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In einem kleinen Radius rund um die Laterne sei die Bodenbelastung festgestellt worden, so Heinz Schaaf.

18 Häuser zum Mieten geplant

Diez: Entscheidung vertagt, weil geologisches Gutachten fehlt

  • vonMariam Nasiripour
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Bauvorhaben auf dem ehemaligen Parkplatz der Wilhelm-von-Nassau Kaserne sorgt weiter für Zündstoff in der Stadt.

Diez – Viele Gerüchte und Spekulationen ranken sich um das Grundstück in der Nebenstraße der "Schönen Aussicht", dem ehemaligen Parkplatz der Wilhelm-von-Nassau Kaserne in Diez. Mal war es die offizielle Mülldeponie der Stadt, mal wurden dort nur Bauschutt und Hausmüll entsorgt. Die Vergangenheit des Grundstücks ist nebulös, über seine Zukunft hat nun der Bauausschuss der Grafenstadt zu entscheiden.

Diese Entscheidung wurde bei der jüngsten Sitzung des Bauausschusses am Dienstag jedoch vertagt. Denn den Ausschussmitgliedern fehlte das umweltgeologische Gutachten, das Informationen über den aktuellen Zustand des Bodens und mögliche Belastungen darin enthält. Alle Ausschussmitglieder waren sich darüber einig, dass ohne das Gutachten keine Entscheidung über die Änderung des Bebauungsplans getroffen werden kann.

Die Frage, ob das Gutachten der Stadt- oder Verbandsgemeindeverwaltung vorliegen würde, verneinten der Erste Beigeordnete Marco Rosso (CDU) und Axel Wilhelm von der Verbandsgemeinde. So wurde das Thema vertagt. Bis dahin soll es den Abgeordneten vorliegen.

Nach Aussagen des Investors, die Firma Wilhelm Möbus mit den beiden Geschäftsführern Bettina und Heinz Schaaf wurde das Gutachten allerdings zusammen mit dem Antrag zur Änderung des Bebauungsplans beim städtischen Bauamt und bei der Verbandsgemeinde Diez eingereicht. "Natürlich verzögert das unsere Pläne, aber es liegt kein Versäumnis unsererseits vor, die Unterlagen wurden frühzeitig eingereicht", sagt Schaaf.

Die Limburger Firma hat das Grundstück 2017 gekauft und möchte dort 18 Häuser errichten und später vermieten. Dafür muss der Bebauungsplan geändert werden, denn aktuell ist das Grundstück als Parkplatz ausgewiesen. Dieser Antrag liegt der Stadt Diez vor. Und dieser sorgt seit Wochen für Unmut und Ärger bei den Anwohnern in der "Schönen Aussicht". Denn sie befürchten, dass der Boden belastet sein könnte - auch wegen der Gerüchte, dass dort einstmals ein Steinbruch war, der als Mülldeponie genutzt wurde.

In Abstimmung mit der Fachbehörde

Von diesen Gerüchten und Spekulationen - oder Märchen und Sagen - wie es der Erste Beigeordnete nannte, hat auch der Investor gehört und ein Gutachten zur Untersuchung des Bodens in Auftrag gegeben. Diese hat die Firma Kaiser Geotechnik durchgeführt. 15 Löcher habe das Unternehmen gebohrt und insgesamt 200 Proben aus Schichten in 4,5 bis 16 Metern Tiefe entnommen, erklärt Geschäftführer Thilo Born dieser Zeitung. Dabei seien geringe Mengen von Belastungen im Boden gefunden worden.

"Der Investor muss jetzt ein Sanierungskonzept erstellen, anschließend das belastete Bodenmaterial entfernen, das Loch mit sauberem Bodenmaterial wieder befüllen und dann, und nur dann, ist gesundes Wohnen auf dem Grundstück möglich", sagt Born. Und er fügt hinzu, dass die geologische Untersuchung in Abstimmung mit der Fachbehörde, der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord, erfolgt sei. "Es war kein Alleingang." Die Untersuchung habe in Abstimmung mit der Fachbehörde stattgefunden. Das bestätigt ein Schreiben der SGD Nord vom 10. Oktober. Darin teilt sie mit, dass sie in Abstimmung mit dem Landesamt für Umwelt in Mainz der Sanierungsmaßnahme zustimmt.

Born versteht die Aufregung um das Grundstück nicht: "Das Gutachten zeigt doch, dass dort Belastungen sind, die beseitigt werden müssen." Das sehen die Anwohner in der "Schönen Aussicht" jedoch anders. Sie kritisieren unter anderem den Umgang von Investor und Stadt mit der Öffentlichkeit. Einer von ihnen, Christoph Bühler, hätte sich mehr Transparenz und Offenheit gegenüber der Bevölkerung und vor allem den benachbarten Hauseigentümern gewünscht. Er wirft, auch im Namen der anderen Anwohner, der Stadt und dem Investor Verschleierung vor.

"Wir wollen nicht destruktiv ein Bauvorhaben verhindern, darum geht es uns nicht. Aber wir hätten es gerne gehabt, dass der Investor im Vorfeld auf uns zukommt und uns seine Plänen vorstellt", erläutert Bühler. So habe man das Gefühl, dass das Projekt einfach durchgewunken werden soll. Er und die anderen Anwohner fordern von der Stadt einen skeptischen Blick auf das Bauvorhaben und die Befragung von Zeitzeugen zur Geschichte des Grundstücks.

Zur Not solle die Stadt ein eigenes und unabhängiges Gutachten in Auftrag geben. Denn die Anwohner zweifeln auch die Neutralität des vom Investor in Auftrag gegebenen Gutachtens an. Sie werfen dem Geologen vor, er habe nur an ausgesuchten Stellen gebohrt, dort wo keine Belastung vermutet wurde.

Diesem Vorwurf entgegnet Thilo Born, dass das gesamte Grundstück untersucht wurde. Man habe sogar verstärkt dort untersucht, wo bereits in den 1990er Jahren Belastungen festgestellt wurden.

Sollte das Gegengutachten besagen, dass auf dem Grundstück gefahrlos gesunder Wohnraum geschaffen werden kann, dann würden die Anwohner dem Projekt nicht im Weg stehen. Auch wenn sie es aus egoistischen Gründen ablehnten, betont Bühler. Denn der Bau der 18 Häuser würde ihnen die freie Sicht auf die Landschaft nehmen. "Aber das ist eine Kröte, die wir schlucken müssen, wenn sonst alles in Ordnung ist", sagt er. "Aber sollte das Verfahren weiterhin schleierhaft bleiben und die Stadt der Änderung des Bebauungsplans zustimmen, dann sind wir auch bereit, juristischen Beistand einzuholen und gegebenenfalls zu klagen."

CDU unterstützt das Bauvorhaben

Einen Unterstützer im Diezer Stadtrat hat der Investor: die CDU. In einer Mitteilung heißt es: Stadtrat Tim Visser sehe darin einen weiteren wichtigen Baustein für die Schaffung eines Angebots von attraktivem Wohnraum in der Grafenstadt. "Es ist ein positives Zeichen, dass das Landesamt für Umwelt in Mainz der vorgeschlagenen Sanierungsmaßnahme zustimmt", fügt der Fraktionssprecher der Christdemokraten im Stadtrat, Axel Fickeis, hinzu. "Diese Häuser werden anschließend nicht verkauft, sondern vermietet. Dies ist ein Angebot an Interessenten, die nicht eine halbe Million für den Bau eines Eigenheims aufbringen wollen oder können", heißt es weiter in der Erklärung der Diezer CDU.

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