Gerade ist es ruhig, aber Tuner missbrauchen immer wieder die Emser Straße in Diez als Teststrecke für ihre aufgemotzten Fahrzeuge. Die Anwohner fühlen sich durch den Lärm in ihrer Ruhe gestört.
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Gerade ist es ruhig, aber Tuner missbrauchen immer wieder die Emser Straße in Diez als Teststrecke für ihre aufgemotzten Fahrzeuge. Die Anwohner fühlen sich durch den Lärm in ihrer Ruhe gestört.

Täglicher Krach

Anwohner klagen über Tuner und Autoposer: „Es wird von Jahr zu Jahr schlimmer“

  • vonMariam Nasiripour
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Die Anwohner in Diez bei Limburg sind genervt von Autoposern. Die Emser Straße ist seit Jahren ein Hotspot für aufgemotzte Autos.

Diez – Seit zehn Jahren werden die Bewohner in der Emser Straße in Diez bei Limburg vom Lärm getunter Autos und Motorräder belästigt. Zu jeder Tages- und Nachtzeit seien die Fahrzeuge und Zweiräder unterwegs, beschwert sich Markus Müller, der mit seiner Familie im hinteren Teil eines Grundstücks an der Emser Straße wohnt. „Es wird von Jahr zu Jahr schlimmer“, sagt der Familienvater.

Der Lärm bei getunten Fahrzeugen wird durch die Deaktivierung der Schubabschaltung erreicht, erklärt Müller. Das bedeutet, dass die Kraftstoffzufuhr unterbrochen wird, die dann den sogenannten Schubknall verursacht. „Man hört das Lautstärkemuster“, sagt Markus Müller. Besonders an den Wochenenden und bei schönem Wetter seien die Tuner in Diez bei Limburg unterwegs. Markus Müller ist nicht der einzige Anwohner der Emser Straße, der unter diesem Problem leidet. Auch seine Nachbarn hätten die Nase voll von dem fast täglichen Krach, der von den aufgemotzten Fahrzeugen ausgeht.

Diez bei Limburg: Polizei wurde über Autoposer mehrfach informiert

Aber niemand in Diez würde wirklich was unternehmen. Er habe zwar auch keine Zeit, sich dauerhaft um das Problem zu kümmern. Aber er hätte schon mehrmals mit der Polizei gesprochen und auch schon das Ordnungsamt angeschrieben. Aber die seien nur für den ruhenden Verkehr zuständig, die Polizei für den fließenden Verkehr. Trotzdem will Markus Müller nicht resignieren, sondern weiter kämpfen.

Der Polizei in Diez bei Limburg sei das Problem auch bekannt. Aber sie könne nichts unternehmen, weil ihr die Kapazitäten fehlen würden. In nur einem Fall sei die herbeigerufene Polizei auch wirklich gekommen. Damals habe Markus Müller einen Motorradfahrer bis in das Gewerbegebiet verfolgt, die Polizei gerufen und den Mann dann zur Rede gestellt. Die Reaktion des Fahrers sei rüde und abweisend gewesen. Von Einsicht keine Spur. Als die Polizei eintraf, fuhr Müller wieder nach Hause. Was anschließend mit dem Motorradfahrer passierte und ob er in irgendeiner Form belangt wurde, weiß er nicht.

Nicht alle Fahrzeuge in Diez bei Limburg sind manipuliert

„Es bringt nichts mit dem Polizeiwagen durch die Straße zu fahren und darauf zu warten, dass einer dieser getunten Autos vorbeifährt“, sagt Markus Müller. Viel effektiver sei es, in Zivil auf Streife zu gehen und sich so ein Bild von der Problematik zu machen. Auch ein mobiler Blitzer sei keine Lösung. „In Frankreich werden Lärmblitzer getestet, die bei zu hohen Geräuschpegel reagieren. Diese Geräte sind in diesem Fall effektiver. Es funktioniert nur über den Geldbeutel“, ist der Familienvater überzeugt.

Schuld an dem Problem seien auch einige Firmen im Industriegebiet in Altendiez, die Fahrzeuge tunen. Obwohl das illegal sei. So würden viele Tuner ihre Fahrzeuge direkt nach dem Aufmotzen testen und dafür die Emser Straße als Teststrecke missbrauchen. Zudem befürchtet Müller, dass der Diezer Tunnel nach seiner Fertigstellung als Soundröhre für die getunten Autos missbraucht wird. Er ist sich sicher, dass das Problem erst dann als solches anerkannt wird, wenn sich genügend Menschen beschweren. So sei es auch mit den regelmäßigen Tuner-Treffen am Baggersee gewesen. Nach dem sich die Anwohner des benachbarten Wohngebiets „Auf dem Rödchen“ zusammen geschlossen und sich beschwert haben, hätte die Polizei die Treffen beendet.

Diez bei Limburg: Polizei hat keine einfache Lösung für das Autoposer-Problem

Auf Anfrage teilt Peter Wagenbach, Dienststellenleiter der Diezer Polizei, mit, dass es keine einfache Lösung für das Problem gibt. Zunächst hätte die Polizei keine Kapazitäten, um Beamte abzustellen, die dann in der Emser Straße Streife laufen, um die Tuner auf frischer Tat zu ertappen. Des Weiteren seien die Beamten nicht geschult, um elektronische Veränderungen oder Manipulationen im und am Fahrzeug zu erkennen. „Wenn ein Fahrzeug zu tief gelegt ist oder zu breite Reifen hat, das erkennen unsere Beamten. Aber sie kennen sich nicht mit der Elektronik oder Regelungstechnik in Autos aus. Dafür muss man ein Kfz-Sachverständiger sein“, sagt Wagenbach.

Er fügt auch hinzu, dass nicht alle Fahrzeuge, die laut sind, auch unbedingt manipuliert sein müssen. Es gebe auch Fahrzeuge, die vom Werk einen höheren Geräuschpegel aufweisen, der aber im zulässigen Bereich liege. Das mag dann für den einen oder anderen zu laut klingen, sei aber nicht gesetzeswidrig. Motorräder seien ohnehin laut und nicht unbedingt immer aufgemotzt, so Wagenbach.

Im Frühjahr wollen Markus Müller und Stadtbürgermeisterin Annette Wick an einem schönen Tag in der Emser Straße in Diez Streife laufen und sich das Problem genauer ansehen. Das sei bereits im Herbst vergangenen Jahres vereinbart worden, so Müller.(Mariam Nasiripour)

Auch Bürger in Frankfurt sind sauer auf Tuner. Die Mainzer Landstraße sei „ein Hotspot der Autoposer und Raserszene“, wird geklagt.

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