Für die Bundesstraße würde sich Wuth außerdem zumindest eine gestrichelte Linie wünschen.

So etwas sei grundsätzlich möglich, sagte Schleenbecker. "Sichere Wege sind aber abgegrenzt." Daher seien solche Linien eher Alternativen an Engstellen. Die gibt es auch an der Diezer Straße. Besonders schlecht aus Sicht der Grünen: Vom Kreisel an der WERKStadt (Diezer Straße / Tilemannstraße / Schaumburger Straße / Joseph-Schneider-Straße) bis zur Grabenstraße sei auch in dem Konzept "Mischverkehr" vorgesehen, also keine extra Radwege oder zumindest -streifen. "Wir würden dennoch gerne einen Verkehrsversuch starten und einen Radstreifen abgrenzen", sagte Pötz. Dann könne man sehen, ob es funktioniert oder nicht. Der weitere Abschnitt der Diezer Straße ist unterschiedlich breit. Daher bieten sich auch unterschiedliche Optionen. Während Radfahrstreifen immer möglich sind, können an breiteren Stellen auch sogenannte "Protected Bike Lanes" - ein Fahrstreifen für Radfahrer, der durch Poller oder Ähnliches von der Fahrbahn abgetrennt wird - oder getrennte Radwege eingerichtet werden. Allerdings sind dann nur an den breitesten Stellen weiterhin Parkplätze möglich - ein potenzieller Konfliktpunkt. "Der Radverkehr braucht mehr Platz", sagte Pötz.

Konzept des Kreises

kommt Anfang 2023

"Das sind gute Vorschläge, und der Bedarf ist da", sagte Schleenbecker. Doch auch wenn sie auf die Bezuschussung von Radwegen von bis zu 85 Prozent und neue Stellen bei Hessen Mobil für die Planung verweist, ist ihr auch bewusst, dass es ganz so schnell nicht gehen wird. "Radwege sind wie Straßen in der Planung", sagte sie. Auch Pötz gab sich keiner Illusion hin und sagte, dass er froh sei, wenn von dem Konzept mindestens 50 Prozent der Maßnahmen umgesetzt würden und es in fünf Jahren soweit sei. "Nun müssen wir das Konzept aber erst einmal beschließen, damit es voran geht."

Das wird beim Radverkehrskonzept des Landkreises noch etwas länger dauern. Dessen Erstellung wurde laut dem Ersten Kreisbeigeordneten Jörg Sauer (SPD) in der vergangenen Sitzung des Kreistags nun vergeben und soll im Frühjahr 2023 vorliegen. Auf die Frage von Valentin Bleul (Freie Wähler), warum die Auftragsvergabe erst jetzt erfolge, obwohl der Kreistag schon vor 18 Monaten ein solches Konzept beantragt habe, sagte Sauer, dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie dazu beigetragen hätten. Außerdem hätten die Mittel im Doppelhaushalt nicht zur Verfügung gestanden. Das sei erst jetzt im neuen Doppelhaushalt geschehen.

Dass sich auch der Kreis auf den Weg macht, lobte Schleenbecker am Montag. "Wir müssen Mobilität neu denken. Das haben die Kommunen verstanden." Und auch das Land beteilige sich an dem Prozess. In Limburg soll das Konzept demnächst den Ortsbeiräten und Stadtverordneten vorgestellt werden. Dies teilte die Leiterin des Amtes für Stadtentwicklung, Eva Struhalle, bei dem Ortstermin mit.

Mehr Abstellplätze und

ein Fahrradparkhaus für Pendler

Auch in der Limburger "WERKStadt" steigt die Bedeutung des Radverkehrs. Wie Thomas Körner vom Betreiber beim Rundgang der Grünen mitteilte, habe man viele neue Fahrradständer aufgestellt, so dass es nun 100 mögliche Plätze in der Nähe der Eingänge gebe. Schon beim Bau vor zehn Jahren habe man das Thema mitgedacht und beispielsweise eigene Zufahrten für Fahrräder geschaffen. Auch neu ist das Fahrradparkhaus, das in einem mit einem Chip zugängigen, abgegrenzten Bereich des "WERKStadt"-Parkhauses von Stadt und Betreiber geschaffen wurde. Dort gibt es 100 Plätze für Pendler. Diese kosten 10 Euro pro Monat oder 100 Euro pro Jahr. 46 Plätze seien bisher vermietet, sagte Körner.

Da diese nur Dauermietern zur Verfügung stehen, wünschte die grüne Stadträtin Birgit Geis auch sonst verschließbare Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. "Da gibt es eine Angebotslücke", bestätigte Eva Struhalla, Leiterin des Amts für Stadtentwicklung. Die Stadt werde diese aber abstellen, auch in der Innenstadt. Aktuell seien vier oder fünf Boxen auf der anderen Lahnseite geplant. Zugänglich sollen diese mit einer bundesweit einheitlichen App sein. ses

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