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Abschied vom "Engel der Pestalozzischule"

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Von: Rolf Goeckel

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Schulreferentin Patricia Schon-Ohnesorge (Mitte) überreichte Ute Scherrer-Burkhardt (rechts) die Versetzung in den Ruhestand. Ihre Nachfolgerin ist Julia Berg (links), hier mit den beiden Viertklässlerinnen Helena und Liz.
Schulreferentin Patricia Schon-Ohnesorge (Mitte) überreichte Ute Scherrer-Burkhardt (rechts) die Versetzung in den Ruhestand. Ihre Nachfolgerin ist Julia Berg (links), hier mit den beiden Viertklässlerinnen Helena und Liz. © Goeckel, Rolf

Nach 24 Jahren geht Rektorin Ute Scherrer-Burkhardt in den verdienten Ruhestand

Freiendiez -24 Jahre war sie Rektorin der Freiendiezer Pestalozzi-Grundschule und damit eine Institution für Generationen von Schülern. Fast vier Jahrzehnte war die gebürtige Wiesbadenerin Lehrerin, gestern wurde sie feierlich von Kindern, Eltern und Kollegen in den Ruhestand verabschiedet: Mit Ute Scherrer-Burkhardt verlässt eine außergewöhnlich engagierte Pädagogin den Schuldienst, wie mehrere Redner feststellten.

"Eine Ära geht zu Ende", sagte Bürgermeister Michael Schnatz (SPD) für den Schulträger, die Verbandsgemeinde Diez. Mit Ute Scherrer-Burkhardt verlasse eine "ausgewiesene Fachfrau" die Schule, die "alle Erwartungen übertroffen hat". Schulleiter, so Schnatz weiter, müssten Alleskönner sein. "Und jetzt verlieren wir seine solche Alleskönnerin." Mit Stolz und Genugtuung könne Ute Scherrer-Burkhardt auf die letzten 24 Jahre zurückblicken, denn sie habe mit ihrem Team viel bewegt, sei es die Einführung des Mittagessens in der Schule, ein Kommunikationstraining, die qualifizierte Hausaufgabenbetreuung und - ein Herzensanliegen von ihr - den Aufbau einer inklusiven Schwerpunktschule, "damit auch beeinträchtigte Kinder eine Chance haben, zu den Starken zu gehören", so Schnatz. "Sie hinterlassen viele große Fußstapfen", so der Bürgermeister, der für die VG Diez ebenso dankte wie im Namen vieler Kinder, "die hier optimal aufs Leben vorbereitet wurden".

Eine heitere Abschiedsrede mit lustigen Sprüchen von Kindern hielt die ADD-Grundschulreferentin für den Rhein-Lahn-Kreis, Patricia Schon-Ohnesorge. Sie ließ wichtige Stationen auf dem Berufsweg von Ute Scherrer-Burkhardt, die nach dem Abitur kurzzeitig Steuerfachgehilfin werden wollte, Revue passieren. Angefangen vom Referendariat an der Mosel und ihrer ersten Stelle im Westerwald über ihr Konrektorat in Ransbach-Baumbach bis hin zum Antritt der Schulleiterstelle an der Pestalozzischule im Jahr 1998. "Ihr Blick ist immer auf das Kind gerichtet", zitierte Schon-Ohnsorge aus den vielen positiven Beurteilungen, die Scherrer-Burkhardt im Laufe ihrer Dienstzeit erhalten hat.

Konrektorin Julia Berg, die vom 1. August an die Schulleitung übernimmt, dankte Ute Scherrer-Burkhardt für ihr enormes Engagement. "Du hast ein großes Herz für unsere Kinder gezeigt", sagte Berg, die sich die Mühe gemacht hatte, die Schultage der scheidenden Rektorin nachzuzählen: Rund 4800 seien es in den 24 Jahren gewesen. Besonders hob die künftige Rektorin Scherrer-Burkhardts Einsatz für die Inklusion von Kindern mit Einschränkungen hervor; Sie habe Pionierarbeit geleistet, als die Pestalozzischule 2002 inklusive Schwerpunktschule wurde.

Personalratsvorsitzende Meike Ludwig lobte den "wertschätzenden Umgang" miteinander. An der Pestalozzischule gelte dank Ute Scherrer-Burkhardt die goldene Schulregel: "Niemand hat das Recht, andere zu beleidigen, verletzen oder auszugrenzen." In einem Brief bezeichnete die wegen Krankheit abwesende Pfarrerin Kerstin Lüderitz Scherrer-Burkhardt gar als den "Engel der Pestalozzischule", für den nun schon ein neuer Engel bereitstehe.

Ute Scherrer-Burkhardt musste gestern viele Hände schütteln und Menschen umarmen. Besonders freute sie sich aber über die Darbietungen der Kinder. "Ciao - es war so schön", sang die Klassenstufe eins. Selbst gebastelte Blumen und Wünsche für den neuen Lebensabschnitt überreichten die Zweitklässler, denen die Mädchen und Jungen der dritten Klassen mit dem Lied "Mehr davon" folgten. Schließlich sangen die Viertklässler "Wir haben nie daran gezweifelt" von Udo Lindenberg, bevor Ute Scherrer-Burkhardt durch ein Spalier und Meer von Seifenblasen in den Ruhestand ging. Dort hat sie nun Zeit, "einfach nur dazusitzen und vor sich hinzuschaukeln", zitierte Patricia Schon-Ohnesorge mit einem Augenzwinkern Astrid Lindgren. Rolf Goeckel

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