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Fetisch-Filme aus Birlenbach

Dieses Paar dreht auf dem Dachboden Sadomaso-Filme

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Die meisten Menschen verwahren auf ihren Dachböden Christbaumschmuck und Fotoalben. Dietmar und Ilona Noss dagegen peitschen Mädchen aus, fesseln sie mit Stacheldraht oder ziehen ihnen Plastiktüten über den Kopf. Willkommen in der Welt der Fetisch-Filmer von Birlenbach!

„Achten Sie auf den Teppichboden!“, sagt Dietmar Noss, als er die Tür zum Dachboden öffnet. In dem Raum, den er betritt, ist der Boden allerdings so ziemlich das Uninteressanteste: In einer Ecke steht ein Spreizstuhl, in einer anderen liegt ein kugelförmiger Käfig. Überall sind Klammern und Peitschen, Handschellen und Lederriemen verteilt. Auf einem Stuhl liegt eine Zwangsjacke.  

„Dieser Boden ist unser Markenzeichen“, erklärt Noss, während er einen Rollo hochzieht und Licht in den Raum lässt. „Die Leute erkennen unsere Filme an der Teppichfarbe. Wenn wir mal nebenan drehen – da ist der Boden braun – vermuten sie gleich, dass es sich um eine Kopie handelt.“

 

Merlin lebt die Fantasien seiner Kunden aus

Unter dem Namen Merlin ist Dietmar Noss in der deutschen Sadomaso-Szene eine Instanz. Seit rund 20 Jahren dreht der 53-Jährige BDSM-Filme. In den groben, schnittlosen Streifen lebt der ehemalige EDV-Experte aus Birlenbach im Rhein-Lahn-Kreis die Fantasien seiner Kunden aus: Er fesselt und knebelt Mädchen, peitscht sie aus, quält sie mit Elektroschocks oder bindet sie ans Kreuz. Die Filme mit Titeln wie „Eva’s Torture“ oder „Punished Lolita“ werden über die Website bondage-store.com in der ganzen Welt vertrieben – mit beachtlichem Erfolg, denn Merlins Geschäftsmodell ist pfiffig: Die auftraggebenden Kunden finanzieren die Dreharbeiten, das Copyright für die Streifen bleibt aber bei Noss. Eine DVD kostet um die 50 Euro.  

Hinter der Kamera steht seine Frau Ilona – sie passt auf, dass nichts passiert. „Ich glaube, dass unsere Drehs funktionieren, weil ich dabei bin“, erklärt die 46-Jährige, . „Wenn die Mädchen für einen Dreh zu uns kommen, wissen sie, dass Merlins Frau immer da ist – und dass ich einschreite, wenn es zu heftig wird.“  

"Die Mädchen mussten ständig lachen"

Was, wie die beiden versichern, aber nur selten vorkommt – und wenn, dann aus eher harmlosen Gründen. „Vor ein paar Monaten haben wir einen Film für einen Kunden gedreht, der sich gewünscht hat, dass Merlin zwei Mädchen in Säcke packt“, erzählt Ilona. „Das war schwierig, weil die Mädchen ständig lachen mussten – aber der Film musste super-ernst und gefährlich wirken. Hat eine Weile gedauert, bis wir das geschafft haben.“

  

Die „Models“ findet das Paar in SM-Foren. Die Darstellerinnen sind Mitte 20, sportlich – und belastbar. Für 75 Euro pro Stunde lassen sie sich in Pferdekostüme und Zwangsjacken stecken, auspeitschen und mit Stacheldraht quälen. Gedreht wird an Wochenenden, bis zu vier Filme an einem Tag. „Die Mädchen schlafen hier, abends grillen wir“, sagt Dietmar Noss. „Zu der einen oder anderen hat sich inzwischen eine richtige Freundschaft entwickelt“, ergänzt seine Frau. Nach den Drehs werden die Filme nachbearbeitet und Trailer geschnitten, ein paar Stunden später sind sie als Download oder auf DVD orderbar.

Sadomaso ist für Dietmar und Ilona Noss viel mehr als ein Geschäft: Es ist eine Lebensart. Sie leben das Rollenspiel um Macht und Unterwerfung auch in ihrer Beziehung. „Wenn Dietmar mir jetzt sagen würde: Blas mir einen, würde ich das sofort tun“, erklärt Ilona Noss. „Er tut es nicht – aber er könnte. Darum geht es: um diese Bedingungslosigkeit. Das macht SM aus.“

Stacheldraht-Folter, Kreuzigungen und inszenierte Ertränkungen mögen extrem wirken – aber Dietmar und Ilona Noss betonen, dass sie klare Grenzen ziehen. „In unseren Filmen findet kein Geschlechtsverkehr statt“, erklärt Ilona Noss. „Das ist mir wichtig. Wenn mein Mann sich den Geschlechtsteilen der Models nähert, dann hat er immer ein Spielzeug in der Hand – einen Vibrator, eine Klammer, irgendwas.“

 

Der Mann, der ein Mädchen schlachten wollte

Außerdem lehnen sie bestimmte Themen von vornherein ab: „Ein Kunde wollte mal, dass wir eine Schlachtung in der Küche filmen – dass das Mädchen sich wie ein Schwein verhält und dann quasi getötet wird“, erzählt Ilona Noss. „So was machen wir auf keinen Fall – lieber beziehe ich Hartz IV.“ Auch pädophile oder zoophile Themen lehnen die beiden kategorisch ab.

  

Und - Szenarien, in denen Plüschtiere zu Schaden kommen. „Ein anderer Kunde hat sich einen Film gewünscht, in dem Plüsch-Teddys enthauptet werden“, erzählt Ilona Noss angewidert: „Das geht ja mal gar nicht.“

 

Ihr Mann schüttelt sich bei der Erinnerung: „Nein“, sagt er, „so was muss ich wirklich nicht haben!“

 

Mehr Infos über Merlins Filme:

Alle Szenefotos: Ilona und Dietmar Noss

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