Dr. Anja Bardel (links) und Katja Doß testen in der Corona-Ambulanz in Diez Patienten auf das Coronavirus. foto: Rolf Goeckel
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Dr. Anja Bardel (links) und Katja Doß testen in der Corona-Ambulanz in Diez Patienten auf das Coronavirus. foto: Rolf Goeckel

Corona-Ambulanz

Diez: Anlaufstelle bleibt weiterhin bestehen

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Hausärztinnen Dr. Anja Bardel und Katja Doß untersuchen Verdachtsfälle - Bilanz fällt positiv aus

Diez -Auch wenn die Zahl der Corona-Infizierten aktuell weiter sinkt - die Corona-Ambulanz in der Zentralen Sportanlage in Diez wird auch weiterhin gebraucht und ihre Dienste anbieten, wie die Ärztinnen Dr. Anja Bardel und Katja Doß versichern. Nach wie vor würden zwischen zehn und zwölf Patienten täglich untersucht; zum Teil nehmen sie sogar längere Anfahrtswege in Kauf. "Zurzeit sind es wieder etwas mehr geworden", berichtet Katja Doß. "Heute hatten wir 17 Patienten." Es habe aber auch Tage mit nur vier Patienten gegeben.

Seit Anfang April untersuchen die beiden Diezer Hausärztinnen an jedem Werktag von 13 bis 15 Uhr Patienten auf eine mögliche Infektion mit dem Coronavirus. Wer getestet werden will, muss sich zwischen 8 und 14 Uhr anmelden. Hintergrund für die Gründung einer Corona-Ambulanz war, dass die betroffenen Patienten wegen des hohen Infektionsrisikos nicht die normalen Hausarztpraxen aufsuchen sollten. Inzwischen schicken Arztpraxen aus der ganzen Region Patienten mit Verdacht auf eine Corona-Infektion in die Zentrale Sportanlage nach Diez.

Die Erfahrungen der vergangenen Wochen, so berichten beide Ärztinnen während eines Pressegesprächs mit Bürgermeister Michael Schnatz (SPD), hätten gezeigt, dass sich das Verfahren bewährt hat. Die Patienten seien "geordnet" und hielten sich während der rund viertelstündlichen Untersuchungsprozedur in der Praxis an sämtliche Hygieneregeln. Bardel: "Das klappt alles sehr gut."

Bilder aus Italien bereiteten Sorgen

Anfang April war die Zeit, als schockierende Bilder aus Norditalien nach Deutschland schwappten, Bilder von Särgen, die per Lkw von Krankenhäusern abtransportiert wurden. "Diese Bilder hatten wir alle vor Augen", berichten Doß und Bardel. Die Sorge, dass auch Deutschland von einer solchen Infektionswelle überrollt wird, sei damals sehr groß gewesen. Als die Kassenärztliche Vereinigung nach Ärzten für eine Corona-Ambulanz suchte, erklärten sich die beiden Diezer Ärztinnen kurzentschlossen bereit dazu. Keine leichte Aufgabe, wie beide einräumen. "Denn zusätzlich haben wir ja noch unsere Hausarztpraxen."

Auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten sprang die Verbandsgemeinde Diez in die Bresche und stellte die Zentrale Sportanlage zur Verfügung. Selbst auf einen Massenansturm von Infizierten wäre man vorbereitet gewesen, berichten Doß und Bardel. Nicht nur eine größere Zahl Feldbetten hätte notfalls beschafft werden können, sondern auch eine ganze Reihe von Mediziner-Kollegen habe sozusagen im "Standbye" gestanden. Für Bürgermeister Schnatz ging es darum, wie er rückblickend sagt, "den Menschen eine Anlaufstelle zu bieten, wo sie sich überhaupt auf das Coronavirus testen lassen können." Dass dies binnen anderthalb Wochen aufgebaut werden konnte, sei ein großer Erfolg gewesen. "Ich bin stolz darauf, dass wir hier etwas für die Menschen in der Region tun konnten", so Schnatz.

Nicht jeder Patient, der die Corona-Ambulanz aufsucht, wird automatisch auf das Coronavirus getestet, berichten die Ärztinnen. Erst nach eingehender Untersuchung werde entschieden, ob bei einem Patienten ein Abstrich genommen wird oder nicht. Die anhaltend hohe Nachfrage erklären die Ärztinnen auch mit veränderten Vorgaben des Robert-Koch-Instituts im Laufe der vergangenen Wochen. Seien zunächst nur "markante Zeichen" wie hohes Fieber mit Erkältungssymptomen Voraussetzung für einen Corona-Test gewesen, so reichten inzwischen auch leichtere Symptome für den Gang in die Corona-Ambulanz.

Bislang 150

Personen getestet

Von den bis zu 150 bisher getesteten Personen habe es allerdings nur "sehr wenige" positive Fälle gegeben. Zwei bis drei Tage nach einem Abstrich ordnet das Gesundheitsamt eine Quarantäne an. Nach sieben bis zehn Tagen müssen die Patienten noch einmal in der Corona-Ambulanz vorstellig werden - sollten sie positiv getestet worden sein oder sich zwischenzeitlich die Symptome verschlimmert haben. Demnächst könnte es für die beiden Ärztinnen aber zusätzliche Arbeit geben. Denn derzeit gebe es in der Politik Überlegungen, alle Risikopatienten in Altersheimen auf Corona zu testen. Allerdings sei unklar, wer dafür die Kosten trägt. Immerhin kostet ein Corona-Test rund 130 Euro, berichten sie.

Rolf Goeckel

Kontakt

Anmeldungen zur Corona-Ambulanz Diez sind möglich unter 01 51-467 133 51.

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