Karin Stump (Dritte von links) mit anderen Frauen bei morgendlichen Warm-up-Übungen auf einem Pilgerweg im Bergischen Land.
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Karin Stump (Dritte von links) mit anderen Frauen bei morgendlichen Warm-up-Übungen auf einem Pilgerweg im Bergischen Land.

Glauben vermitteln

Diez: "Katholische Kirche muss frauenfreundlicher werden"

  • vonMariam Nasiripour
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Die neue Pastoralreferentin Karin Stump möchte Gott den Menschen näher bringen

Diez -Karin Stump ist die neue Pastoralreferentin der Katholischen Pfarrei St. Christophorus in Diez. Nach dem Weggang von Birgit Losacker verstärkt sie das Team der Pfarrei seit dem 1. Januar und kehrt wieder zurück ins Bistum Limburg.

Ihr Religions- und Philosophielehrer habe sie zu diesem Berufsweg inspiriert, sagt Karin Stump dieser Zeitung. "Die Philosophie ist ein Meer ohne Grenzen", begründet Stump ihre Entscheidung für das Theologiestudium. Außerdem waren ihre Eltern praktizierende Katholiken und die Theologie sei schon immer eine Verankerung in ihrem Leben gewesen.

Eigentlich wollte sie gerne Pfarrerin werden, diese gibt es aber in der katholischen Kirche nicht. Deswegen habe sie sogar schon mal über eine Konvertierung zum evangelischen Glauben nachgedacht, diesen Gedanken aber wieder verworfen. Zu fest sei sie mit der katholischen Kirche und ihren Lehren verbunden und verwurzelt. Es sei ihre emotionale Heimat.

Neue Wege beschreiten

Aus diesem Grund muss die katholische Kirche auch frauenfreundlicher werden, sagt Karin Stump. "Meine Mutter hat mir damals gesagt, dass ich mich daran stoßen werde", erinnert sich die 58-Jährige. Bei einer Weltkirche würden solche Prozesse und Entwicklungen nunmal länger dauern. Und so nutzt sie die Möglichkeiten, die sie hat, um ihre Herzensarbeit und ihren Dienst zu leisten. "Vielleicht ändert das auch schon was", hofft sie.

An ihrer Arbeit gefällt ihr, dass sie Menschen dabei helfen kann, ihren Weg mit Gott zu finden und zu gehen. "Es gefällt mir, wenn ich im Gespräch spüre, dass ein guter Kontakt entstanden ist und mein Gegenüber gestärkter, aufrechter und selbstbewusster aus dem Gespräch heraus geht", erzählt Karin Stump. Sie möchte Menschen in einer schwierigen Situation Gott näher bringen, ihnen helfen, die nächsten Schritte zu gehen und ihnen dabei Beistand leisten.

Aber Karin Stump bemerkt auch, dass sich die Zeiten geändert hätten. Zwar seien immer noch viele Menschen auf der Suche, auch nach Antworten. Aber in der heutigen Zeit würden sie diese eher in der Natur suchen oder in der Esoterik, so Stump. Aus diesem Grund sei es wichtig, dass die Kirche sich weiter entwickelt und neue Wege beschreitet. Zwar seien die hauptamtlichen Mitarbeiter der Gemeinde bereits auf der Suche nach neuen Wegen und Ansätzen, aber die Veränderung hätte schon früher einsetzen müssen.

Die Jugend erreichen

"Im 19. Jahrhundert hat die Kirche die Arbeiterschaft verloren und wurde bürgerlich. Jetzt verlieren wir auch die bürgerliche Mitte", ist die 58-Jährige überzeugt. Hinzu kommt die Frage, ob man denn auch der richtige Ansprechpartner sei für die Jugend. Längst spreche die Jugend eine andere Sprache und es gehe darum, sie zu erreichen.

Schuld sei auch das negative Image der Kirche. Skandale und Missbrauchsfälle würden es schwer machen, für die Menschen glaubwürdig zu erscheinen. Dem entgegen zu wirken, sei mühsam. Aber genau darum geht es, so Stump, glaubwürdig zu sein und sich Debatten zu stellen. Ein wichtiger Schritt in die Richtung sei es, die guten und positiven Beispiele in den Vordergrund zu rücken. "Ich lasse mich nicht von Negativem runter ziehen. Es liegt an jedem, seinen Beitrag zu leisten", betont die Theologin. Wenn sich viele zusammen setzen, dann bringt es was, ist sie überzeugt.

Die Aufgaben von Karin Stump seien noch nicht klar definiert. Sie möchte zu allererst mit den Vertretern der evangelischen Gemeinden, caritativen Einrichtungen und Institutionen ins Gespräch kommen und sich über die bisherige sowie zukünftige Zusammenarbeit austauschen.

Vor ihrer Anstellung in der St. Christophorus Gemeinde war Karin Stump sechs Jahre im Katholischen Forum in Dortmund tätig. Die gebürtige Mönchengladbacherin hat in Münster Theologie und Französisch studiert. Sie war unter anderem als Referentin für Bischof Kamphaus tätig, machte in Montabaur eine Ausbildung zur Pastoralassistentin und engagierte sich drei Jahre im Bezirk Tocantins in Brasilien. Dort war sie Teil einer kleinen Ordensgemeinschaft von Frauen und leistete neben Alltagshilfe im Armenviertel auch Gesundheits- und Bildungsarbeit. Aber auch Seelsorge und Gottesdienste zählten zu ihren Aufgabenbereichen.

Ihren Einsatz dort beschreibt die Theologin als mühsam. Denn Hilfe von der Regierung oder den Behörden gab es nicht. Der kleinen Ordensgemeinschaft wurde der Einsatz für die Menschen dort nicht leicht gemacht. Anschließend ging es für Karin Stump zurück ins Limburger Bistum und nach Friedrichsdorf, wo sie acht Jahre als Pastoralreferentin arbeitete. Eine weitere Station war Wirges. Das Katholische Forum in Dortmund verließ sie, da mit dem Wechsel der dortigen Gemeindeleitung auch ein Kurswechsel einher ging, mit dem die Theologin nicht einverstanden war.

Zu Karin Stumps Aufgaben gehörten bislang die Erwachsenenbildung, Seelsorge, Gottesdienste, Trauerbegleitung, Seniorenarbeit, Glaubensgespräche und Frauenkreise. Diese Arbeit möchte sie auch in Diez weiterführen.

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