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"Die Hedi, die hat's verdient"

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Von: Sabine Rauch

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Mit Blumen und viel Lob für ihr Engagement: Hedi Sehr bekam von Innenminister Peter Beuth das Bundesverdienstkreuz verliehen, ihr Mann Franz-Josef (rechts) hat es schon seit 2015.
Mit Blumen und viel Lob für ihr Engagement: Hedi Sehr bekam von Innenminister Peter Beuth das Bundesverdienstkreuz verliehen, ihr Mann Franz-Josef (rechts) hat es schon seit 2015. © Rauch

Hedi Sehr ist mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik ausgezeichnet worden

Beselich -Der Innenminister nannte sie ein "herausragendes Exemplar", der Landtagsabgeordnete das "Gesicht der Notfallseelsorge", der Landrat rühmte ihre ehrliche, zupackende Art und ihre positive Ausstrahlung, der Bezirksdekan sprach ganz beiläufig von Heiligsprechnung und der Kreisbrandinspektor berichtete, dass sie gar nicht gerne gelobt wird. Aber natürlich wurde Hedi Sehr an diesem Nachmittag gelobt und gepriesen. Und am Ende waren sich alle einig: "Die Hedi, die hat's verdient." Das Bundesverdienstkreuz, oder ganz offiziell: den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.

Es sei schön, dass sich ihre Verdienste bis zum Bundespräsidenten herumgesprochen haben, aber für Ehrenzeichen habe sich Hedi Sehr sicher nicht so engagiert, sagte Peter Beuth (CDU), der hessische Innenminister, in seiner Laudatio auf Hedi Sehr und das Ehrenamt im Bürgerhaus Niedertiefenbach. "Niemand macht das, um einen Orden zu bekommen." Das Ehrenamt sei sinnstiftend und es mache Freude, mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten und ihnen beizustehen. Und es stärke die Menschen.

Bei der Feuerwehr in der Einsatzabteilung

Dafür sei Hedi Sehr ein gutes Beispiel. Sie sei so stark, dass sie anderen Menschen Trost spenden und sie motivieren könne, nach einem Schicksalsschlag weiterzumachen. Das macht Hedi Sehr seit 26 Jahren. 1996 war sie dabei, als die Notfallseelsorge Limburg Weilburg aufgebaut wurde, seit 2003 ist sie die Vorsitzende, fast immer in Bereitschaft und dazu noch die Vorstandsarbeit. Aber das ist nicht alles: 1983 war sie in die Feuerwehr Obertiefenbach eingetreten, schnell war sie im Vorstand, 15 Jahre in der Einsatzabteilung, hat an Feuerwehrleistungsübungen teilgenommen, die Brandschutzerziehung übernommen - auch auf Kreisebene.

Und dann die Notfallseelsorge. Er mache sich Sorgen, dass es in der nächsten Generationen nicht mehr solche Menschen gebe, die Verantwortung übernehmen, die nach der Arbeit im Beruf und in der Familie auch noch bereit sind, sich um alle anderen zu kümmern, sagte Peter Beuth. Dabei sei unsere Gesellschaft ohne diese Menschen gar nicht denkbar.

Und natürlich erinnerte der Innenminister daran, dass es in der Familie Sehr gleich zwei dieser Paradebeispiele für ehrenamtliches Engagement gibt: Franz-Josef Sehr hatte das Bundesverdienstkreuz schon vor sieben Jahren bekommen. Normalerweise sage er bei einer Ordensverleihung immer, dass dem Geehrten eigentlich nur der halbe Orden zustehe, die andere Hälfte dem Partner. In dieser Familie habe sich jeder einen ganzen verdient, sagte Peter Beuth. Und das sei schon etwas Herausragendes.

Das größte Lob kam von Tochter Claudia: "Ich bin stolz, Eure Tochter zu sein", sagte sie mit Tränen in den Augen.

"Immer da, wo Du gebraucht wirst"

Hedi Sehr lebe das Miteinder und das Füreinander, sagte Joachim Veyhelmann, Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des Kreistages. Er ziehe den Hut vor Jemandem, der die Kraft aufbringe, anderen Menschen in Krisensituationen zu helfen. Damals, in den 70er Jahren, in seiner Zeit beim Rettungsdienst, hätte er sich so jemanden gewünscht. "Gottseidank gibt es heute die Notfallseelsorge." Der Dank von Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei und Privatleuten in Not sei ihr gewiss. "Alle im Kreistag wissen Deine Arbeit zu schätzen."

Daran hat auch Landrat Michael Köberle (CDU) keinen Zweifel. "Du bist immer da, wo Du gebraucht wirst", und das sei nicht selbstverständlich. Bezirksdekan Andreas Fuchs drückte es so aus: Die Kirche verleihe ja wenig Orden, aber nach dem Tode könne man immerhin heilig werden. "Wir wissen, was wir an Euch in der Notfallseelsorge haben." Und er freue sich, dass der Orden die Form eines Kreuzes habe, denn es verbinde Himmel und Erde, "so wie Ihr mit Eurem Dienst".

Das älteste

Prinzenpaar

Die letzten Worte hatte die so wortreich Geehrte: "Auf diese Ehrung können wir gemeinsam stolz sein", sagte Hedi Sehr. Sie verglich die Notfallseelsorge mit einem zarten Pflänzchen, das erst belächelt, aber mit der Zeit immer stärker wurde und heute eine stattliche Krone habe.

Der Anfang sei nicht leicht gewesen, aber inzwischen sei die Notfallseelsorge eine anerkannte Größe im Kreis. Sie wünsche sich nur mehr Austausch mit den anderen Notfallversorgern.

Und Hedi Sehr erinnerte an ihre erste Zeit in Obertiefenbach, wie schwierig es damals für sie gewesen war, mit den verschlossenen Menschen klarzukommen. Aber sie lernte es - im Ehrenamt. Erst in der katholischen Frauengemeinschaft, im Katechetenkreis, bei der Feuerwehr. "Mit Franz-Josef habe ich vor 49 Jahren unwissentlich die Feuerwehr mitgeheiratet"; später dann sei sie für viele Kinder "die Frau von der Feuerwehr" gewesen. Aber sie war auch Prinzessin: In der Session 2013/14 waren sie und ihr Mann "das älteste Prinzenpaar überhaupt".

Hedi Sehr dankte ihren drei Kindern. Sie hätten Entbehrungen hinnehmen müssen, weil ihre Mutter sich ehrenamtlich engagiert hat. Aber das habe in ihrer Familie Tradition: Schon ihr Opa habe dafür das Bundesverdienstkreuz bekommen, "aber in Gold geprägt". Das Herz sei wichtig, sagte Hedi Sehr. Und: Sie habe in den Jahren schon viele Helfer kommen und gehen sehen. "Ich bin immer noch dabei."

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