Der Zustand der Bäume im Hain in Diez hat sich in den vergangenen Jahren verschlechtert. Schuld sind sehr heiße und trockene Sommer. Die Bäume eignen sich daher nicht mehr für den Kletterwald. Das geht aus dem Bericht des Försters der Stadt hervor.
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Der Zustand der Bäume im Hain in Diez hat sich in den vergangenen Jahren verschlechtert. Schuld sind sehr heiße und trockene Sommer. Die Bäume eignen sich daher nicht mehr für den Kletterwald. Das geht aus dem Bericht des Försters der Stadt hervor.

Verlängerung des Pachtvertrages in Diez steht auf der Kippe

Den Kletterwald gibt es vielleicht bald nicht mehr

  • vonMariam Nasiripour
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Keine Verkehrssicherheit wegen kranker Bäume

Der Kletterwald im Diezer Hain ist für das dortige Baumsterben verantwortlich. Davon ist die CDU-Fraktion im Stadtrat überzeugt. Als Ursache werden die Anbauten und die Plattformen sowie der Stammschutz mit den Drahtseilen genannt, die nicht dem Dickenwachstum der Bäume folgend angepasst wurden. "So kommt es an den betroffenen Bäumen zu Stauchungen am Stamm, wodurch der Baum nicht mehr richtig versorgt werden kann. An den betroffenen Stellen entsteht ein sogenannter Versorgungsschatten. Dadurch entstehen Versorgungsprobleme, welche die Bäume - da es sich auch um ältere Exemplare handelt - nicht mehr kompensieren können", geht aus der Erklärung der CDU hervor.

Dem widerspricht der Revierförster der Stadt Diez, Johannes Betz. Die Bäume im Diezer Wald sterben ab, weil die Sommer in Deutschland mehrere Jahre hintereinander zu heiß und trocken waren. Zwar sei die Eiche eine Baumart, die Trockenheit vertrage, aber nicht wenn sie mehrere Jahre hintereinander herrscht. "Die Eiche ist ein besonderes Bäumchen. Sie hat ihre Spezialitäten", erklärt Betz. Und fügt hinzu, dass der Hain in Diez kein natürlicher Wald sei, sondern eine von Menschenhand gestaltete Natur.

Früher ein Teil

des Schlossparks

Der Landschaftsgärtner des englischen Gartens in München hätte auch den Hain gestaltet, der früher ein Teil des Schlossparks von Schloss Oranienstein war. Eine Tatsache, die bei der Bewertung des Waldes und dem Gesundheitszustand seiner Bäume eine Rolle spiele. Denn die Eiche benötige viel Licht. Das wurde weder bei der Bepflanzung der Bäume Ende des 18. Jahrhunderts berücksichtigt, noch vor 20 Jahren, als die Themen Klima und Klimawandel auch schon aktuell waren, sagt Johannes Betz.

Die Bäume im Hain stehen zu dicht aneinander und nehmen sich gegenseitig das Sonnenlicht weg. Wer sich die Bäume im Hain genauer anschaut, wird sehen, dass sich einige ihren Weg zur Sonne suchen und sich dabei an den anderen Bäumen vorbei schlängeln. So ist der Anblick von schiefen und krummen Bäumen oder Ästen kein seltener. Mittlerweile hätten sich im Hain sogar seltene Tiere und Vogelarten angesiedelt und ein vielfältiges Lebensreich geschaffen, ergänzt Betz.

Viele Faktoren spielen hier eine Rolle

Auch Tobias Hüge, Leiter des Bauamts der Stadt Diez, wehrt sich gegen eine pauschale Schuldzuweisung. "Es sind viele Puzzleteile, die hier zusammen greifen", erläutert er. Zwar hätten die Anbauten und Plattformen an dem einen oder anderen Baum mechanische Schäden verursacht, aber die alleinige Schuld tragen sie nicht. Das werde auch dadurch ersichtlich, dass im Kletterwald nur ein einziger Baum gefällt werden muss. Alle anderen Bäume seien in einem besseren Zustand.

Dennoch sprach sich Revierförster Johannes Betz gegen eine Verlängerung des Pachtvertrags über 2023 hinaus aus. "Die Voraussetzungen für den Kletterwald sind heute andere als 2009", sagt Betz. Die Bäume seien nicht mehr verkehrssicher genug, um den Kletterwald beherbergen zu können. Denn die Eiche sei ein Baum, der ohne Vorwarnung plötzlich umfallen würde. Im Gegensatz zu anderen Baumarten würde man ihr ihre Krankheit von außen nicht ansehen.

Nun muss der Pächter des Kletterwaldes, Stefan Heiland, die notwendigen Sicherungsmaßnahmen und Umbauten vornehmen, damit er den Betrieb bis zum Ende der Vertragslaufzeit noch aufrechterhalten kann. Mit der Stadt habe man sich darüber geeinigt, so Heiland, dass er und sein Team diese Arbeiten erledigen werden. Im Gegenzug werde die Stadt ihm finanziell entgegen kommen. Mit den Arbeiten will Heiland, sobald es die Witterung zulässt, beginnen. Er geht davon aus, dass die Maßnahmen bis in die Saison hinein andauern werden.

Im September 2020 hatte Stefan Heiland Kontakt mit der Stadt Diez aufgenommen und um eine Kontrolle der Bäume im Kletterwald gebeten. Da er einige Investitionen plante, wollte er sich vergewissern, dass er den Kletterwald noch weitere Jahre betreiben darf. Diesen Plänen musste Revierförster Betz nun eine Absage erteilen.

Stefan Heiland hatte den Kletterwald 2017 vom damaligen Pächter übernommen. Nach eigenen Angaben ohne über die mit der Stadt getroffenen Vereinbarungen, wie die regelmäßigen Baumkontrollen, informiert worden zu sein. Das sehen Tobias Hüge und Johannes Betz anders: "Er hätte sich informieren müssen." Die Nachricht der Stadt, dass sein Pachtvertrag nicht verlängert wird, habe ihn hart getroffen. "Mir wurde der Boden unter den Füßen weggerissen", berichtet Heiland. Jetzt müsse er seine ganze Lebensplanung über Bord werfen und überdenken.

Ob der Pachtvertrag verlängert wird oder nicht, darüber entscheidet der Stadtrat von Diez. Die CDU-Fraktion wird auf jeden Fall dagegen stimmen. "Eine Fortführung des Pachtvertrages erscheint unter diesen Bedingungen nicht sinnvoll", erklären die Diezer Christdemokraten. Wie sich die anderen Fraktionen entscheiden werden, wird man am Donnerstag, 25. März, bei der nächsten virtuellen Sitzung des Stadtrats sehen.

2009 entstand die Idee zur Errichtung eines Kletterwaldes im Diezer Stadtwald, der dann 2013 eröffnete. Seitdem zog er viele Besucher an.

Mariam Nasiripour

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