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Jochen Ferger

Erfindergeist

Diez: Bei dicker Luft wird die CO2-Ampel rot

  • vonMariam Nasiripour
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Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Lüften? - Jochen Ferger hat ein Gerät entwickelt, das beim Beantworten dieser Frage hilft

Diez -Es ist ein kleiner Apparat, den Jochen Ferger aus Diez konstruiert und gebaut hat. Es handelt sich um ein CO2-Messgerät - oder auch Kohlendioxid-Detektor genannt. Das Gerät ist nicht viel größer als ein Wecker und misst die Luftqualität des Raumes, in dem es steht. "Es misst nicht den genauen Wert des Kohlenstoffdioxid-Gehaltes in der Luft. Es ist vielmehr ein Indikator für die Luftqualität im Raum", erklärt der Berufsschullehrer. Und das kann wiederum als Indikator für den Aerosol-Gehalt in der Luft genutzt werden.

Dabei bedient sich Ferger eines Ampelsystems, weshalb er sein Gerät auch CO2-Ampel nennt. Leuchtet die Ampel rot, dann ist die Luft im Raum "megamies" oder "mies". Springt die Ampel auf gelb dann ist die Luft "nicht in Ordnung" und bei grün ist die Luft "in Ordnung". So weiß der Nutzer, dass er bei gelb bald und bei rot sofort lüften sollte.

Zwei solcher Geräte hat Jochen Ferger in den Herbstferien gebaut. Ein Gerät steht in seiner Küche in Diez, das andere in seiner Klasse in der Berufsbildenden Schule in Taunusstein. Zusätzlich zeigt der Apparat die Uhrzeit, die Luftfeuchtigkeit und den Luftdruck an.

Ferger, der in Taunusstein Informatik, Mathematik und Elektrotechnik unterrichtet, erklärt dieser Zeitung, dass es bereits solche Geräte gibt. "Sie kosten zwischen 90 und 150 Euro", erzählt er. Ein Blick auf Amazon und Ebay zeigt sogar Preise, die sich um 160 Euro bewegen. Seine CO2-Ampel kostet in der Herstellung 35 Euro, fügt Ferger hinzu. Es besteht aus einer Prozessorplatine, LEDs, einem Sensor, Kabeln und einem Display. Das Ganze ist von einem Gehäuse umgeben, das aus einem 3D-Drucker stammt. Die einzelnen Teile könne man problemlos im Internet bestellen. Und statt aus dem 3D-Drucker, kann das Gehäuse auch aus Holz gefertigt werden.

Jochen Ferger gehört zur "Internet of Things"-Community (IoT), einer Gemeinschaft von Menschen, die ihr Wissen, ihre Fertigkeiten und Produkte der Allgemeinheit kostenlos zur Verfügung stellen. Das tut auch Ferger mit seiner CO2-Ampel. Denn die detaillierte Anleitung zum Bau des Gerätes mit Bildern und Links zur Bestellung der einzelnen Teile stellt der Diezer auf seiner Internetseite www.platinchen.de der Allgemeinheit kostenlos zur Verfügung. Dort kann sich jeder die Anleitung herunterladen, die benötigten Teile bestellen und den Apparat selbst zusammenbauen.

"Die Bauanleitung ist bewusst kleinschrittig gehalten, damit jeder sie bauen kann", erklärt der Berufsschullehrer. Es gibt aber einen weiteren Grund für die detaillierte Anleitung: seine Schüler sollen die CO2-Ampel auch bauen können.

Schüler sind begeistert

Ferger möchte nicht nur allen den Zugang zu einem Apparat gewähren, der den Alltag der Menschen etwas leichter machen soll. Er möchte auch seinen Schülern etwas beibringen, das ihnen nicht nur Spaß machen wird, sondern auch etwas lehrt. "Wenn sie es selber bauen, dann haben sie ein anderes Bewusstsein dafür. Es ist eine andere Motivation", ist Ferger überzeugt.

Die Schüler und Schulleitung hat Jochen Ferger auf jeden Fall auf seiner Seite: "Der Schulleiter hat zu mir gesagt, dass es eine gute Idee sei. Und auch die Schüler sind begeistert", erzählt er. Auf die Frage, ob es keine Nachfrage von anderen Schulen im Rheingau-Taunus-Kreis gebe, die den Apparat auch wollen, antwortet der Diezer: "Der Landkreis hat solche Geräte bereits bei einer Firma bestellt."

Am vergangenen Wochenende hat Jochen Ferger zusammen mit seiner Frau zwei weitere CO2-Ampeln gebaut. In seinem Bekanntenkreis hat er auch schon viele Abnehmer gefunden. Wer sich am Bau des Gerätes versuchen will und auf Fragen stößt oder Hilfe benötigt, der kann sich an Jochen Ferger wenden. Er ist per E-Mail unter jochen@jochen- ferger.de erreichbar.

Hier ist die Luftqualität laut der Anzeige der CO2-Ampel noch im grünen Bereich.

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