Der acht Jahre alte Carlos Schröter ist sehr ehrgeizig: Er möchte beim Deutschland-Cup nicht nur mitfahren - er will auch aufs Siegertreppchen.
+
Der acht Jahre alte Carlos Schröter ist sehr ehrgeizig: Er möchte beim Deutschland-Cup nicht nur mitfahren - er will auch aufs Siegertreppchen.

Junges Talent

Diez: Carlos will auf das Siegertreppchen

Computerspiele sind nicht seine Sache - Der achtjährige Carlos Schröter spielt lieber mit dem Gaspedal seiner Motorräder

Diez -Es gibt mit Sicherheit viele Jungs, die mit schnellen Mopeds über Rennstrecken heizen. Doch tun sie dies in aller Regel zu Hause am Computer. Bei dem acht Jahre alten Carlos aus Diez, ist dies ein klein wenig anders. Er bewegt sein Zweirad nicht mit dem Joystick - nein, Carlos sitzt auf seinen Maschinen und düst damit durchs Gelände und über den Asphalt.

Carlos war gerade mal drei Jahre alt, als ihm die Oma zum Geburtstag ein Kindermoped Elektro/Cross schenkte und er im Garten der Eltern Astrid und Marc Schröter mit gut 30 Sachen seine ersten Runden auf einem motorisierten Zweirad absolvierte. "Die allerersten Runden machte er noch mit Stützrädern, die er aber nach sehr kurzer Zeit nicht mehr brauchte" erinnert sich Papa Marc, selbst ein begeisterter Motorradfahrer. Und auch die Strecke am Elternhaus wurde zu klein. Die ersten Ausflüge raus auf die Straße (Luisenstraße, Ecke Adolfstraße) folgten. "Die Adolfstraße ist eine Sackgasse, da konnte er unter Aufsicht auf Asphalt die ersten Meter machen", erzählt Mama Astrid.

Cross-Strecke im Garten

Carlos schien ein Naturtalent zu sein. In einem Alter, in dem andere Kinder gerade dem Dreirad entwachsen sind und ihre ersten Gehversuche auf einem Rad mit Stützrädern hinter sich haben, stand alsbald die zweite Maschine an, eine Honda QR 50. Und der Papa präparierte zwischenzeitlich im nahe gelegenen, weitaus größeren Garten, eine "Cross-Strecke" mit Steilkurven, Sprunghügeln und Beschleunigungsgeraden. Über die Möglichkeit, im Diezer Industriegebiet auf einer großen Geländefläche zu üben, freuten sich Papa und Sohnemann sehr. Zudem unternahmen die Schröters vermehrt Ausflüge nach Fulda, Langgöns oder Aarbergen, um über die dortigen Cross-Strecken zu heizen.

Zwischenzeitlich hatte Carlos, der die Pestalozzischule in Freiendiez besucht, die nächste Maschine bekommen - eine KTM 50. Und die Begeisterung für seine Leidenschaft mit Zweirädern unterwegs zu sein, zeigt sich auch darin, dass er gemeinsam mit Papa und Hund "Molly" längere Touren mit dem Mountainbike unternimmt.

Zähe Verhandlungen

Im August dieses Jahres nahm Carlos dann erstmals an einem ADAC-Sichtungslehrgang (Schnupperkurs) in Fulda teil, fuhr sich dort sofort ins Blickfeld der Trainer und wurde angesprochen, ob er nicht im kommenden Jahr beim ADAC Minibike-Cup teilnehmen möchte. Und Carlos wollte. Also bemühte Papa Marc das Internet auf der Suche nach einer geeigneten Maschine - einer Honda, Typ NSF 100. Europaweit wurden vom Hersteller Honda nur 50 Exemplare an die Händler verteilt, und erst in Calabrien/Italien wurden die Schröters fündig. Nach zähen Verhandlungen wurde Ende August "Martino Moto" nicht nur zum Lieferanten, sondern auch zum ersten Sponsor.

"Mit einer von uns gelieferten Maschine wird in Deutschland gefahren und der Pilot heißt auch noch Carlos", waren die Italiener begeistert und schickten mit dem Zweirad einen Motorradhelm mit. Am 3. September wurde das gute Stück angeliefert und bereits einen Tag später ging es zum ersten Training mit dem eigenen Motorrad. Es folgten viele weitere Trainingseinheiten, immer auch verbunden mit entsprechenden Anfahrten - nach Limburg, nach Fulda oder nach Eppingen - alles mit Mamas Bus. Und im kommenden Jahr werden wohl noch einige Kilometer mehr folgen. Schließlich werden beim Deutschland-Cup zwölf Rennen absolviert - eines davon sogar im tschechischen Cheb. Und die Trainingsfahrten werden wohl wöchentlich noch dazu kommen, vom ADAC und auch privat organisierte Einheiten, teilweise mit eigenem Trainer.

Carlos, der den Spanier Marc Marquez und den deutschen Stefan Bradl als seine Vorbilder nennt, "brennt" hinsichtlich der bevorstehenden Rennen und erklärt "das Treppchen" als seine Herausforderung.

Aber auch für die Eltern bedeutet die Leidenschaft des Sohnemanns eine Herausforderung. "Finanziell kommt da schon einiges zusammen", rechnet Astrid Schröter vor, und deshalb wäre man in der Diezer Luisenstraße nicht böse, wenn dort der eine oder andere Sponsor vorstellig würde.

Und Carlos - übrigens ein sehr guter Schüler - kam bei der Suche nach einem Sponsor mit einer überaus sozialen Idee um die Ecke. Er möchte von jedem gesponserten Euro 25 Cent abzweigen und als Spende dem Diezer "Albert-Schweitzer-Haus" zukommen lassen. Marc Schröter weist darauf hin, dass er einem Sponsor - oder auch mehreren - ständige Werbung durch ein Werbekonzept gewährleistet.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare