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Oranienbad in Diez verfällt: Sanierung würde Millionen kosten

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Von: Rolf Goeckel

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Nicole Schellong erläuterte den zum Teil maroden Zustand des Diezer Oranienbads sehr eindrücklich.
Nicole Schellong erläuterte den zum Teil maroden Zustand des Diezer Oranienbads sehr eindrücklich. © goe

Dringender Sanierungsbedarf am Oranienbad in Diez könnte in den nächsten Jahren rund zehn Millionen Euro verschlingen.

Diez – Das Oranienbad Diez ist in die Jahre gekommen: Der Beton bröckelt von den Decken unterhalb der Schwimmhalle, das Stahlskelett rostet, und das Nichtschwimmerbecken ist derart undicht, dass es Wasser verliert - zum Teil mehrere hundert Liter täglich, wie Nicole Schellong von der Betriebsleitung bei einem Besuch des Landratskandidaten Udo Rau (CDU) schilderte. Der Erste Stadtbeigeordnete und Hallenbad-Geschäftsführer Marco Rosso (CDU) berichtete, dass der TÜV bei seiner jüngsten Überprüfung Alarm geschlagen habe. „Wenn wir nicht sanieren, dann macht uns der TÜV in drei bis fünf Jahren das Bad dicht“, sagte Rosso.

Derzeit hat das Hallenbad zwar noch eine Betriebserlaubnis, so dass keine unmittelbare Schließungsgefahr besteht. Doch angesichts des fortschreitenden Verfalls und der damit verbundenen Unsicherheit, wie standfest das Gebäude noch ist, sehen Rosso und auch Stadtbürgermeisterin Annette Wick (SPD) Handlungsbedarf. Zumindest sollten sich die zuständigen Gremien in nächster Zeit Gedanken machen, ob es mit einer von Rosso so bezeichneten „Kleinstsanierung“ mit einem Kostenaufwand von rund einer halben Million Euro getan ist, oder ob nicht doch besser eine „große Lösung“ in Angriff genommen wird. Dafür allerdings müssten die Gesellschafter des Oranienbads tief in die Tasche greifen: Nach ersten Kostenschätzungen des auf Bäder spezialisierten Stuttgarter Ingenieurbüros Fritz dürfte der Aufwand - je nach Ausführung - bei 9,3 bis 11,3 Millionen Euro liegen, sagte Rosso.

Oranienbad in Diez (Limburg): Vor Corona bis zu 600 Badegäste täglich

Das Oranienbad Diez wurde 1982 eröffnet, nachdem das alte Hallenbad bei einer Gasexplosion 1979 komplett zerstört worden war. Die nahe der Landesgrenze zu Hessen gelegene Schwimmstätte wird betrieben von vier Gesellschaftern: Den Städten Diez und Limburg sowie den Landkreisen Rhein-Lahn und Limburg-Weilburg. Erst in den Jahren 2013/2014 wurde das Bad mit einem Millionenaufwand saniert - allerdings betraf dies lediglich den Anbau eines neuen Umkleide- und Saunatrakts sowie die Modernisierung der Technik. Die große Schwimmhalle mit insgesamt 510 Quadratmetern Wasserfläche stammt noch aus den frühen 80er Jahren. Das ist inzwischen auch von außen sichtbar: Ständig beschlagene Scheiben belegen, dass die Halle undicht ist. Entsprechend hoch sei der Energieaufwand, sagte Nicole Schellong. „Energetisch sind wir ganz hinten dran.“ Immerhin: Vor rund einem Jahr wurde ein neues Blockheizkraftwerk in Betrieb genommen, das sich im Eigentum der Süwag befindet. Und eine neue Belüftungsanlage gibt es auch.

Die Bedeutung des Oranienbads sei groß, sagte Rosso: Schulkinder der Region Diez/Limburg lernen hier ihre ersten Schwimmzüge, und auch die angehenden Beamtinnen und Beamten der Diezer Bundespolizeischule sowie Soldaten der Bundeswehr nutzen die Sportstätte ausgiebig. In Vor-Corona-Zeiten hatte das Bad rund 600 Besucher täglich, derzeit sind es wegen der Corona-Beschränkungen deutlich weniger. Sollte das Bad dicht machen müssen, wäre kein Ersatz vorhanden: Die nächsten Hallenbäder befinden sich in Montabaur, Bad Ems und Weilburg. Das Hallenbad Offheim sei als Ersatzlösung viel zu klein.

