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Sie engagierten sich im neuen Beirat für Migration und Integration der Stadt Diez (von links): Ali Hamdan, Madeleine Kah, der Vorsitzende Jeorjios Martin Beyer, Katerina Dolke, Erol Akyol, Ola Almezel und Nader Alatassi.

Integration

Diez: Sie wollen das Miteinander stärken

Mitglieder des Beirats für Migration und Integration vermitteln zwischen neuen Bürgern und der Stadt

Diez -Sie wurden im Oktober 2019 gewählt und haben sich im Dezember des gleichen Jahres konstituiert: Der Beirat für Migration und Integration (BMI) der Stadt Diez. Seither konnten sich seine sieben gewählten Mitglieder gerade mal drei Mal treffen, Corona bedingt. Dabei sei es gerade in der Anfangszeit wichtig, auf sich aufmerksam zu machen und Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, sagt der Vorsitzende Dr. Jeorjios Martin Beyer.

Zwar kennen sich die Mitglieder des Beirats untereinander, wie zum Beispiel von ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit im Willkommenskreis Diez. Aber es habe sich noch nicht herauskristallisiert welche Stärken die einzelnen Mitglieder hätten. Und die Corona-Pandemie habe es nicht gerade einfacher gemacht. Denn während des ersten Lockdowns konnten sie keine offizielle Sitzung abhalten.

Die Treffen im Garten des Vorsitzenden unter Einhaltung der Regeln seien nicht als öffentliche Sitzungen anerkannt worden. Sie wurden von den Mitgliedern genutzt, um sich auszutauschen. "Anfang des Jahres befanden wir uns in der Findungsphase. Wir mussten zusammenwachsen", sagt Dr. Beyer. Deswegen konnte der Beirat bisher auch nicht richtig tätig werden, Aktionen oder Veranstaltungen planen oder durchführen. Auch weil es die Pandemie nicht zu lässt.

Vermitteln und unbürokratisch helfen

Der BMI möchte vor allem die Interessen der Ausländer in Diez vertreten und ihr Sprachrohr sein. Er leitet Themen, die ihm von Migranten und Migrantinnen herangetragen werden, an den Stadtrat weiter und stellt diese dort zur Diskussion. Außerdem sei der BMI ein Vermittler zwischen den Migranten, der Stadt sowie der Verbandsgemeinde Diez und könne auch den Kontakt dazu herstellen. "In manchen Fällen helfen unsere Kontakte, Dinge unbürokratisch zu regeln", erklärt der Vorsitzende.

Das sei in Diez sehr einfach, da die Entscheidungswege sehr kurz seien. So seien der Verbandsbürgermeister, die Stadtbürgermeisterin oder der Landrat einfach per Telefon erreichbar. In anderen, größeren Städten wie Frankfurt oder Mainz würde es ganz anders aussehen. Aber vor allem sieht das beratende Gremium seine Aufgaben darin, ein Brücke zu bauen zwischen den neuen Bürgern von Diez und den Alteingesessenen. "Mit Festen und Veranstaltungen wollen wir die Leute zusammenbringen und das Miteinander voranbringen", sagt Dr. Beyer. Das sei in Zeiten von Corona, wo Veranstaltungen nicht erlaubt sind, sehr schwierig.

Trotzdem konnte der BMI vor kurzem an einer Kundgebung für Moria auf dem Diezer Markplatz teilnehmen und die Interkulturelle Woche in Diez mitgestalten. "In der Weihnachtszeit sind wir auch auf dem Weihnachtsmarkt und stellen uns dort der Öffentlichkeit vor. Das geht in diesem Jahr auch nicht", erklärt der promovierte Historiker. Der Sohn einer griechischen Mutter hat an einigen Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen teilgenommen, um den BMI und seine Arbeit wenigsten auf digitalem Weg bekannt zu machen.

So würden die Menschen zum Beispiel mehr über die unterschiedlichen kulturellen Hintergründe der Mitglieder erfahren. Zwei der Mitglieder stammen aus Syrien, einer aus der Türkei, ein Mitglied ist libanesischer Abstammung und ein weiterer kommt aus der Ukraine. Und der Vorsitzende ist griechischer Abstammung. Unter den sieben gewählten Mitgliedern stammt nur eine aus Deutschland. "Wir sind ein bunter Haufen", sagt Beyer mit einem Schmunzeln. "Einige von ihnen bringen sogar Erfahrung mit."

Problematik hat sich verlagert

Dr. Jeorjios Beyer ist die Vernetzung mit verschiedenen Organisationen, Behörden und Institutionen zur Verbesserung und Optimierung der Arbeit des Beirats sehr wichtig. Aus diesem Grund ist er der zweite stellvertretende Vorsitzende des Kreisausländerbeirats und der BMI Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte Rheinland Pfalz (AGARP).

Zum Erstarken rechter Tendenzen in Deutschland hat Dr. Beyer seine ganz eigene Meinung. Es seien immer wieder dieselben Personen, die ihre rechte Gesinnung zutage tragen. Zwar habe sich die Zahl der Rechtsextremen seit der Gründung der AfD erhöht, aber nur unwesentlich. Das Phänomen sei die verstärkte öffentliche Zurschaustellung des rechten Gedankenguts. So würde man heute laut aussprechen ,was man früher gedacht habe. "Die Xenophobie ist dieselbe wie vor 20 Jahren. Wie zu Zeiten der Anschläge in Solingen, Mölln und Hoyerswerda", ist sich Beyer sicher. Nur die Problematik sei heute eine andere.

Sollte es Corona zulassen, findet im Dezember die letzte Sitzung des Ausländerbeirats in diesem Jahr statt. Wie es im nächsten Jahr weitergehen wird, sei ungewiss, so der Vorsitzende. Auf jeden Fall möchte Dr. Beyer einen Runden Tisch mit verschiedenen Akteuren aus Politik und Kommune einrichten. So könne man die anstehenden Aufgaben und Herausforderungen gemeinsam angehen und besser lösen. Ein weiteres Anliegen von ihm ist die Zusammenarbeit mit dem Limburger Ausländerbeirat. Er will aber erstmal die Wahl im nächst Jahr abwarten.

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