Der Durchstich der Personenunterführung in Niederlahnstein bildete die Vorlage für unsere Bildmontage. So könnte ein neuer Zugang von der Wilhelmstraße aussehen.
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Der Durchstich der Personenunterführung in Niederlahnstein bildete die Vorlage für unsere Bildmontage. So könnte ein neuer Zugang von der Wilhelmstraße aussehen.

Deutsche Bahn schlägt Neubau in Diez vor

Bahnhof wird barrierefrei

Sanierung zu teuer

Diez -Der Diezer Bahnhof ist seit Jahren ein Problemfall in der Grafenstadt. Er ist nicht barrierefrei, dunkel und unsicher sowie verschmutzt. Doch jetzt scheint sich endlich etwas zu bewegen. In der jüngsten Stadtratssitzung am Donnerstagabend stellten Sascha Otten, Jonathan Jentzmik und Daniel Morgenstern von DB Station & Service die aktuellen Planungen für den barrierefreien Umbau des Bahnhofs vor.

Die Deutsche Bahn (DB) sieht erhebliche Probleme in der Statik der alten Unterführung, wenn dort ein Aufzug eingebaut werden müsste. Für die geplante Rampe, die anstelle der bisherigen Treppe die Verbindung von der Bahnhofstraße in die Unterführung herstellen soll, wird eine von der DB verkaufte Teilfläche vom neuen Eigentümer des Bahnhofs benötigt. Dieser Ankauf kam bislang nicht zustande, da der Eigentümer zu Notarterminen nicht erschien. Auf der Seite zur Wilhelmstraße bilden die schmalen Treppen ein besonderes Hindernis. Insgesamt kalkuliert die DB den Umbau dieser Variante 1 mit rund 8 Millionen Euro und müsste 180 Quadratmeter Fläche in der Unterführung unterhalten.

Außerdem stellte die DB zwei Varianten mit einem teilweisen oder vollständigen Neubau einer Unterführung von der Bahnhofstraße aus vor. Der Zugang erfolgt zwischen dem Bahnhof und dem Stellwerk zum Bahnsteig der Lahntalbahn jeweils mit Treppe und Aufzug. Bei Variante 2a, die von der DB als Übergangslösung beschrieben wird, bleiben die alte Treppe und Unterführung in Richtung Wilhelmstraße unverändert bestehen, der Zugang von der Bahnhofstraße würde geschlossen. Für die Baumaßnahmen wären 5,5 Millionen Euro einzuplanen und rund 240 Quadratmeter an Flächen in den beiden Unterführungen dauerhaft zu unterhalten.

Die von der DB bevorzugte Variante 2b sieht einen kompletten Neubau der Personenunterführung bis in die Wilhelmstraße vor, vergleichbar mit der Lösung im Bahnhof Niederlahnstein. Diese Variante wird mit Gesamtkosten in Höhe von 7,2 Millionen Euro für Durchstich sowie zwei Aufzügen kalkuliert und 170 Quadratmeter Fläche in der Unterführung. Bei einer Reaktivierung der Aartalbahn müsste für die Anbindung des Bahnsteigs das äußere Gleis der Aartalbahn etwas nach außen verschwenkt werden, um einen weiteren Aufzug und eine Treppe zu bauen. Die Flächen gehören allerdings der DB, so dass dort kein Grunderwerb notwendig würde.

Bahnsteigdach

ohne Zukunft?

Weder von den Vertretern der DB, noch aus dem Stadtrat wurde über die neue Lage des Bahnsteigs der Lahntalbahn gesprochen, die nur aus den Zeichnungen erkennbar wird. Bei beiden Varianten würde der bestehende Bahnsteig mit seiner großzügigen Überdachung außer Betrieb genommen und ab der Unterführung ein neuer 140 Meter langer Mittelbahnsteig in Richtung Freiendiezer Tunnel neu gebaut. Wartenden Reisenden stünden zukünftig lediglich kleine Wetterunterstände zur Verfügung. Über den Fortbestand des um 1910 errichteten und noch nicht unter Denkmalschutz stehenden Bahnsteigdaches verlieren die Unterlagen kein Wort.

Finanzierung aus Bundesmitteln

Stefan Holl von der FWG wies in der anschließenden Diskussionsrunde noch einmal auf die Zählung der Fahrgäste am Diezer Bahnhof hin. Sie sei entscheidend für die Festsetzung der Kosten, die dann auf die Stadt Diez zukommen würden. Betrage die Zahl der Fahrgäste unter 1000 Personen, müsse sich die Stadt finanziell nicht beteiligen. Aber liegen die Fahrgastzahlen über 1000, dann werde auch die Grafenstadt finanziell verpflichtet, so Holl.

Die Fahrgastzahlen seien für das Thema Barrierefreiheit relevant, erklärte Jonathan Jentzmik. Bei einer hohen Zahl an Fahrgästen müsse ein Bahnhof barrierefrei sein. Im Fall von Diez empfehle er den barrierefreien Zugang für die Fahrgäste.

Herbert Pechmann von der FDP wollte wissen, wie lange die Planungsphase von der DB angesetzt ist und mit welcher genauen Kostenhöhe zu rechnen sei. Denn er befürchte eine finanzielle Mehrbelastung für die Stadt Diez. Ihm erwiderte Sascha Otten, dass die genauen Kosten erst nach der Entwurfsplanung feststehen werden. Aber sicher sei, dass der Neubau weniger kosten werde als eine Sanierung des Bestehenden. Er fügte hinzu, dass der Großteil der Kosten aus Bundesmitteln finanziert werden. Baubeginn soll 2025/26 sein.

Axel Fickeis (CDU) bemängelte, dass bereits seit 20 Jahren über Barrierefreiheit am Diezer Bahnhof gesprochen werde, ohne dass etwas getan wurde. Nun soll es noch weitere fünf Jahre dauern. Ramona Wiese von der SPD wollte wissen, ob es eine Möglichkeit gibt, die Aufzüge vor Vandalismus zu schützen. Sie schlug die Installierung einer Videoanlage vor. Sascha Otten erklärte, dass Aufzüge immer gefährdet seien, Opfer von Vandalismus zu werden. Die Entscheidung zur Errichtung eine Videoanlage liege bei der Polizei, berichtete Otten. Aber die DB werde die dafür erforderliche Infrastruktur schaffen.

Stadtbürgermeisterin Annette Wick sagte, dass die Situation sehr unbefriedigend sei für die Stadt Diez. Sie habe damit gerechnet, dass alles bereits in trockenen Tüchern sei und sie nur noch unterschreiben müsse. Herbert Pechmann schlug eine Begehung vor. Sie sei sinnvoll, um eine Entscheidung treffen zu können. Sie soll dann bei der Stadtratssitzung Ende April fallen. na/hpg

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