Die Arbeiten für die neue und breitere Brücke über die Aar stehen kurz vor dem Abschluss. Danach muss das erst im Juni diesen Jahres fertiggestellte Tunnelportal aufgrund erheblicher Mängel, die bei der Betonierung entstanden sind, wieder abgerissen und neu aufgebaut werden.
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Die Arbeiten für die neue und breitere Brücke über die Aar in Diez stehen kurz vor dem Abschluss. Danach muss das erst im Juni dieses Jahres fertiggestellte Tunnelportal aufgrund erheblicher Mängel, die bei der Betonierung entstanden sind, wieder abgerissen und neu aufgebaut werden.

Eine viertel Million Euro Schaden

Teurer Fehler in Diez: Neues Tunnelportal muss abgerissen und neu gebaut werden

  • Rolf Goeckel
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Teurer Pfusch beim Bau in Diez: Das neue Ostportal des Tunnels muss abgerissen werden. Fehler im Beton machen den drastischen Schritt notwendig.

  • In Diez passiert beim Bau eines Tunnels ein teurer Fehler.
  • Jetzt muss das neue Ostportal des Tunnels wieder abgerissen werden.
  • Wer für den hohen Schaden aufkommen muss, steht fest.

Diez – Das erst vor wenigen Monaten fertiggestellte Ostportal des Diezer Tunnels (gegenüber dem Rewe-Markt) muss wieder abgerissen und gebaut werden. Dies erklärte der stellvertretende Leiter des Landesbetriebs Mobilität Diez, Dr. Kai Mifka, auf Anfrage dieser Zeitung. Ursache sind Fehler im Beton, die erstmals bereits Anfang Juni festgestellt und in den zurückliegenden Monaten genau analysiert und bestätigt worden seien.

Diez: Teuerer Fehler während des Tunnelbaus

Und so kam es laut Mifka zu dem Fehler in Diez: Das letzte Tunnelstück wurde an einem heißen Freitag betoniert. Dabei wurde offensichtlich für die hohen Temperaturen zu steifer Beton verwendet, sodass die Schalung nicht komplett mit Beton ausgefüllt wurde. Nach Entfernen der Schalung wurden etliche Fehlstellen im Beton sichtbar, und auch über dem Bewehrungsstahl ist zu wenig Beton vorhanden. Außerdem wurde eine Öffnung für den Einbau von Technik fälschlicherweise zubetoniert. Den entstandenen Schaden, für den die Baufirma oder deren Versicherung aufkommen muss, schätzt Mifka auf rund eine viertel Million Euro. Betroffen sind bis zu zehn Meter Tunnelwölbung.

Anfängliche Hoffnungen der Baufirma, dass sich der Schaden reparieren lässt, hätten sich im Laufe des Sommers zerschlagen, berichtete der LBM-Vize weiter. „Wir haben den Beton auf Herz und Nieren prüfen lassen“, sagte Mifka, sei es mittels Ultraschall oder auch mit der Entnahme von mehreren Bohrkernen. Ergebnis: Die Qualität des Betons reicht für die anvisierte Lebensdauer von 100 Jahren für das 33-Millionen-Bauwerk nicht aus. Deshalb habe sich die Baufirma entschieden, das fehlerhafte Tunnelportal abzureißen und neu zu bauen.

Abriss des Tunnelportals in Diez beginnt Mitte November

Allerdings können die auf rund zwei Wochen geschätzten Abrissarbeiten nicht vor Mitte November beginnen, weil zuvor noch die Aarbrücke vor dem Tunnelportal fertiggestellt werden muss, so Mifka. Die Wiederherstellung des Brückenbauwerks sei bereits vier Wochen in Verzug, sodass sich auch die Autofahrer auf der B417 noch eine Weile gedulden müssen. Die Sperrung der Ortsdurchfahrt von Diez werde voraussichtlich noch bis Ende November dauern, kündigte Mifka an, der diese „Hiobsbotschaft“ für die Autofahrer sehr bedauerte. Ziel sei es, dass bis dahin die Arbeiten an der Aarbrücke beendet sind und das fehlerhafte Tunnelportal abgerissen wurde, so dass der Verkehr wieder in eine Richtung fließen kann.

Trotzdem „eine enorme Bauleistung“ beim Tunnel in Diez

Bevor das fehlerhafte Tunnelstück erneuert werden kann, muss an dem Tunnelportal wieder ein Arbeitsgerüst aufgestellt, eine separate Schalung angebracht und auch die Bewehrung erneuert werden. Bedauerlich sei auch, dass aufgrund des Baufehlers, den Mifka zum Teil auf menschliches Versagen zurückführt, ein Stück des in den vergangenen zwei Jahren herausgearbeiteten Zeitvorteils wieder verloren geht. Allerdings sei das Tunnelbauwerk noch immer etwa drei Monate vor dem ursprünglichen Zeitplan.

LBM-Vizechef Mifka erinnerte daran, dass die Baufirma erst Ende 2018 den Zuschlag für das Projekt erhalten habe. "Keine zwei Jahre später steht der komplette, 335 Meter lange Tunnel, alles ist fertig und die Baugrube teilweise schon wieder verfüllt. Außerdem wurden Brücken abgerissen, Hilfsbrücken neu gebaut und dreimal die Gleise zugemacht. All das ist eine enorme Bauleistung", lobte Mifka.

Dass es in Diez zu dem Baufehler bei der Betonierung des Tunnelportals gekommen ist, sei zwar sicherlich ärgerlich, doch im Bau komme es immer wieder einmal vor, „dass Sachen auch schiefgehen“. Mifka: „Das weiß eigentlich jeder, der schon einmal einen Nagel schief in die Wand geschlagen hat.“ (Von Rolf Goeckel)

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