Von außen sieht das Diezer Rathaus schön und makellos aus. Aber ein Blick ins Innere des Gebäudes enthüllt einen hohen Sanierungsbedarf.
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Von außen sieht das Diezer Rathaus schön und makellos aus. Aber ein Blick ins Innere des Gebäudes enthüllt einen hohen Sanierungsbedarf.

Großer Sanierungsbedarf

Diez: Planungen für einen Rathaus-Neubau laufen

  • VonMariam Nasiripour
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Altes Gebäude ein Sanierungsfall - Barrierefreiheit nötig - Verwaltung soll als Mieter einziehen

Diez -Die Stadt Diez könnte in naher Zukunft ein neues Rathaus bekommen. Die Weichen wurden bei der jüngsten Stadtratssitzung gestellt. Die Stadträte beschlossen einstimmig, dass die Stadtverwaltung das Verfahren und die Planungen weiter betreiben darf. Eine endgültige Entscheidung soll bei der nächsten Stadtratssitzung am 26. August getroffen werden.

Beim aktuellen Rathaus bestehe hoher Sanierungsbedarf. Auch wenn das Gebäude äußerlich noch ansehnlich sei, sehe es im Inneren doch ganz anders aus, berichtete Stadtbürgermeisterin Annette Wick (SPD). Sie hatte Aufnahmen mitgebracht, die den aktuellen Zustand des Gebäudes zeigen, um den hohen Sanierungsbedarf des Bauwerks zu verdeutlichen. Auf den Bildern waren Wände zu sehen die von Schimmel befallen sind oder Risse aufweisen.

Die Stadtbürgermeisterin berichtete, dass sie bei ihrem Amtsantritt über den Zustand des 850 Quadratmeter großen Gebäudes entsetzt gewesen sei - und sie ergänzte, dass dies den Mitgliedern der städtischen Gremien seit längerem bekannt sei. Immer wieder sei über eine energetische Sanierung des Rathauses und der Schaffung eines barrierefreien Zugangs in die Ratsräume diskutiert worden. Sie sprach aber auch das Thema Digitalisierung an. Die Corona-Pandemie und die erforderlich gewordenen Online-Sitzungen hätten die Schwächen des Bauwerks in diesem Bereich deutlich gemacht.

"Auf der Suche nach Realisierungsmöglichkeiten wurde auch immer wieder an einen Neubau des Rathauses gedacht", so Wick. So habe sich ergeben, dass der Leiter der Stadtwerke Diez bei der Suche nach eigenen Erweiterungsmöglichkeiten auf dem Gelände der Stadtwerke den Gedankenaustausch mit der Stadt Diez gesucht habe. So sei die Idee entstanden, den Neubau des Rathauses und die Erweiterung der Stadtwerke auf deren Gelände zu kombinieren. Die Stadtwerke würden das Gebäude bauen und es an die Stadt vermieten.

Diese Chance nicht vergeben

Mittlerweile wurden auch schon Planungsleistungen vergeben. Gespräche mit der Kommunalaufsicht seien auch schon geführt worden, teilte die Bürgermeisterin mit. Diese habe ihre Zustimmung unter Vorbehalt in Aussicht gestellt. Eine Bedingung sei, dass Förderanträge gestellt werden. Außerdem habe die Kommunalaufsicht ein Gutachten gefordert. Ein Neubau mit Synergieeffekt sei eine gute Lösung, sagte Wick. Dafür müsse bis zum 15. Oktober ein I-Stock-Antrag gestellt werden, fügte sie hinzu. Mit dem Ergebnis werde im Mai 2022 gerechnet, dann könnte der Bau beginnen.

Details zum Bau gab es von Sonja Meffert vom Büro für Architektur und Gestaltung in Altendiez. Sie erklärte, dass die Stadtverwaltung einen eigenen, separaten Eingang haben soll. Geplant seien ein großer und barrierefreier Sitzungssaal mit einem Panoramafenster mit Blick auf das Diezer Schloss. Parkmöglichkeiten soll es im großen Hof geben. Die Investitionshöhe betrage 2 572 500 Euro.

"Uns öffnet sich jetzt eine Tür, ein Zeitfenster. Wir dürfen als Stadtrat diese Chance nicht vergeben", plädierte Benjamin Albrecht (SPD) für einen Rathaus-Neubau. Es sei ein wichtiger Schritt für die Zukunftsfähigkeit der Stadt. Albrecht fügte hinzu, dass die Stadt keine repräsentative Möglichkeit für Sitzungen habe. Er brachte auch die Themen Brandschutz und Barrierefreiheit auf den Tisch. Die Entscheidung sollte unabhängig der Parteilinien getroffen werden, sage der Sozialdemokrat.

Matthias Lammert (CDU) fragte nach Sanierungsmöglichkeiten für das bestehende Rathaus und ergänzte, dass die letzte Kostenermittlung eines Architekten aus dem Jahr 2013 stamme. Ihm erwiderte die Bürgermeisterin, dass eine Sanierung zu teuer sei. Mittlerweile sei die Baukosten in die Höhe geschnellt. Sie betonte auch, dass das Thema nicht dringend sei, man aber mit Blick auf den 15. Oktober als Frist für den Antrag zügig handeln müsse. "Heute geht es darum, ob wir diesen Weg gehen möchten", erläuterte Wick.

Sorge vor falschem Eindruck

Herbert Pechmann (FDP) fühlte sich vom Thema "überrollt". Er spreche sich grundsätzlich für den Neubau aus, aber die Geschwindigkeit, mit der die Entscheidung getroffen werde, bereite ihm Unbehagen. Maximillian Müller (CDU) sagte, dass in der Öffentlichkeit ein falscher Eindruck entstehen könne, dass die Stadt zwar Geld für einen Rathaus-Neubau aber nicht für eine Veranstaltungshalle für Vereine und Institutionen hat.

Axel Fickeis (CDU) verwies bei seinen Ausführungen auf den defizitären Haushalt, ergänzte aber, dass es positiv sei, dass die Stadtwerke Geld für einen solchen Neubau haben und es auch finanzieren wollen. Er sagte auch, dass es schwierig werde, das alte Rathaus zu verkaufen. Genügend Beispiele würde es geben, so Fickeis, und nannte das Werkes und den Alten Fruchtspeicher. Zudem sieht er in der Vermischung von Gewerbe und Verwaltung ein gewisses Risiko. Dennoch solle die Stadt die Planungen weiter führen, aber einen Plan B im Ärmel haben, falls der Bau nicht genehmigt wird.

Ramona Wiese (SPD) sprach sich für einen Neubau aus. "Dieser darf nicht aus Angst abgelehnt werden", betonte sie. Ihr stimmte Stefan Holl von den Freien Wählern zu. Es ergebe Sinn, die Pläne weiter zu verfolgen. Er erwähnte die Wichtigkeit der Barrierefreiheit, und dass diese im aktuellen Rathaus nicht möglich sei. Für seine endgültige Entscheidung hätte er aber gerne "konkrete Zahlen".

Lammert erinnerte sich, dass eine solche Diskussion bereits zur Amtszeit von Gerhard Maxeiner geführt worden sei. Damals sei das Projekt wegen Geldmangel und anderer Prioritäten wieder fallen gelassen worden. "Wir brauchen ein Rathaus mit moderner Technik, barrierefrei, zentral und energetisch", appellierte er. Gleichzeitig forderte er ein Konzept für das "Alte Rathaus". Denn es sei nicht sicher, ob die Förderung auch gewährt wird. Ein Plan B sei nötig.

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