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"Die Tiere im Wald zu erleben, ist großes Kino"

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Von: Stefan Dickmann

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Der Leiter des Limburger Stadtmarketings, Hilmar von Schenck (59) aus Elz, ist passionierter Jäger. Hier steht er an einem Hochsitz im Elzer Revier, in dem er auch jagt.
Der Leiter des Limburger Stadtmarketings, Hilmar von Schenck (59) aus Elz, ist passionierter Jäger. Hier steht er an einem Hochsitz im Elzer Revier, in dem er auch jagt. © Stefan Dickmann

Kreisjagdberater Hilmar von Schenck erzählt von seinem Hobby

Limburg/Elz -Hilmar von Schenck ist seit 43 Jahren ein leidenschaftlicher Jäger. Im Alter von 16 Jahren erwarb er seinen Jagdschein und folgte einer Familientradition: Schon sein Urgroßvater, sein Großvater und sein Vater waren überzeugte Jäger. Der 59-jährige zweifache Familienvater wohnt in Elz, arbeitet in der Limburger Stadtverwaltung als Leiter des Amts für Stadtmarketing und ist Kreisjagdberater. Was ihn an der Jagd fasziniert, was sie so wichtig macht, darüber sprach er mit NNP-Reporter Stefan Dickmann:

Über seine Rolle als Jäger: Jäger haben einen gesetzlichen Auftrag, für angepasste Wildbestände zu sorgen. Sie sollen den Wald, aber auch die Felder von Landwirten schützen. Wälder, die aufgeforstet werden müssen, brauchen Schutz vor Rehen und Hirschen. Diese fressen bevorzugt die Pflanzentriebe und schaden damit dem Wachstum der jungen Bäume. Geht es dem Wald gut, hat der Jäger alles richtig gemacht. Wir "bewachen" aber auch die Felder von Landwirten vor Wildschweinen, die dort erheblichen Schaden anrichten können. Denn die Wildschäden muss in der Regel der Jagdpächter den Landwirten ersetzen. Ich selbst bin Intensiv-Jäger und drei bis fünf Mal pro Woche in meinen drei Jagdrevieren unterwegs. Jäger zu sein, ist kein Hobby, das ist ein Handwerk. Es kann auch kein Hobby sein, Tieren das Leben zu nehmen.

Was mit den erlegten Tieren passiert: Wildfleisch ist ein hochwertiges Nahrungsmittel, und es ist ökologisch einwandfrei und nachhaltig. Die erlegten Tiere, überwiegend Rehe und Wildschweine, nehme ich mit nach Hause. In der warmen Jahreszeit weide ich die Tiere aus hygienischen Gründen schon im Wald aus, wenn es kalt ist, mache ich das im Schlachthaus. In der Regel folgt mindestens drei Tage lang eine Fleischreifung mit Fell im Kühlhaus; dann schmeckt es besser. Dann ziehe ich das Fell ab und zerlege das Fleisch; das dauert rund eine Stunde. Die Nachfrage nach Wildfleisch ist sehr hoch. Ich habe einen großen Kundenstamm, privat und gewerblich. Ich verkaufe das Fleisch an den Wildhandel, an Gastronomen und mehrere Privatpersonen. Wild liegt im Trend: Es schmeckt das ganze Jahr über, und es lässt sich leicht zubereiten. Viele Menschen machen inzwischen in erster Linie den Jagdschein, um ihr Fleisch selbst zu erbeuten. Sie wollen wissen, wo ihr Fleisch herkommt.

Über die Faszination der Jagd: Der Schuss steht für mich als Jäger gar nicht im Vordergrund. Die Jagd besteht zu drei Vierteln aus Beobachten. In erster Linie ist es ein unbezahlbares Naturerlebnis und ein toller Ausgleich zu meinem Beruf, denn auf dem Hochsitz habe ich die besten Ideen. Wir hören nachts zum Beispiel die Balzrufe von Eulen, auch von seltenen Arten, oder wir erleben die Hirschbrunft hautnah mit. Im Sommer habe ich mal aus wenigen Metern Entfernung gesehen, wie eine Bache, ein weibliches Wildschwein, seine Frischlinge gesäugt hat. All diese Tiere zu erleben, ist großes Kino.

