Um 1905 ist dieses Bild mit der Einmündung der Aartalbahn in den Bahnhof Diez entstanden. Vor dem als Posten 18 bezeichneten Schrankenwärterhäuschen stehen das Einfahrsignal und ein Läutewerk. Während im Vordergrund noch Rollgitter zum Sperren der Limburger Straße verwendet werden, kommen auf der gegenüberliegenden Seite schon Kurbelschranken zum Einsatz.
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Um 1905 ist dieses Bild mit der Einmündung der Aartalbahn in den Bahnhof Diez entstanden. Vor dem als Posten 18 bezeichneten Schrankenwärterhäuschen stehen das Einfahrsignal und ein Läutewerk. Während im Vordergrund noch Rollgitter zum Sperren der Limburger Straße verwendet werden, kommen auf der gegenüberliegenden Seite schon Kurbelschranken zum Einsatz.

Schienenverkehr

Diez: Aartalbahn startete vor 150 Jahren

Strecke von Diez nach Zollhaus ging nach nur 502 Tagen Bauzeit in Betrieb.

Diez -Mit einem "Allerhöchsten Erlaß" vom 20. April 1868 wurde der Bau der beiden Bahnstrecken von Limburg nach Hadamar und von Diez nach Zollhaus in die Wege geleitet, nachdem beide Häuser des preußischen Landtags bereits am 17. Februar des Jahres ihre Zustimmung gegeben hatten. Die Arbeiten für den Bau der Bahn in das Aartal begannen am 14. Januar 1869 nach den Plänen und unter der Leitung von Moritz Hilf. Dieser war nach der preußischen Annektion des Herzogtums Nassau - als ehemaliger Technischer Direktor der Nassauischen Staats-Eisenbahn - in die Königlichen Eisenbahndirektion Wiesbaden als Geheimer Regierungsrat übernommen worden und blieb dem Nassauer Land bis zur Pensionierung treu.

Der breite Unterlauf der Aar ermöglichte Hilf eine möglichst geradlinige Streckenführung, die von Diez bis kurz vor Oberneisen am rechten und dann bis Zollhaus am linken Ufer verlief und so den Gemeinden etwas größere Entfernungen zwischen dem Ort und den Bahnhöfen bescherte. Bei den Gebäuden konnte Hilf auf die bewährten Pläne des Diezer Architekten Heinrich Velde zurückgreifen und so entsprechen die heute noch vorhandenen kleinen Bahnwärterhäuser unterhalb der Ardeck und bei Oberneisen, aber auch die Empfangsgebäude von Flacht, Oberneisen und Hahnstätten sowie der sehr großzügige Bahnhof von Zollhaus den vergleichbaren Stationsgebäuden an der Lahntalbahn oder der Strecke nach Hadamar.

Bodenschätze transportiert

Nachdem am 18. Mai 1870 die landespolizeiliche Abnahme der 10,95 Kilometer langen, als Hauptbahn angelegten Strecke erfolgt war, konnte am 1. Juni 1870 der Betrieb aufgenommen werden. Die Züge rollten über den von Moritz Hilf weiterentwickelten "zweiteiligen eisernen Langschwellen-Oberbau" und den darauf verlegten sechs Meter langen Schienen. Im ersten Jahr verkehrten zwischen Diez und Zollhaus täglich je zwei Personenzüge und zwei gemischte Züge, die auch Güterwagen mitführten. Schon bald nahm die Zahl auf vier bis sieben gemischte Züge zu. Besondere Bedeutung hatte die Bahn für den Transport der Bodenschätze wie Kalk, Ton und vor allem Erz. Aus diesem Grund war Zollhaus und nicht das größere Hahnstätten der vorläufige Endpunkt. Die dort angelegten Erzlagerplätze waren bereits am 16. Mai öffentlich verpachtet worden.

Feierlichkeiten und Ehrengäste hat es nach einem Bericht im "Kreis-Blatt für den Unterlahn-Kreis" zur Einweihung der Strecke nicht gegeben, dort heißt es: "So kam denn das schon seit Monate wartende Locomotiv" und der Autor bedauerte, dass "uns heute nicht vergönnt war, im festlichen Gewandte mit Blumen und Guirlanden geschmückt die Fahrt bei Eröffnung der Aarbahn - Diez-Zollhaus - zu begehen ..." Immerhin gab es ein gemeinsames Mittagessen in Hahnstätten und "Herr Bürgermeister Schaefer von Diez erörterte mit kurzen Worten den Zweck und das fernere Gedeihen der Aarbahn, wünschte ein engeres und festeres Zusammenhalten mit den Bewohnern der Aar und der Stadt Diez in sich verschmolzen zu wissen - und brachte den Bewohnern der Aar, welche sich, auch Ihnen zur Ehre, aus allen Orten betheiligt hatten, ein Hoch!"

Im "Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Wiesbaden" meldet die Ober-Post-Direction in einem Nebensatz: "Vom 1. Juni an treten in Folge Einführung des Sommerdienstes auf den Mittel- und Süddeutschen Eisenbahnen, beziehungsweise in Folge Eröffnung der neuerbauten Eisenbahn zwischen Diez und Zollhaus nachstehende Veränderungen im Gange der Posten ein." Dabei geht es um neu eingelegte Personenpost-Kurse von Hahnstätten nach Wiesbaden, Langenschwalbach, Catzenelnbogen und Nastätten, die vorher teilweise ab und bis Diez liefen.

Eine lange Geschichte

Die Vorgeschichte für den Bau einer Eisenbahnverbindung von Wiesbaden über den Taunuskamm und durch das Aartal nach Diez unterscheidet sich nur wenig von den nahezu endlosen Diskussionen um eine aktuelle Reaktivierung.

Erste Ideen einer direkten Bahnlinie von der nassauischen Landeshauptstadt Wiesbaden in die Bischofsstadt Limburg reichen bis in das Jahr 1845 zurück. Zunächst wurden die beiden Stichstrecken von Diez nach Zollhaus (1. Juni 1870) und von Wiesbaden nach Langenschwalbach (15. November 1889) eröffnet. Erst mit der feierlichen Inbetriebnahme des Mittelstücks zwischen Langenschwalbach (seit 1927 Bad Schwalbach) und Zollhaus am 1. Mai 1894 war nach fast 50 Jahren die Verbindung fertiggestellt.

Heute steht die insgesamt 53,7 Kilometer lange Strecke unter Denkmalschutz. Von Zollhaus aus bestand bis zur Einstellung des Personenverkehrs der Nassauischen Kleinbahn (NKB) im Jahr 1951 eine Verbindung nach St. Goarshausen und Braubach am Rhein.

Über die weitere Entwicklung der Aartalbahn für eine Reaktivierung, werden wir in Kürze berichten.

Hans-Peter Günther

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