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Der Diezer Bahnhof ist längst keine positive Visitenkarte der Stadt mehr, sondern mehr und mehr zum Schandfleck geworden.

Verfallenes Gebäude

Größter Schandfleck der Stadt: Bahnhof steht wieder zum Verkauf

  • vonRolf-Peter Kahl
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Die unendliche Geschichte um den Bahnhof in Diez bei Limburg geht weiter. Das Gebäude verfällt seit fast 20 Jahren. Das schadet auch dem Ruf der Deutschen Bahn (DB).

Diez – Für den Bahnhof in Diez bei Limburg scheint der Zug längst abgefahren. Seit fast 20 Jahren steht das Gebäude leer, gehörte in dieser Zeit unterschiedlichen Eigentümern und ist im Grunde dem Verfall preisgegeben. Nun soll er ein weiteres Mal verkauft werden.

Doch schon vor der Jahrtausendwende sorgte man sich um die Zukunft des Diezer Bahnhofs. Er befand sich in einem solch desolaten Zustand, dass nicht nur den Diezer Bürgern, sondern auch vielen Gästen die Haare zu Berge standen, wenn sie diese unattraktive „Eingangstür“ der Stadt zu Gesicht bekamen.

Angesichts der seinerzeit fortschreitenden Baumaßnahmen im innerstädtischen Bereich, den fertiggestellten Sanierungs- und Umbaumaßnahmen im Grafenschloss und dem damit verbundenen und zu erwartenden Anstieg im Tourismus, „müsse auch eine Entscheidung über den Bahnhof forciert werden“, hieß es seitens der Stadt und der Verbandsgemeinde.

Bahnhof in Diez bei Limburg: Deutsche Bahn (DB) schritt 2006 zur Tat

Bei einem Ortstermin Ende 2006 reagierte der Konzernbeauftragte der Deutschen Bahn AG, Gerhard Schinner, auf die Kritik der anwesenden Kommunalpolitiker („Was eigentlich eine Visitenkarte für Besucher sein soll, wirkt in Diez eher abstoßend. Wie sieht dies die Bahn?“) mit der Aussage: „Der Bahnhof steht seit einem Vierteljahr im Internet zum Verkauf.“

Und Schinner führte weiter aus: Die Bahn sei ein Wirtschaftsunternehmen, das nach Rentabilitätsgrundsätzen handeln müsse. Und da der Bahnhof für den Betrieb nicht mehr benötigt werde, wolle man sich von der Immobilie trennen. „Doch stehen wir grundsätzlich für jedes andere Nutzungskonzept offen“, versicherte er.

Erst 2011 kam die denkmalgeschützte Immobilie dann aber „unter den Hammer“. Das Gebäude mit einer Gesamtgrundstücksfläche von knapp 3000 Quadratmetern ging an die „Deutsche Aktenvernichtung“ mit Sitz in Hamburg, das den Bahnhof als ein Altpapierlager für ausgediente Akten nutzte. An einer Sanierung bestand kein Interesse.

Diez bei Limburg: Eigentümerwechsel des Bahnhofs machte Hoffnung

Ende 2012/Anfang 2013 kam es zu einem Eigentümerwechsel an einen Bauunternehmer aus dem Landkreis Limburg-Weilburg. Dieser signalisierte seinerzeit im Erdgeschoss eine kleine Ladenstraße und im ersten Stock Büroräume einrichten zu wollen. Die Hoffnung vieler Diezer, dass mit dem Besitzerwechsel der größte Schandfleck der Stadt in absehbarer Zukunft beseitigt werden könnte, erfüllte sich aber nicht.

2017 bekundete ein Projektentwickler sein Interesse am Erdgeschoss, dass er jedoch erst realisieren wollte, wenn sich der bisherige Eigentümer - entgegen seinen ursprünglichen Planungen - komplett zurückgezogen habe.

Fazit im Jahr 2020: Der Bahnhof gehört aktuell einer Privatperson, die beim Kauf große Versprechungen gemacht hat. Jahre später ist nichts passiert. Jetzt müssen sowohl die Stadt als auch die Bahn mit der Situation leben: Die Bahn mit dem Tatbestand, dass sich die verwahrloste Immobilie, die ihr gar nicht mehr gehört, schlecht auf ihren Ruf auswirkt.

Bahnhof in Diez bei Limburg ist ein spätklassizistischer Bau aus dem Jahr 1862

Aktuell bietet ein Immobilienmakler aus Dreieich den Bahnhof in Diez bei Limburg im Internet wieder zum Verkauf an. Über den möglichen Kaufpreis wird dabei allerdings nicht verraten. Es heißt „auf Anfrage“. Auch in dieser Anzeige zeugen die traurigen Bilder vom Zustand des Gebäudes.

Dennoch wird mit viel Potenzial geworben: Hotelbau, Wohnungsbau, Gastronomie, Fitness oder Ärztehaus seien möglich. Insgesamt gebe es auf 2887 Quadratmetern Grundstücksfläche eine Wohn- und Nutzfläche von 2555 Quadratmetern, davon 795 im Erdgeschoss, 693 im ersten Obergeschoss, 277 im zweiten Obergeschoss und 790 im Keller.

Das denkmalgeschützte Diezer Bahnhofsgebäude von 1862 wurde als neunachsiger, spätklassizistischer Bau mit turmartig erhöhten Seitenrisaliten vom Diezer Architekten Heinrich Velde (im Dienst der staatlichen Eisenbahnverwaltung) konzipiert und ähnelt den Bahnhofsgebäuden in Weilburg und Leun/Braunfels, die ebenfalls aus seinen Entwürfen stammen.

Diez bei Limburg: Verfall von Bahnhöfen ist deutschlandweites Problem

Bahnhöfe dienten den Eisenbahnen als Umschlags- und Versorgungsorte. Die frühen Bahnhöfe umfassten Bauten für den Personen- und den Güterverkehr. Zu den Personenbahnhofanlagen gehörten die Empfangs- und Abfertigungsräume für Reisende (inklusive Wartesäle, Toiletten und Kiosk), für den Witterungsschutz die Bahnhofhallen. Der disziplinierenden Abfertigung von Reisenden mittels Bahnsteig-, Fahrkarten- und Zugführerkontrollen wurde ursprünglich ebenso hohe Bedeutung beigemessen wie ihrem feierlichen Empfang in großzügigen Hallen, Wartesälen und Bahnhofsrestaurants.

Der Verfall ist ein deutschlandweites Problem. In den vergangenen 75 Jahren hat sich das Thema Mobilität massiv gewandelt. Heute ist das Auto, früher war der Zug Verkehrsmittel Nummer eins. An Bahnhöfen wie in Diez bei Limburg zeigt sich das besonders deutlich. Er wie noch Hunderte anderer Bahnhöfe in der Republik sind in einem beklagenswerten Zustand. Sie befinden sich in der Hand verschiedener Eigentümer und vielen fehlt es an Geld und Konzepten. (Rolf-Peter Kahl)

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