Wie er jagt: Wir schießen nicht jedes Wild, das wir sehen. Denn wir wollen das Wild ja nicht ausrotten. Es gibt bestimmte Zeiten, in denen gejagt werden darf, und festgelegte Quoten, welche und wie viele Wildtiere bejagt werden sollen. Natürlich sitze ich auch auf dem Hochsitz, aber am liebsten pirsche ich durch den Wald gegen den Wind und trage dann einen Tarnanzug. Ich habe mir in jedem Jagdrevier Pirschwege angelegt, die ich zwei Mal im Jahr mit dem Laubbläser vom Laub befreie, damit ich möglichst leise unterwegs bin. Das Wild ist meist aktiv bei Sonnenaufgang und bei Sonnenuntergang. Interessant für die Jagd ist auch die Mittagszeit, denn dann sind die meisten Menschen zu Hause. Wir Jäger müssen schließlich auch auf Mountainbiker, Spaziergänger und Jogger im Wald Rücksicht nehmen.

Über sein Lieblingstier im Wald: Das mag widersprüchlich klingen, weil ich sie auch schießen muss, aber ich bin ein großer Rehbock-Fan. Rehe sind eine sehr vielfältige Wildart, sehr anmutige Tiere, die übrigens sehr gern "naschen". Was für Kinder ein Eis, das sind beispielsweise für Rehe Rosen und Veilchen. Leider sind auch die Triebe von jungen Bäumen für sie ein Leckerbissen. In Bereichen mit viel jungem Waldbestand muss ich dann intensiver jagen. Das wird auch so von den Förstern ausdrücklich erwartet. Denn fast alle unsere heimischen Wälder sind Nutzwälder, die auch einen wirtschaftlichen Wert haben.

Über seine drei Jagdreviere: Ich jage mit Freunden im Revier Elz und in Steeden. Dazu kommt ein Eigenjagdrevier im Bereich Herrenwald/Dannenröder Forst im Vogelsbergkreis, der sich im Besitz meiner Familie befindet. Leider wird dort nun ein Teil der A 49 weiter gebaut. Ich hätte die Autobahn dort nicht gebraucht, weil der Wald dadurch zerschnitten wird. Meine Familie hat 40 Jahre lang gegen diese Autobahn bis hin zum Bundesverwaltungsgericht gekämpft. Da war nie einer von den Demonstranten, der uns dabei unterstützt hätte. Die sind erst ganz zum Schluss wach geworden, haben das Wild verdrängt und gezeigt, dass sie keinen Respekt vor dem Eigentum anderer Menschen haben.

Zur Diskussion, wie mit Wölfen umgegangen werden sollte: Wir brauchen den Wolf, denn er gehört zu Deutschland - aber aus meiner Sicht nicht überall. Wir leben in einer Kultur- und Weidelandschaft und die sich daraus ergebende Nähe zu Nutz- und Haustieren ist mit Blick auf den Wolf ein großes Problem für die Tierhalter. Im Augenblick ist es so, dass Wölfe Menschen nicht meiden, weil diese keine Gefahr darstellen und es in ihrer Nähe einfaches Futter gibt wie Schafe und Rinder. Der Wolf folgt seinem natürlichen Jagdtrieb, fängt solche Tiere und reißt sie. Als Jäger kann ich natürlich entspannt mit Wölfen umgehen, aber der Nutztierhalter kann es eben nicht, weil er seine Schafe und Rinder durch sehr hohe Zäune und Hütehunde vor Angriffen von Wölfen schützen muss. Der Wolf ist trotzdem ein faszinierendes Raubwild, aber er ist auch ein Opportunist: Wenn Wölfe immer wieder die Erfahrung machen, ihnen passiert nichts, weil sie unter Schutz stehen, stellen sie sich darauf ein. Der Wolf hat in weiten Teilen Ostdeutschlands oder in der Lüneburger Heide genügend Platz. Er ist nicht in seinem Bestand gefährdet, im Gegenteil. Ich plädiere deshalb dafür, eine Obergrenze zu definieren, und wenn diese überschritten wird, eine begrenzte Zahl von Wölfen zu schießen. Denn wir sind dabei, diese Grenze zu erreichen.

Über seine Rolle als Kreisjagdberater: Ich bin das Bindeglied zwischen der Jägerschaft und der beim Landkreis angesiedelten Unteren Jagdbehörde, deren Aufgabe es unter anderem ist, den Wildschaden in Wäldern zu begrenzen durch das Festsetzen von Abschussplänen und damit auch die Ausbreitung von Wildseuchen zu verhindern. Zu meinen Tätigkeiten gehört auch die Beteiligung an disziplinarischen Maßnahmen: Wenn zum Beispiel ein Jäger in der Schonzeit ein Muttertier schießt, ist das ein Straftatbestand, der den Verlust des Jagdscheins zur Folge hat. Wer betrunken Auto fährt, verliert neben seinen Führerschein auch seinen Jagdschein. Aber zum Glück kommt so etwas sehr selten vor.

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