Vor Gericht in Diez stand ein 36-jähriger Mann aus dem Iran, der wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt ist.
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Vor Gericht in Diez stand ein 36-jähriger Mann aus dem Iran, der wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt ist.

Prozess

Diez: Beleidigung, Ohrfeigen, Tritte - oder doch nicht?

  • vonMariam Nasiripour
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Zeugin widerspricht sich - Angeklagter sitzt bereits wegen Mordversuchs in Untersuchungshaft

Diez -Ein Anwalt, der Zeugen in die Mangel nimmt, widersprüchliche Aussagen und Zeugen, die sich plötzlich nicht mehr erinnern können. Die Szenen, die sich am Mittwochmittag im Amtsgericht in Diez abgespielt haben, könnten auch aus einem Krimi stammen.

Vor Gericht stand ein 36-jähriger Mann aus dem Iran wegen gefährlicher Körperverletzung. Ihm wurde vorgeworfen, eine 67-jährige Frau bei einer Auseinandersetzung geschlagen, geschubst, getreten und übel beleidigt zu haben. Der Vorfall soll sich am 1. Dezember 2019 vor der Wohnung des 31-jährigen Bruders des Angeklagten in der Wilhelmstraße in Diez ereignet haben. Die mutmaßliche Geschädigte, die als Zeugin geladen war, ist die Mutter der ehemaligen Vermieterin des Bruders.

Schon beim Grund der Auseinandersetzung sind sich Angeklagter und die mutmaßlich Geschädigte nicht einig. Der Angeklagte schilderte, dass sich die Frau darüber geärgert habe, warum das Eisentor, dass das Grundstück umgibt, verschlossen war. Daraufhin soll sie dem Bruder des Angeklagten den dazugehörigen Schlüssel abgenommen haben. Auch nach mehrmaligem Auffordern wollte sie den Schlüssel, der nach Aussagen des Bruders zur Wohnung gehörte, nicht wieder hergeben.

Bruder wurde geohrfeigt

Im Laufe der verbalen Auseinandersetzung habe die 67-Jährige den 31-jährigen Bruder des Angeklagten geohrfeigt. Daraufhin hätten die Brüder der Frau mit einer Strafanzeige wegen Körperverletzung gedroht. Anschließend seien beide Parteien auseinandergegangen. Die angedrohte Anzeige der Brüder folgte nach. Die Ausführungen des Angeklagten bestätigte der Bruder mit seiner Aussage.

Diesem widersprach die 67-Jährige türkischer Herkunft und nannte als Grund für die zunächst verbale Auseinandersetzung zwei Fahrräder, die sie weggestellt hätte. Sie habe bei ihrer Ankunft auf dem Grundstück zwei Fahrräder vorgefunden, die nach ihrer Aussage im Weg standen. Diese hätte sie ordnungsgemäß in die Garage gestellt. Woraufhin der Angeklagte sie in einem rauen Ton gefragt hätte, wo die Fahrräder seien.

Im darauffolgenden Streitgespräch habe er sie beleidigt und versucht sie zu Boden zu werfen. Außerdem hätte er ihr die Hand verdreht und sie getreten. Nach Aussage der 67-Jährigen habe der Angeklagte zudem ihren Einkaufstrolley, den sie bei sich hatte, in den Wasserlauf vor dem Haus geworfen. Erst das Eingreifen des Bruders hätte Schlimmeres verhindert und der 67-Jährigen die Chance gegeben, wegzulaufen.

Glaubwürdigkeit der Zeugin angezweifelt

Auf die Fragen des Verteidigers nach Zeugen, die den Vorfall gesehen hätten, ihrer Aussage bei der Polizei und ihrer Aussage vor Gericht antwortete die mutmaßlich Geschädigte immer wieder, dass sie sich nicht mehr erinnern könnte oder nicht mehr sicher sei. Der Verteidiger nahm die mutmaßlich Geschädigte in die Mangel, bohrte mit seinen Fragen immer wieder nach und zweifelte ihre Glaubwürdigkeit an.

Für ihn gab es, nach eigener Aussage, zu viele Widersprüchlichkeiten in den Ausführungen der Zeugin. So wollte sie von einer Anzeige der Brüder gegen sie nichts gewusst haben. Obwohl dem Verteidiger ein von ihr unterschriebenes Schriftstück vorlag. Zudem hätte sie bei der Polizei Angaben gemacht, die den Aussagen vor Gericht widersprechen würden, so der Verteidiger.

Auch für die Staatsanwaltschaft sei die 67-Jährige keine 100 Prozent glaubhafte Zeugin, so die Staatsanwältin. Sie will aber auch bei den Aussagen des Angeklagten Widersprüchlichkeiten festgestellt haben.

Für die aus der Auseinandersetzung resultierenden Verletzungen hatte die Zeugin zwei ärztliche Atteste vorgelegt, die nachträglich ergänzt wurden. Bei der Befragung sagte die ausstellende Ärztin, dass sie sich das nicht erklären könne. Erst nach mehrmaligem Fragen des Verteidigers, des Vorsitzenden Richters Martin Böhm und der Staatsanwältin sowie einem Blick in ihre Aufzeichnungen löste die Ärztin das Rätsel auf. Die Zeugin hatte sie Anfang Februar 2020 um eine Ergänzung des Attests gebeten, um ihrer Aussage bei der Polizei mehr Gewicht zu verleihen.

Nach drei Stunden schloss Richter Böhm vorläufig das Verfahren ohne Ergebnis ab. Der Grund dafür ist eine laufende Verhandlung gegen den Angeklagten wegen Körperverletzung und Mordversuchs. Dafür sitzt der Angeklagte auch aktuell in Untersuchungshaft in Limburg.

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