Unmögliche Zustände auf den beiden Kunstrasenplätzen der Sportanlage Wirt. Die Spieler, Trainer und Eltern sind nur noch frustriert
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Unmögliche Zustände auf den beiden Kunstrasenplätzen der Sportanlage Wirt. Die Spieler, Trainer und Eltern sind nur noch frustriert

Sportler in Diez sauer

Die Schnitzel-Klumpen auf dem Kunstrasen

  • VonRolf-Peter Kahl
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Das Granulat auf der Sportanlage am Wirt sorgt weiter für Ärger

Das Granulat auf den Kunstrasenplätzen der Sportanlage Wirt bildet wieder Klumpen. Und damit haben sowohl die fast 300 großen wie kleinen Fußballer und die Schüler der Pestalozzi-Schule als auch die Stadt und der SV Diez/Freiendiez ein Problem, das eigentlich erledigt sein sollte.

Rückblick: Die zehn Jahre alten Plätze standen wartungsgemäß (Gewährleistungspflicht) zu einer Granulatneubefüllung an. Das Problem: Die Firma, die die Plätze verlegt hatte, existierte nicht mehr. Somit wurde von der Stadt ein anderes Unternehmen beauftragt, das den Austausch 2017 vollzog. Danach entstand das weitaus größere Problem. Bereits im Sommer 2018 beklagten die heimischen Fußballer sowohl beim Training als auch bei Spielen auf dem Kleinfeld dicke Granulat-Klumpen unter ihren Schuhen. Die Stadt reagierte zunächst mit einer Platzsperrung des Kleinfeldes, und nachdem im Frühjahr 2019 das gleiche Problem auf dem Großfeld auftrat, wurde auch dieser Platz gesperrt. Ausgewichen wurde auf die Zentrale Sportanlage. Die Stadt verklagte das Unternehmen und es kam im Frühjahr 2019 zu einem Termin auf dem Wirt, an dem die beiden Streitparteien und ein unabhängiger Gutachter teilnahmen. Den Vorwurf der Stadt, das ausführende Unternehmen habe "minderwertiges" Granulat aufgebracht, wurde von der Firma zurückgewiesen. Beim Landgericht Koblenz wurde wegen der Eilbedürftigkeit ein selbstständiges Beweisverfahren angestrebt.

Schaden an den

Fußballschuhen

Dann kam Corona und der Virus beendete nicht nur jeglichen sportlichen Betrieb - auch der Rechtsstreit geriet ins Stocken.

Mittlerweile entwickelten sich die Corona-Werte in den letzten Wochen derart positiv, dass eine Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs möglich wurde. Und auch nach monatelanger Pause zeigte sich wieder massiv, dass bei direkter Sonneneinstrahlung und etwas höheren Außentemperaturen erneut Klumpenbildung entsteht. Schon nach wenigen Minuten Aufenthalt auf dem Kunstrasen haben die Spieler Klumpen so groß wie Schnitzel an den Schuhen hängen. Spieler, Eltern, Trainer und Betreuer sind gefrustet. Die verklebte Masse zwischen den Stollen beeinträchtigt nicht nur die Kickerei. Wenn man die Masse an den Schuhen nach dem Training nicht intensiv entfernt, wird sie fast betonhart und schädigt den Fußballstiefel. "Wir erleben bereits schon Androhungen von Schadenersatzforderungen oder sogar Vereinsaustritt, wenn sich nichts ändert" weiß Fußballabteilungsleiter Alex Wiediker.

Auch der Trainer der Senioren, Peter Kaiser, spricht von unmöglichen Zuständen. Bei einem Pressetermin Mitte der Woche unterrichtete der Beigeordnete der Stadt, Marco Rosso, dass am 7. Juni das schriftliche Urteil des Landgerichts eingegangen sei, in dem das selbstständige Beweisverfahren angeordnet ist. Rosso: "Wir werden über unsere Anwaltskanzlei dem streitbaren Unternehmen eine Monatsfrist zur Behebung oder Beseitigung des Problems einräumen. Ansonsten vergeben wir den Auftrag an eine Drittfirma und stellen die Kosten in Rechnung."

SV-Vorsitzender Axel Fickeis, der gemeinsam mit Kaiser und Wiediker von einer außergewöhnlichen Beeinträchtigung des Sportbetriebs spricht, sieht die Gefahr, dass die Stadt am Ende auf den Kosten von rund 165 000 Euro sitzenbleibt. Angesichts der schadhaften Kunstrasenplätze, der bekannten Mängel und Schäden an der Turnhalle sowie der mutwillig beschädigten und deswegen gesperrten DFB-Box erachtet Fickeis die "Sportanlage Wirt als einen kompletten Sanierungsfall." rolf-peter kahl

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