Yvonne Schneider, Inhaberin von Seltersreisen: "Viele Leute sind noch verunsichert."
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Yvonne Schneider, Inhaberin von Seltersreisen: "Viele Leute sind noch verunsichert."

Die Reisebranche im Nassauer Land atmet auf

Die Lust auf Urlaub ist wieder da

  • VonRobin Klöppel
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Kunden sind aber noch verunsichert

Die Reisebranche ist von der Corona-Pandemie besonders stark gebeutelt. Wir haben mit einigen Reisevermittlern und -veranstaltern der Region gesprochen, wie ihre Geschäfte in der aktuellen Sommersaison laufen. Bei vielen wird wieder deutlich mehr umgesetzt als 2020, aber natürlich auch noch nicht so gut wie vor zwei Jahren, als beim Verreisen in den Sommerferien Corona noch keine Rolle spielte.

Liliane Stock, Inhaberin des "Haus des Reisens" in Limburg, sagt, dass Fernreisen noch nicht so nachgefragt seien wie vorher, weil das vielen noch zu unsicher sei. Spanien und Griechenland, aber auch die Türkei und Kreuzfahrten würden wieder sehr gut gebucht. "Wir haben trotz Gewinneinbußen auch von Corona profitiert, weil die Menschen gemerkt haben, was den Qualitätsunterschied zwischen Reisebüros und Online-Buchungen ausmacht", so Stock. Die Menschen hätten mehr Fragen - und im Reisebüro bekämen sie sie gerne beantwortet. Das habe viele neue Kunden beschert.

Jochen Weimer, Chef des Reisedienstes Weimer Hadamar, berichtet, dass seine Stammkunden ihm vertrauten ihm und keine Bedenken hätten, Gruppenreisen mit dem Bus zu buchen. Denn viele von ihnen seien bereits geimpft. In den Bussen sei zwischen den Sitzreihen genug Abstand. Für Herbst schaue es folglich mit Buchungen schon sehr gut aus. Die Menschen wollten wieder raus und betrachteten Gruppenreisen weiterhin als attraktive Urlaubsmöglichkeit. Sie wollten nur die Bestimmungen in den Urlaubsländern transparent erläutert bekommen.

Der Umsatz

fehlt noch

Marco Schuy, Geschäftsführer von Schuy Exclusivreisen Elz, merkt an, dass die Planungen schwieriger geworden seien, da die Kunden immer kurzfristiger buchten. Hinzu komme der deutlich höherer Beratungsbedarf pro Kunde sowie die Unsicherheit, dass sich Bestimmungen in Reiseländern ständig ändern könnten und Kunden dadurch kurzfristig Reisen absagten.

Als Beispiel nennt er Norwegen, das mittlerweile einen Impfnachweis verlange. Dadurch stornierten Kunden, während Hoteliers aber bei ihm auf Bezahlung der blockierten Zimmer pochten. Schuy stellt fest, dass die Menschen 2021 wieder Lust auf Urlaub hätten. Sie hätten gelernt, mit dem Virus umzugehen und hätten keine Scheu vor Auslandsreisen mehr. So sei der Trend zu deutschen Zielen nicht mehr so stark wie letztes Jahr ausgeprägt. Die Leute wollten wieder ans Meer, nach Italien - und auch Flusskreuzfahrten seien wieder stärker nachgefragt. Schuy beziffert seien Umsatz auf 30 Prozent weniger als 2019, aber wieder deutlich mehr als im vergangenen Jahr.

Ulrike Danzer, Geschäftsführerin des Flugbörse Reisebüros Limburg, erzählt, dass durch mehr Bürokratie und Fragen genug Arbeit da sei, um das Büro mit voller Mitarbeiterzahl zu fahren, der Umsatz aber noch fehle, um die Leute aus der Kurzarbeit herauszuholen. Die Reisefreude der Menschen sei wieder da, aber auch noch die Angst, in Risikogebiete zu reisen.

Wetterkatastrophen

wie Waldbrände

Sie rechnet nach dem Umsatzeinbruch von 80 Prozent im letzten Jahr für dieses Jahr mit 50 Prozent im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten. Griechenland- und Kroatienreisen kann sie gut vermitteln, aber selbst gegen Mallorca und Österreich haben Reisesuchende aktuell ihren Aussagen nach Bedenken. Und in Deutschland seien, so Danzer, nur ganz schwer für Kunden Übernachtungsmöglichkeiten in gefragten Zielen wie Bayern oder an der See zu bekommen.

Danzer ist froh, dass es 2021 reicht, das eigene Geschäft sicher über Wasser zu halten. Die großen Gewinner seien aber die Anbieter von Camp-Mobilen. Christina Piroth, Geschäftsführerin von "Ihr Reisebüro - Lufthansa City Center" in Limburg, schätzt die Buchungslage noch als "sehr verhalten" ein. Wetterkatastrophen wie Waldbrände in griechischen Zielgebieten machten die Situation nicht leichter.

Piroth berichtet, dass bei ihr Deutschland mehr nachgefragt werde und auch das Mittelmeer wie beispielsweise Kroatien. Mario Graef vom Reisebüro Beselich spricht von einer im Vergleich zu 2020 guten Buchungssituation diesen Sommer. Dennoch sei es ein Auf und Ab, weil die Kunden zwar buchten, doch teilweise wieder stornierten. Zum Beispiel Mallorcareisen, weil sie keine Lust hätten, aufgrund ungeimpfter Kinder nach der Heimkehr mehrere Tage in Quarantäne zu gehen. Graef hat den Eindruck, dass die Leute wieder Lust auf Sommer, Meer und Strand im Urlaub hätten. Er frage vor Abreise jeden Kunden ab, ob er an alles gedacht habe, und versende rechtzeitig vorher Info-Mails mit allen wichtigen Bestimmungen.

Lieber leere

Sitzreihen lassen

Yvonne Schneider, Inhaberin von Seltersreisen, hat gehofft, dass 2021 nach den Entbehrungen des letzten Jahres wieder ein richtiger Reiseboom starten würde. Doch viele Leute seien immer noch verunsichert. Sie habe beispielsweise viel Werbung gemacht, aber dann sei in den Medien über die Corona-Deltavariante berichtet worden und die Nachfrage direkt wieder eingebrochen. Reiseplanungen seien auch schwerer geworden, weil beispielsweise die Veranstalter des Biathlon-Weltcups in Ruhpolding oder von Weihnachtsmärkten immer noch nicht sagen könnten, was kommenden Winter gehe. Sie habe aber aktuell gute Nachfrage nach deutschen Zielen, Österreich und Italien. Da ihr die Gesundheit der Kunden wichtig sei, lasse sie in den Bussen zwischen den Gästen leere Sitzreihen, betont Schneider. robin klöppel

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