Erst nach einer gründlichen Einweisung lässt Heinz Thun seine Kunden auf das Wasser.
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Erst nach einer gründlichen Einweisung lässt Heinz Thun seine Kunden auf das Wasser.

Kein bisschen müde

Diez: Die Jugend hält ihn jung

Heinz Thun feiert seinen 80.Geburtstag - Aus Liebe wanderte er in die USA aus

Diez -Heinz Thun ist in Diez bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund. Seit vielen Jahren ist er die Seele der Kanustation direkt unterhalb der alten Lahnbrücke. Für jeden hat er ein offenes Ohr und kann auch mal schimpfen, wenn sich Leute auf den Lahnterrassen daneben benehmen.

Dass der sympathische Lahntours-Mitarbeiter mit dem norddeutschen Zungenschlag allerdings schon fast 80 Jahre alt ist, wissen nur wenige. Auch nicht, dass er im Winterhalbjahr in Kalifornien lebt, wo man bei ihm das Schifffahren erlernen kann. "Ich lebe das schönste Leben, das man sich denken kann", strahlt Heinz Thun. Denn er könne das Wasser und die Berge gleichermaßen genießen.

Bis zum Beginn unseres Jahrtausends arbeitete Heinz Thun viele Jahre als selbstständiger Raumausstatter in München. Je mehr sich der ursprünglich aus Schleswig-Holstein stammende Mann in Bayern Zuhause fühlte, umso mehr wurde der Wintersport zu seinem bevorzugten Hobby. Die Begegnung mit einer attraktiven US-Amerikanerin stellte die Weichen im Leben von Heinz Thun neu. Er gab sein Geschäft auf und wanderte im Jahr 2001 nach Kalifornien aus.

Neue Berufung in neuer Heimat

"Die meisten Menschen denken bei Kalifornien nur an blauen Himmel, Strand, Hollywood oder die Golden Gate Bridge. Dabei findet man dort auch den mit 4400 Metern höchsten Berg der USA außerhalb Alaskas mit fantastischen Pisten." Mit einer Ausbildung zum Schilehrer startete Heinz Thun in eine neue Karriere. Da hatte er bereits ein Alter erreicht, in dem andere Menschen bereits in den Ruhestand gehen.

In der Fachzeitschrift des deutschen Skilehrerverbandes, die sich Heinz Thun regelmäßig in seine neue Heimat schicken ließ, entdecke er eines Tages das Inserat der Firma Lahntours. Für die von Mai bis Anfang Oktober dauernde Saison suchte das Unternehmen einen verantwortungsvollen Mitarbeiter für die Kanu-Station in Diez. "Ich rief dort an und das Gespräch lief gut. Allerdings nur so lange, bis ich erwähnte, dass ich in den USA lebe", erinnert sich der sportliche Senior. Das sei einfach zu weit weg, fand der damalige Chef von Lahntours. So einfach ließ sich Thun jedoch nicht abwimmeln. Kurz entschlossen buchte er einen Flug nach Deutschland, sprach persönlich bei Lahntours vor und hatte den Job in der Tasche. Das war 2006. "Für uns war das ein Glücksgriff", sagt Brigitte Brandenburger, die nun die Geschicke von Lahntours in den Händen hält. Nicht nur die Zuverlässigkeit ihres Stationsleiters hebt sie hervor. "Heinz hat Charisma und zeigt enormen Einsatz", lobt sie. Mit seinem norddeutschen Charme sei er genau richtig um etwas mit Booten zu machen. Zudem habe er viel von dem amerikanischen Dienstleistungsdenken an sich, und das komme bei der Kundschaft ganz besonders gut an.

So habe "ihr Heinz" beispielsweise eine Fotoserie geschossen und entsprechende Blisterkarten gefertigt, um den Kunden beim Einweisungsgespräch die Details und Besonderheiten der Strecke zwischen Diez und Balduinstein bis hin nach Laurenburg verständlicher erklären zu können. Der sportliche Senior genießt es, es überall mit jungen Leuten zu tun zu haben, auch wenn seine beiden Jobs ihm körperlich viel abfordern. Ans Aufhören denkt er noch lange nicht. "Meine Mutter wurde bei guter Gesundheit 96 Jahre alt", sagt er lachend. "Da hab' ich doch wohl auch noch ein ordentliches Stück Lebensweg vor mir." Kerstin Kaminsky

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