Diez (Limburg): Chlorgas frisst sich durch den Beton am Oranienbad

Warum das Kinder- und Nichtschwimmerbecken, aber auch Toiletten undicht sind, ist laut Schellong ungeklärt. Alleine um die Ursache dafür herauszufinden, müssten die Bad-Betreiber nach Rossos Angaben rund eine viertel Million Euro ausgeben. Noch einmal dieselbe Summe dürfte fällig werden, um die Becken abzudichten. Angesichts des hohen Alters des Schwimmbads und der Tatsache, dass das für die Bad-Hygiene benötigte Chlorgas die Stahlbeton-Konstruktion fortlaufend schwächt, habe der Stuttgarter Schwimmbad-Spezialist im Frühjahr 2021 eine Komplettsanierung, besser noch den Abriss und Neubau des Badetrakts empfohlen. Bei dieser Gelegenheit könnte die Badelandschaft um ein seit langem zusätzlich benötigtes Becken erweitertet werden. Die Sanierung würde laut Kostenschätzung 9,3 Millionen Euro kosten, der Abriss und Neubau des Badetrakts wäre für zwei Millionen Euro mehr zu haben - Preissteigerungen der letzten Monate nicht eingerechnet. Nachteil einer solchen „großen Lösung“: Das Oranienbad müsste erneut für mindestens zwei Jahre schließen - so wie schon bei der Sanierung der Jahre 2013/14.

Der CDU-Landtagsabgeordnete sowie Stadtrats- und Kreistagsmitglied Matthias Lammert erinnerte an „heftige Diskussionen“, die es vor rund zehn Jahren im Kreistag wegen der Bad-Sanierung gab. Dabei habe der Westen des Landkreises gegen den Osten gestanden, wobei im Laufe der Debatte sogar die Existenzberechtigung des Schwimmbads in Frage gestellt worden sei. Zumal die Stadt Lahnstein aus eigenen Mitteln ein eigenes Hallenbad betreibt und die Stadt Bad Ems eine privat betriebene Therme besitzt.

Oranienbad in Diez (Limburg): „Unangenehme Debatte“ im Kreistag

Auch der Landratskandidat, Kreistagsmitglied und ehemalige Bürgermeister der Verbandsgemeinde Nassau, Udo Rau, konnte sich noch gut an diese „unangenehme Debatte“ im Kreistag erinnern. Mit konkreten Zusagen im Falle seiner Wahl zum Landrat hielt sich der Wahlkämpfer Rau zwar zurück, doch er unterstrich, dass das Oranienbad bestehen bleiben muss. „Was nicht geht, ist die Vogel-Strauß-Taktik des Kopf in den Sand“, sagte der Nassauer Kommunalpolitiker. Jetzt gehe es darum, das Thema rasch in die zuständigen Gremien zu bringen, eine gemeinsame Lösung zu finden und dann eine Entscheidung zu treffen. Dabei sprach sich Rau für eine klimafreundliche Lösung aus, „die wir den nachfolgenden Generationen schuldig sind“.

Eine Hürde für schnelle Entscheidungen sahen die bei der Bad-Besichtigung anwesenden Kommunalpolitiker in der Gesellschafterkonstruktion, die sich schon vor zehn Jahren als problematisch erwiesen habe. Da die beteiligten Kommunen auf Zuschüsse der jeweiligen Bundesländer angewiesen seien, könnte es sich als schwierig erweisen, dass Hessen und Rheinland-Pfalz unterschiedliche Förderrichtlinien hätten. Dies könnte unter Umständen Zeit kosten.

Kurz diskutiert wurde auch über mögliche Synergieeffekte bei der ebenfalls anstehenden Erneuerung der benachbarten Eissporthalle. Stadtbürgermeisterin Annette Wick berichtete, dass diese Sportstätte demnächst verkauft werden soll und ebenfalls sanierungsbedürftig sei. Bei dieser Gelegenheit, so jedenfalls die Idee, sollte über ein gemeinsames Blockheizkraftwerk nachgedacht werden. Auch die nahegelegene JVA könnte möglicherweise darin einbezogen werden. (Rolf Goeckel)

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