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Bürgermeister zieht bei der Kirche ein

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Von: Rolf Goeckel

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Sie freuen sich über die gemeinsame Nutzung des evangelischen Gemeindehauses Heistenbach (von links): Ortsbürgermeister Mirko Unkelbach, Pfarrer Manuel Fetthauer und Philipp Christmann vom Bauausschuss der Kirchengemeinde St. Peter.
Sie freuen sich über die gemeinsame Nutzung des evangelischen Gemeindehauses Heistenbach (von links): Ortsbürgermeister Mirko Unkelbach, Pfarrer Manuel Fetthauer und Philipp Christmann vom Bauausschuss der Kirchengemeinde St. Peter. © goe

Kommune und Kirche nutzen evangelisches Gemeindehaus gemeinsam

Heistenbach -Sinkende Mitgliederzahlen und damit zurückgehende Kirchensteuereinnahmen bereiten den Kirchengemeinden zunehmend Probleme, ihre Immobilien zu unterhalten. Wegweisend könnte eine Lösung sein, die die Evangelische Kirchengemeinde St. Peter jetzt in Heistenbach gefunden hat. Dort teilen sich künftig Kirchengemeinde und Zivilgemeinde das evangelische Gemeindehaus in der Wiesenstraße. Vom 1. Oktober an nutzt die Ortsgemeinde Heistenbach den kleinen Saal des Gemeindehauses als Bürgermeister-Dienstzimmer und den großen Saal für ihre Ausschuss- und Gemeinderatssitzungen, erläutern Ortsbürgermeister Mirko Unkelbach und Pfarrer Manuel Fetthauer die Zusammenarbeit. Geregelt ist das Ganze in einem Mietvertrag, der kürzlich unterzeichnet worden ist.

Hintergrund für den "Deal" ist der Platzbedarf der Ortsgemeinde auf der einen Seite und die schwächere Nutzung des Gemeindehauses auf der anderen. "Wir benötigen das Gemeindehaus für Gottesdienste nicht mehr", sagt Fetthauer. Künftig wird dafür die St.-Peter-Kirche Diez genutzt. Diese Zentralisierung habe sich während der Corona-Pandemie ergeben, in der - früher undenkbar - die Gottesdienste in die zentrale Kirche für die fünf St.-Peter-Gemeinden Altendiez, Heistenbach, Gückingen, Aull und Hambach verlegt wurden. Das Gemeindehaus war in der Pandemie für Gottesdienste zu eng geworden. Auch der kleine Saal, der sich in einem Anbau befindet, wird von der Kirche nicht mehr benötigt, so dass dieser der Ortsgemeinde vollständig überlassen werden kann. Den großen Saal werden sich Orts- und Kirchengemeinde künftig teilen, denn nach wie vor wird er an einigen Nachmittagen von kirchlichen Gruppen genutzt.

Ohne die Vermietung an die Ortsgemeinde hätte dem evangelischen Gemeindehaus in einigen Jahren der Leerstand gedroht, macht Fetthauer deutlich. Denn ob die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) über das Jahr 2027 noch Zuschüsse für das Gebäude zahlt, sei im Zuge der laufenden Neubewertung der kircheneigenen Immobilien fraglich. "Spätestens ab 2030 hätten wir uns Gedanken machen müssen, was mit dem Gebäude passiert", sagt der Kirchenmann.

"Ein Leuchtturm

für die Region"

Der Charme der jetzt gefundenen Lösung bestehe vor allem darin, dass die Kirchengemeinde St. Peter, die insgesamt drei Gemeindehäuser besitzt, von den Mieteinnahmen eine Rücklage bilden und für die spätere Unterhaltung des Hauses verwenden kann. "Damit haben wir die Existenz des Gemeindehauses langfristig gesichert", freut sich Manuel Fetthauer, der sogar von einem "Leuchtturmprojekt für die Region" spricht. Zufrieden ist aber auch die Ortsgemeinde Heistenbach, wie deren Bürgermeister Mirko Unkelbach unterstreicht.

Denn schon lange habe die Kommune über ein barrierefrei zugängliches Sprechstundenzimmer für den Ortsbürgermeister nachgedacht, ohne so richtig bei dem Thema voranzukommen. "Jetzt haben wir das Problem auf einen Schlag gelöst", freut sich Unkelbach. Zumal das evangelische Gemeindehaus mitten im Ort gelegen sei und auch über zwei Parkplätze vor dem Haus verfüge. Die Alternative, die im Raum stand, die Sanierung des Feuerwehrhauses, wäre die Ortsgemeinde deutlich teurer zu stehen gekommen.

Schon länger habe die Gemeindeverwaltung mit Platzproblemen im Rathaus zu kämpfen gehabt. Das Erdgeschoss ist komplett mit der Kita belegt, im Untergeschoss ist die Feuerwehr untergebracht; das Bürgermeisterzimmer befindet sich schlecht zugänglich im ersten Stock gleich neben einer Mietwohnung. Von vertraulicher Atmosphäre ist keine Spur. Auch für die Ratssitzungen wurden neue Räume gesucht, denn der bisherige Raum in der viel genutzten Lindenhalle sei unbefriedigend gewesen, betont der Ortschef. "Die jetzt gefundene Lösung ist wirtschaftlich und nachhaltig", so Unkelbachs Einschätzung, die der Gemeinderat mit einem einstimmigen Votum unterstützt habe. Rolf Goeckel

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