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Die Gebrauchten werden immer teurer

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Autohaus-Chef Walter Kaiser (von links), Gebrauchtwagen-Verkäufer Thilo Schmidt und Neuwagen-Verkäufer Michael Friedrich können die Ungeduld mancher Wartenden gut nachvollziehen.
Autohaus-Chef Walter Kaiser (von links), Gebrauchtwagen-Verkäufer Thilo Schmidt und Neuwagen-Verkäufer Michael Friedrich können die Ungeduld mancher Wartenden gut nachvollziehen. © Anette in Concas

Probleme bei der Lieferung von Neufahrzeugen schlagen durch

Limburg-Weilburg -Seit am 28. Januar 2020 der erste Corona-Fall in Deutschland bekannt wurde, hat sich die Welt für alle verändert - auch für die Autofahrer. Autofahren ist teurer geworden, nicht nur wegen der Spritkosten, sondern auch wegen des knappen Angebots an Fahrzeugen und den steigenden Preisen. Der Krieg in der Ukraine verstärkt die Probleme weiter.

Mit Beginn der Pandemie standen viele Autowerke monatelang still. Daher wurde unter anderem die Bestellung der Halbleiter reduziert. Halbleiter sind wesentliche Komponenten für Mikrochips und damit an der Steuerung wesentlicher Prozesse im Auto beteiligt. Dazu gehören Airbags und Assistenzsysteme, aber Antrieb sowie Fahr- und Bremssysteme. Zudem orderten etliche Hersteller von Unterhaltungselektronik, deren Produkte bis heute teilweise ausverkauft sind, in den Pandemie-Jahren deutlich mehr Halbleiter. Das hat den Markt weiter verknappt.

Da Chips ein Verfallsdatum haben, gibt es auch keine Lagerware. Fazit: Mehrere Millionen Autos konnten seit vielen Monaten nicht rechtzeitig gebaut werden. Inzwischen ist der Neuwagenmarkt fast leergefegt, und auch die Autohändler im Landkreis Limburg-Weilburg und in der Region haben es schwer, ihre Kunden zufriedenzustellen. Dadurch hat sich ein weiteres Problem entwickelt. Da etliche Neuwagen im Dornröschenschlaf versunken sind, behalfen sich etliche Autosuchende mit Gebrauchtwagen. Und die wurden, weil immer begehrter, auch immer teurer und sind inzwischen ebenfalls knapp bemessen.

In den vergangenen Wochen hat sich die Situation noch zugespitzt: Rund die Hälfte des weltweiten Bedarfs am Edelgas Neon decken Werke aus der Ukraine. Seit dem Krieg sind die Erzeugung und der Transport von Neon gefährdet. Das farblose, extrem reaktionsträge Gas ist notwendig für den Einsatz von Lasern, die wiederum unerlässlich für die Produktion von Halbleitern sind.

Weniger Leasing

und Vorführwagen

Alle Hersteller sitzen inzwischen im gleichen Boot. Eine solche Situation gab es noch nie. "Das Autojahr 2021 ist für den hessischen Pkw-Markt mit roten Zahlen zu Ende gegangen. Minus 13 Prozent Pkw-Neuzulassungen im Dezember meldete die Länderstatistik des KBA für Hessen. Einzige Lichtblicke waren Elektro-Pkw", berichtet der kommissarische Obermeister der Kfz-Innung Limburg-Weilburg und Opel-Vertragshändler, Heinz Erlemann. Die positiven Zahlen für Elektroautos liegen unter anderem an der hohen Förderung für Neuwagen. Am 30. Dezember 2021 wurde im Bundesanzeiger die Verlängerung der Innovationsprämie bestätigt. Bis Ende 2022 gibt es den Zuschuss wie gehabt: 9000 Euro für E-Autos und bis zu 6750 Euro Plug-in-Hybride. "Die Halbleiterkrise schlägt indirekt auch auf das Gebrauchtwagen-Angebot durch, denn es gibt weniger Leasingrückläufer, weniger Vorführwagen von Händlern und weniger Werksdienstwagen als sonst. Aus einem Angebotsmarkt wurde ein Nachfragemarkt," berichtet der kommissarische Obermeister Erlemann weiter.

Peugeot- und Mitsubishi-Händler Walter Kaiser aus Elz sieht das ähnlich. "Da sich die Lieferung der Neuwagen in die Länge zieht, kommen die vor-georderten Gebrauchtwagen nicht so schnell zurück wie geplant. Dadurch verfügen die Händler ebenfalls über einen deutlich geringeren Bestand."

Für Zubehör wird

mehr Geld ausgegeben

Die beiden Verkäufer Michael Friedrich (Neuwagen) und Thilo Schmidt (Gebrauchtwagen) erleben unterschiedliche Reaktionen der Kundschaft. "Wer heute zum Autokauf kommt, weiß Bescheid und rechnet im Vorfeld schon mit langen Wartezeiten. Das ist unproblematisch. Aber die Kunden, die bereits vor einem Jahr oder anderthalb Jahren geordert haben, sind verständlicherweise enttäuscht."

Die Volvo-Händler Isabel Burggraf und Ali Eren aus Idstein raten ihren Kunden, sich frühzeitig um einen Neuwagen zu kümmern. "Der Gebrauchtwagenmarkt boomt überall. Alles, was gut ist, geht schnell weg. Auch für Zubehör wird mehr Geld ausgegeben, da viele Menschen lieber mit dem eigenen Auto Urlaub machen, statt zu fliegen. Praktische Ausrüstungsgegenstände wie Dachträger und Boxen helfen dabei und sind total gefragt."

"Auch in den kommenden Monaten werden viele Fahrzeugbestellungen aus 2021 noch nicht geliefert", fürchtet Obermeister Erlemann, hofft aber, dass sich Ende 2022 der Bestellstau an Neufahrzeugen langsam aufzulösen beginnt. "Es werden um die 2,9 Millionen neu zugelassene Pkw in 2022 erwartet." Garantieren kann das niemand. Die Auswirkungen der Lieferengpässe werden aber noch mindestens drei Jahre und länger zu spüren sein werden, vermuten die Autohändler. Natürlich bleiben in dieser Zeit auch die Gebrauchtwagenpreise auf einem höheren Niveau. Ob sie wohl noch einmal sinken, wenn das Angebot eines Tages wieder die Nachfrage übersteigt? Anette in Concas

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