Wegen Geldwäsche in 103 Fällen stand eine 38-jährige Frau aus der Verbandsgemeinde (VG) Diez vor dem Amtsgericht in Diez.
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Wegen Geldwäsche in 103 Fällen stand eine 38-jährige Frau aus der Verbandsgemeinde (VG) Diez vor dem Amtsgericht in Diez.

Geldwäsche in 103 Fällen

Seniorin um 300.000 Euro betrogen – Aussagen sorgen für Kopfschütteln

Eine 38-Jährige aus Diez wird wegen Geldwäsche in 103 Fällen angeklagt - unter anderem bringt sie eine Seniorin um ihr Vermögen.

Diez – Wegen Geldwäsche in 103 Fällen stand eine 38-jährige Frau aus der Verbandsgemeinde (VG) Diez vor dem Amtsgericht in Diez. Ihr wurde vorgeworfen, eine Seniorin aus Augsburg im Zeitraum von 2015 bis 2019 um 73 425 Euro betrogen zu haben. Zwar zeigte sich die Angeklagte geständig, ihre Ausführungen führten aber beim vorsitzenden Richter Dr. Dennis Graf und der Staatsanwältin zu noch mehr Fragen und ungläubigem Kopfschütteln.

Die Mutter von zwei Kindern berichtete, dass sie über ihren Vater einen Mann in der Türkei kennengelernt hatte. Dieser hatte sie gebeten, Zahlungen von einer angeblichen Freundin entgegenzunehmen und diese an sein Bankkonto in der Türkei zu transferieren. Dafür sei sie mit Fahrkosten und kleinen Beträgen zwischen 20 und 40 Euro entschädigt worden. Ende 2019 wurden die Zahlungen eingestellt, weil das Konto der Angeklagten gesperrt wurde.

Geldwäsche: Angeklagte aus Diez soll keinen Kontakt zur Seniorin gehabt haben

Richter Graf wollte von der Angeklagten wissen, ob sie zu keinem Zeitpunkt skeptisch wurde oder sich nicht gefragt habe, warum sie die Zahlungen entgegennehmen und weiterleiten soll. Die Angeklagte führte aus, dass sie den türkischen Bekannten ihres Vaters mal nach dem Grund gefragt habe. Daraufhin habe er geantwortet, dass die Freundin reich sei und ihm helfen wolle, da er sich in finanzieller Not befinde. Außerdem könne sie die Zahlungen nicht selbst vornehmen. Sie habe sich, so die Angeklagte, mit der Antwort zufrieden gegeben und sich nichts dabei gedacht. Diese Aussage wollte ihr weder Richter Graf noch die Staatsanwältin so recht glauben.

Weiter führte die Angeklagte aus, dass sie keinerlei Kontakt zur geschädigten Seniorin hatte. Sie habe lediglich eine SMS von dem Bekannten aus der Türkei bekommen, wenn wieder eine Zahlung anstand. Von einem deutschen Rechtsanwalt, der in der Türkei tätig und in die Sache involviert sein soll, wisse sie nichts. Ihre Aussagen wurden von der 64-jährigen Nichte der Geschädigten widerlegt. Diese sagte aus, dass ihr ihre Tante erzählt habe, dass sie in telefonischem Kontakt zur Angeklagten gestanden habe.

Diez: Angeklagte soll Seniorin um 300.000 Euro gebracht haben

Sie habe von der Scheidung der Angeklagten und ihren finanziellen Sorgen gewusst und habe ihr auch Geld überwiesen, um ihr zu helfen. Weiter berichtete die Nichte, dass ihre Tante 2009 bei einem Preisausschreiben mitgemacht habe. Daraufhin habe sie einen Anruf von einem angeblichen deutschen Rechtsanwalt in der Türkei bekommen, der ihr mitgeteilt habe, dass der Gewinn mit steuerlichen Problemen verbunden sei. Sie solle ihm doch etwas Geld überweisen, dann würde er sich darum kümmern.

Anschließend habe der Anwalt der Tante Zuneigung vorgeheuchelt und so noch mehr Geld von ihr erschlichen. Insgesamt wurde ihre vermögende Tante, so die Zeugin, um etwa 300 000 Euro betrogen. Die Zahlungen seien anfangs von der Tante direkt auf das Konto in der Türkei überwiesen worden. Erst später trat die Angeklagte auf der Bildfläche auf. Als der Nichte das Ausmaß des Betruges bewusst wurde, überredete sie ihre Tante, die mittlerweile verstorben ist, bei der Polizei Anzeige zu erstatten.

Nach Geldwäsche: Opfer will Betrug nicht wahrhaben

Das bestätigte der Augsburger Polizeibeamte, der die Anzeige aufgenommen hatte. Er berichtete, dass seine Dienststelle von der Bank der Geschädigten über eine geplante verdächtige Überweisung in vierstelliger Höhe informiert wurde. Daraufhin hätten die Ermittlungsbehörden mehrfach versucht, die Geschädigte zu einer Aussage zu bewegen, aber vergeblich.

Der Polizeibeamte ergänzte, dass die Geschädigte nicht wahr haben wollte, dass sie das Opfer eines Betruges war. Sie war der festen Überzeugung, dass sie das geliehene Geld wieder zurückbekommen würde. "Das ist die typische Masche der Betrüger. Sie machen den Menschen Versprechungen und melken sie, solange es geht", erzählte er. Er berichtete aber auch, dass die Geschädigte ihm gegenüber angemerkt habe, dass sie nie Kontakt zur Angeklagten hatte.

Angeklagte aus Diez: Verhandlung wird fortgesetzt

Über die Anzahl der Überweisungen und die Kontobewegungen der Angeklagten berichtete ein 63-jähriger Zeuge von der Kriminaldirektion Koblenz. So seien 47 825 Euro auf zwei Konten geflossen, die entweder der Angeklagten gehörten oder für das sie eine Vollmacht hatte. Außerdem wurden zwei weitere Zahlungen registriert, dessen Hintergründe er nicht nachvollziehen konnte. Die Verhandlung wird am Donnerstag, 14. Oktober, um 9.30 Uhr fortgesetzt.

Im Kreis Groß-Gerau wurde eine Frau Opfer eines Bitcoin-Betruges. Sie verlor ihr Vermögen.

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