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Arno Baumann

Stadtarchivar legt sein Amt nieder

Diez: Als Archivar hatte Arno Baumann spannende Begegnungen

  • vonMariam Nasiripour
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Ehrenamtlicher wendet sich neuen Aufgaben zu

Diez -Arno Baumann hat Anfang November sein Amt als Stadtarchivar von Diez niedergelegt. Seit 2008 bekleidete der gelernte Pfleger und Krankenhausbetriebswirt das Ehrenamt in der Grafenstadt. Aber durch seine Arbeit im Patientenmanagement eines großen Krankenhauses mit zwei Standorten und mehr als 320 Betten habe er immer weniger Zeit für die ehrenamtliche Tätigkeit als Stadtarchivar gehabt.

Alles begann mit seinem Engagement im Diezer Museums- und Geschichtsverein 2004/2005, dessen Vorsitzender er auch bis 2018 war. Zusammen mit einer anderen Familie habe er das Regionalmuseum in Diez, das heutige Museum im Grafenschloss, aufgebaut. Dabei habe er eng mit dem damaligen Stadtarchivar von Diez, Fred Storto, zusammengearbeitet. In dieser Zeit habe Storto ihn in die Arbeit des Archivs eingeleitet und ihm bereits 2006 die Schlüssel zum Stadtarchiv übergeben. 2008 wurde er dann vom Stadtrat zum Nachfolger von Storto ernannt.

Zeitungen seit den 1860er Jahren

Das Stadtarchiv beherberge die privaten Bibliotheken von Christian Spielmann und Robert Heck sowie heimathistorische Werke, Urkunden und Bilder. "Das Stadtarchiv von Diez ist mehr eine große Bibliothek mit Heimatsammlung", sagt Baumann. Des Weiteren finden sich im Stadtarchiv alle Diezer Zeitungen seit den 1860er/70er Jahren des 19. Jahrhunderts. Bereichert wird die Sammlung durch viele historische Fotografien.

Zu den Aufgaben von Arno Baumann gehörten die Beantwortung von genealogischen Fragen und Fragen zur Diezer Geschichte sowie die Erweiterung der Sammlung. Er habe aber auch versucht, die vielen Bilder des Stadtarchivs zu digitalisieren. Das sei aber, so Baumann, vielmehr die Aufgabe eines hauptamtlichen Archivars: "Diese Arbeit ist in den wenigen Stunden der ehrenamtlichen Tätigkeit nicht zu schaffen." Der 55-Jährige hat auch Bücher abgestaubt und Bilder sortiert. Außerdem hat er zwei bis drei Masterarbeiten begleitet. "Ich habe viele Stunden im Archiv verbracht. Durch die Arbeit hatte ich viele tolle und interessante Begegnungen", führt er aus.

In den vergangenen zwölf Jahren habe er viele Anfragen von Menschen beantwortet, die auf der Suche nach ihren Ahnen waren oder mehr über ihre Familiengeschichte herausfinden wollten.

Sehr interessant sei die Anfrage eines Mannes gewesen, der mehr über seinen Großvater herausfinden wollte. Dabei habe er erwähnt, dass der Urgroßvater ein preußischer Offizier gewesen sei. Bei seinen Nachforschungen fand der Stadtarchivar heraus, dass der Urgroßvater des Mannes ein Kutscher war und kein preußischer Offizier. Diese Antwort hätte dem Urenkel aber nicht gefallen, so Baumann.

Der gebürtige Diezer Baumann erinnert sich an eine weitere skurrile Geschichte. So gibt es im Bestand des Archivs ein Fotoalbum mit Bildern von Prostituierten eines ehemaligen Bordells in Diez. "Das Bordell wurde für die französischen Besatzungstruppen gebaut, damit sie die Diezer Frauen nicht belästigen", erzählt Arno Baumann. Es habe sich dort befunden, wo heute das Gebäude der Lebenshilfe in der Oraniensteiner Straße steht. Das Album enthält Bilder der Frauen, die im Bordell gearbeitet haben. Unter den Bildern steht jeweils, wo die Frauen herkamen und wo sie nach ihrem Aufenthalt in Diez hingegangen sind. "Wenn man das Album aufschlägt, dann sieht man Bilder von Frauen, die ganz normal bekleidet waren. Es könnte genauso gut ein Familienalbum sein."

Einige Bücher veröffentlicht

In den zwölf Jahren als Archivar veröffentlichte Arno Baumann auch einige Bücher und Schriften. Dazu gehören unter anderem die "Diezer Ansichten", die "Diezer Chronik" 1866-1922 von Robert Heck und "Mit Gott, Kriegstagebuch und Kriegsbilder 1914-1919" der (Freien)Diezer Robert Heck und Karl Zimmermann. Außerdem habe er zusammen mit anderen Archivaren einen Band zur Lahntalbahn veröffentlicht.

Das Interesse an Geschichte sei schon immer da gewesen, erzählt Arno Baumann. Er habe sich schon als Jugendlicher für historische Themen interessiert. "Aber ich wollte nie beruflich in diese Richtung gehen. Es war immer nur ein Hobby, das mir Spaß gemacht hat", fügt der 55-Jährige hinzu.

Nach einer kurzen Verschnaufpause möchte er sich wieder neuen, eigenen Projekten widmen. So habe er eine Anfrage aus Italien bekommen. Dort wurde das Wrack eines deutschen Flugzeugs aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Der geborgene Flieger war ein Diezer, der im Westerwald lebte und die Napola in Diez besuchte. Das würde ihm Spaß machen.

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