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Vor dem künftigen Tunnelportal: Pfarrerin Kniese und Pastoralreferentin Losacker gaben dem Projekt den kirchlichen Segen.

Bauprojekt in Diez

Baustart für die Umgehungsstraße in Diez: Tunnelbau mit erster Sprengung begonnen

In Diez beginnen die Bauarbeiten für die Umgehungsstraße, in der Schaumburger Straße wurde mit einer ersten Sprengung für den Tunnel begonnen.

Diez - Zwei lange Töne der Sirene, kurzes Innehalten, dann ein dumpfer Knall und anschließendes Rattern wie aus Maschinengewehren. Nur wenige Sekunden dauerte der symbolische "Tunnelanschlag", mit dem gestern Abend die bergmännischen Arbeiten im Zuge des Baus der "Kleinen Tunnellösung" in Diez eröffnet worden sind.

Tunneleingang in der Schaumburger Straße

Das eigentliche Geschehen war für die rund 200 Zuschauer, die sich auf dem Marktplatz versammelt hatten, gar nicht sichtbar. Denn aus Sicherheitsgründen wurde die Sprengung lediglich mit Kameras, die vor dem Tunnelportal in der Schaumburger Straße postiert waren, auf Videoleinwand übertragen. "Das werden die Bürger in den nächsten Monaten häufiger hören", sagte der stellvertretende Leiter des Landesbetriebs Mobilität Dr. Kai Mifka. Dazu gehöre auch, dass - wie gestern geschehen - eine vorher angekündigte Sprengung sich um einige Minuten verzögern kann. Denn zunächst musste der Zug in Richtung Koblenz die Tunnelbaustelle passieren.

Zuvor war das Projekt in mehreren Ansprachen gewürdigt worden. Tunnelpatin Gisela Diebold, die dem "Tunnel Gisela" während der Bauzeit den Namen gibt, erinnerte daran, dass es mehr als 40 Jahre Planungszeit bedurft habe, bevor Ende 2017 der erste Spatenstich für das Großprojekt fiel. "Jetzt freue ich mich über das gute Gedeihen meines Patenkinds", sagte sie. Besonders hob sie hervor, dass das Holländische Viertel aufgrund des Tunnelbaus und der damit verbundenen Verkehrsentlastung in einem "neuen Blick" erscheinen werde.

Die besondere Bedeutung der "kleinen Tunnellösung" für die Stadt Diez und die Region unterstrich der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesverkehrsministerium Steffen Bilger. Kanalstraße und Schaumburger Straße hätten die Grenze der Leistungsfähigkeit erreicht. Künftig werde der komplette Durchgangsverkehr, der durch Diez zur A 3 und B 54 in Richtung Frankfurt, Gießen und Wiesbaden fährt, aus der Innenstadt herausgenommen. Ohne Tunnel würden im Jahr 2025 täglich 16 000 Fahrzeuge durch Diez fahren. Mit Tunnel seien es 10 000 Fahrzeuge weniger, sagte Bilger. "Das führt zu einer Erhöhung der Verkehrssicherheit und der Lebensqualität in der Innenstadt von Diez", so der Staatssekretär. "Für die Anwohner bedeutet der Tunnel weniger Lärm, weniger Abgase, mehr Sicherheit." Dafür investiere der Bund 32 Millionen Euro - "zweifellos gut angelegtes Geld für Diez und für die Region".

In drei Monaten am Rewe

Die gesamte Tunnelumgehung ist laut Bilger 565 Meter lang, davon entfallen 335 Meter auf das Kernstück, den Tunnel. 200 Meter würden in offener Baugrube, 135 Meter in geschlossener Bauweise hergestellt. Beide Bauweisen bedürften "Lockerungssprengungen" des sehr harten Gesteins.

Auch Ministerialdirigent Gerhard Harmeling vom Mainzer Verkehrsministerium unterstrich die Notwendigkeit für eine Entlastung der Innenstadt Diez. "Ich freue mich für diese Stadt", sagte Harmeling. "Verkehrssicherheit und Belastung für die Bürger - alles wird besser." Manfred Reiter vom Bauunternehmen Alfred Kunz sagte, der Tunnelbau mitten in der Stadt sei eine "Herausforderung". Ohne Belastung für die Bürger werde es aber nicht gehen. Doch hoffe er, dass bereits in drei Monaten die andere Seite des Berges am Rewe-Markt erreicht sein wird.

Den kirchlichen Segen für den Tunnelbau erteilten Pfarrerin Maike Kniese von der evangelischen und Pastoralreferentin Birgit Losacker von der katholischen Kirche. Sie segneten eine Figur der heiligen Barbara, Schutzpatronin der Bergleute und Mineure, die Gisela Diebold anschließend in einem Schrein am Tunnelportal platzierte.

von Rolf Göckel

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