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Diez: Warum so wenige Frauen in die Politik gehen

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Projektleiterin Theresa Lambrich (links) moderierte das Gespräch mit den Politikerinnen Annette Wick, Petra Popp und Lena Lorch (von links).
Projektleiterin Theresa Lambrich (links) moderierte das Gespräch mit den Politikerinnen Annette Wick, Petra Popp und Lena Lorch (von links). © Thorsten Kunz

Workshop mit Theresa Lambrich im Sophie-Hedwig-Gymnasium

Diez -Wie kommt es, dass junge Leute, insbesondere Mädchen und Frauen, in der kommunalen Politik unterrepräsentiert sind? Und was kann man tun, um dies zu ändern? Mit dieser Fragestellung beschäftigten sich jetzt die Schülerinnen und Schüler einer neunten Klasse des Sophie-Hedwig-Gymnasiums in Diez. Zum einen, weil das Thema Kommunalpolitik gerade auf dem Lehrplan stand, zum anderen, weil es ein Angebot der Gleichstellungsbeauftragten des Rhein-Lahn-Kreises, Dorothee Milles-Ostermann, an Sozialkundelehrer Martin Gürth gegeben hatte, um dieses eher trockene Thema mit etwas Esprit aus der politischen Praxis zu beleben.

Ausgangspunkt war die Bachelorarbeit von Projektleiterin Theresa Lambrich, in der sie die Ursachen der Unterrepräsentanz von Frauen in der kommunalen Politik analysiert und der Kreisverwaltung eine Handlungsempfehlung an die Hand gegeben hatte. Eine Maßnahme lautete: Schulworkshops zum Thema "Junge Leute und Frauen in die kommunalen Parlamente".

Einen ersten Workshop durfte sie dann gleich selbst vor zwei Jahren im Marion-Dönhoff-Gymnasium in Lahnstein durchführen. Der war erfolgreich, doch wegen Corona gab es die Fortsetzung erst jetzt in Diez. Zu Beginn führte Lambrich die 16 Mädchen und acht Jungen im Alter von 14 bis 15 Jahren grundlegend in das Thema Kommunalpolitik ein: Welche Gremien gibt es, wie wird gewählt, welche Rolle spielen die Parteien?

Danach wurden drei Gruppen eingeteilt, die sich damit beschäftigten, was Politiker allgemein ausmacht und welche Klischees zu Männern und Frauen in unserer Gesellschaft existieren. Die Ergebnisse wurden auf Pinnwänden zusammengetragen und in der Großgruppe diskutiert: Wie sind politisch engagierte Menschen? Selbstbewusst, extrovertiert, korrupt, eher männlich, alt, verantwortungsbewusst? Sind Frauen wirklich nur auf das Aussehen bedacht und in Haushalt und Familie gebunden? Sind Männer eher aggressiv, patriarchalisch, toxisch, sich selbst überschätzend?

"Es war spannend zu sehen, wie unvoreingenommen die Mädchen und Jungen miteinander diskutierten", war Lambrich von der Gruppe angetan. "In diesem Alter sind die Meinungen noch nicht festgelegt, es herrscht viel Offenheit für diese Fragestellungen."

Gespräch mit drei aktiven Politikerinnen

In einer weiteren Gruppenarbeit wurden dann Zitate von Frauen unter die Lupe genommen, die bereits Erfahrungen im politischen Leben gemacht hatten und dabei auf Hindernisse gestoßen waren. Im Plenum wurden die Ursachen dafür gesammelt: Sexismus, Unterschätzung, Angst, "Mansplaining" (soll heißen: herablassendes Reden von Männern zu Frauen) Zeitmanagement, Familie - da kam einiges zusammen. Und es wurde nach Lösungen gesucht: Kommunalpolitik sollte stärker in den Unterricht integriert werden, Videokonferenzen könnten das Zeitproblem abschwächen, Arbeitgeber müssten politisch Engagierte öfter freistellen und mehr.

Am Nachmittag hatte die Klasse Gelegenheit, ihre Ideen im persönlichen Gespräch mit drei aktiven Kommunalpolitikerinnen auf den Prüfstand zu stellen. Mit den Stadtbürgermeisterinnen Petra Popp (Katzenelnbogen, Freie Wähler) und Annette Wick (Diez, SPD) sowie Lena Lorch (Junge Union Rhein-Lahn) gab es einen intensiven Austausch und die Erkenntnis, dass man im Workshop bereits wichtige Erkenntnisse sammeln konnte und dass noch einiges zu tun bleibt, um den Anteil junger Menschen und Frauen in der Politik voranzubringen.

Schülerin Finnja Zahl (15) aus Kaltenholzhausen äußerte sich anschließend erfreut über den Workshop: "Wir haben sehr viel gelernt und uns untereinander ausgetauscht. Das Thema wurde einfach und verständlich erklärt, und es waren coole Aktivitäten dabei." Emily Gemmer (15) aus Diez fand: "Da gab es viel Neues, viele Anstöße und wir haben uns viele Gedanken machen können."

Hanno Schnebeck (15) aus Diez ergänzte: "So ein Praxis-Workshop ist für Jugendliche viel besser als Einstieg in die Politik als rein theoretischer Unterricht."

Für eine Frauen-Quote in der Politik wollte sich die Klasse allerdings nicht aussprechen. Politikerinnen und Politiker müssten durch ihre Qualifikation überzeugen, egal welchen Geschlechts sie seien. Aber die Rahmenbedingungen müssten für alle gleich sein.

"Im Idealfall wird bei den Schülerinnen und Schülern durch den heutigen Kontakt Interesse geweckt und der Grundstein für ein kommunalpolitisches Engagement gelegt. Vielleicht hat der Workshop die Teilnehmerinnen und Teilnehmer motiviert, noch mehr für ihre Überzeugungen einzutreten und sich einzubringen", hofft Lambrich. Und Sozialkundelehrer Gürth ergänzt: "Je mehr Aktivitäten und Anregungen eine Schule in Sachen gesellschaftlichen Engagements bietet, desto aktiver werden die Schüler. Wir beobachten dies zum Beispiel auch in unserer AG ,Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage'. Deren Teilnehmer bringen sich auch außerhalb der Schule gerne für die Gesellschaft ein."

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