Herzliche willkommen hießen Mitglieder des Willkommenskreises Diez, Stadtbürgermeisterin Annette Wick, Landrat Frank Puchtler sowie die Landtagsabgeordneten Matthias Lammert und Jörg Denninghoff Ministerpräsidentin Malu Deyer (M.)
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Herzliche willkommen hießen Mitglieder des Willkommenskreises Diez, Stadtbürgermeisterin Annette Wick, Landrat Frank Puchtler sowie die Landtagsabgeordneten Matthias Lammert und Jörg Denninghoff Ministerpräsidentin Malu Deyer (M.)

"Im-Land-daheim-Tour"

Diez: Willkommenskreis ist zu einer Familie geworden

  • Rolf Goeckel
    vonRolf Goeckel
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Ministerpräsidentin Malu Dreyer informiert sich in der Grafenstadt über Arbeit mit Flüchtlingen.

Diez -Zum Auftakt der fünften Etappe ihrer "Im-Land-daheim-Tour" hat Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) gestern Nachmittag den Willkommenskreis Diez besucht. Die Landespolitikerin aus Mainz zeigte sich beeindruckt vom vielfältigen Engagement der 2014 unter kirchlichem Dach gegründeten Organisation, um die sich inzwischen weitere Hilfsgruppen geschart haben. "Seit seiner Gründung hat sich der Willkommenskreis zu einer Gemeinschaft, ja zu einer Familie entwickelte", freute sich Koordinatorin Christiane Beule.

"Herzlich willkommen" stand in bunten Lettern auf einem großen Transparent, das zwei Kinder der Ministerpräsidentin vor dem Domizil des Willkommenskreises im Wilhelm-von-Nassaupark 11 entgegenstreckten. Bunt im Sinne von Vielfalt waren auch die kurzen Vorträge, die Dreyer an diesem Nachmittag zu hören bekam. Das Besondere: Nicht nur Deutsche engagieren sich im Willkommenskreis Diez, sondern auch Geflüchtete, die sich nach eigenen Angaben für ein gutes Zusammenleben einsetzen. Das Engagement reicht von Deutschkursen und einer Kleiderstube über das Café International, den Flüchtlingsrat und Ausländerbeirat bis hin zur Interkulturellen Woche, einem Kochkurs, der Aktion "Boomerang Bags" sowie Foodsharing und Nachbarschaftshilfe.

Madeleine Kah ("Lena") gehört zu den Gründungsmitgliedern des Willkommenskreises und unterrichtet Deutsch. "Seit neun Jahren lebe ich mit Flüchtlingen und bekomme unheimlich viel Vertrauen entgegengebracht", sagte sie. Ihr Wunsch an die Ministerpräsidentin: eine verbesserte Kooperation mit den Behörden. "Dazu gehört, dass wir in unserem Wirkungskreis genauso bekannt sind wie die Diakonie, die Caritas, das Rote Kreuz oder ähnliche Einrichtungen. Es wäre wichtig, dass der Willkommenskreis in jeder Auflistung von sozial engagierten Organen der Umgebung zu finden ist", sagte Kah. Die 2016 von Friedhelm Hahn und Steffi Peters ins Leben gerufene Kleiderstube stellte Wolfgang Klasen vor, der neu im Willkommenskreis ist. "Wir nehmen die Kleidung entgegen, sortieren, ordnen und entscheiden, für welches Projekt die Spenden eingesetzt werden. In der Kleiderstube können sich dann Besucher gegen eine kleine Spende, aussuchen, was sie benötigen", berichtete er. Nicht mehr benötigte Kleidung geht an das Global Aid Network (Gain), das sie laut Beule in "Katastrophenländern" bringt.

"Ich habe eine

Heimat gefunden"

Die 19-jährige Ola Almezel, seit vier Jahren in Deutschland, engagiert sich unter anderem im Café International, aus dem das Projekt "Bei mir. . ." hervorging. Hier stellen die Geflüchteten oder die Deutschen ihr Land, ihre Traditionen und ihre Bräuche vor. Der Syrer Nader Alatassi gehört dem 2017 gegründeten Flüchtlingsrat an, der auch politische Themen aufgreift. Beruflich würde er gerne kranke Menschen betreuen, sagte er. Dem Willkommenskreis verdanke er, "dass ich in Diez eine Heimat gefunden habe".

Der Ausländerbeirat, so Jeorjios Beyer, wolle eine "Brücke zwischen den in Diez lebenden Ausländern und der Stadt" sein. Er wolle "gesellschaftliche Gruppen zusammenbringen und gegen Rassismus, Xenophobie und Intoleranz kämpfen". Der Syrer Ali Hay Othman, 24, will Sanitäter werden; er hilft neu ankommenden Flüchtlingen, deren Probleme er gut kenne. Der Armenier Vardan Puzirenka ist im Bundesfreiwilligendienst und hilft bei der Lebensmittelverteilung, Organisation oder in der Kleiderstube.

Von Anfang an dabei ist Friedhelm Hahn (72), der sich vor allem um die Ausrichtung der Interkulturellen Woche Ende September kümmert. Ob diese im Zeichen der Coronakrise in diesem Jahr stattfinden kann, sei wohl eine "spannende Sache", so Hahn. Wesam Alahmad leitet den Kochkurs, der bis Corona im zweiwöchigen Rhythmus in der Berufsschule stattfand. "Es ist sehr schön, dass auch viele Deutsche teilnehmen, aber auch wir haben schon deutsche Rezepte kennengelernt. Ich bin sehr glücklich, dass ich jetzt Käsekuchen backen kann", berichtete er.

"Aus Fremden

werden Freunde"

Anne Olschewski, Gründerin von Foodsharing Limburg, Diez und Umgebung stieß 2017 zum Willkommenskreis. Für das Projekt "Boomerang-Bags" wurden bereits 100 Taschen genäht, die in den Geschäften verteilt werden, um Plastik zu vermeiden. Das Projekt "Foodsharing", so Rebecca Levebre, hat bis zur Pandemie zweimal wöchentlich Lebensmittel "gerettet" und an Besucher verteilt. Zu den Verteilern gehört beispielsweise auch Mohamad Kheir Hadad (24), der gerne Altenpfleger werden möchte und es "wunderbar findet, Menschen helfen zu können". Lefevre lobte Beule, die die Fähigkeit habe, "das Beste aus allen Menschen herauszuholen". Sie wünschte sich eine bessere Finanzierung, "denn das Betteln ist zermürbend", sagte sie.

"Danke für ein wahnsinniges Engagement", sagte abschließend Ministerpräsidentin Dreyer. Der Willkommenskreis zeige, dass der Spruch "aus Fremden werden Freunde" tatsächlich zutreffe. Besonders beeindruckt zeigte sie sich von der Nachbarschaftshilfe, die sich gerade auch in der Coronakrise bewährt habe. Weil die Landesregierung die Bedeutung des Ehrenamts in der Krise erkannt habe, stelle sie insgesamt 86 000 Euro zusätzliche Unterstützung für Vereine zur Verfügung. Sie riet dem Willkommenskreis, Mittel des Integrationsministeriums anzufordern. Ob es sinnvoll ist, mit Abstands- und Hygieneregeln ein Integrationsfest zu feiern, stellte Dreyer in Frage. Nach den Ferien gehe es vorrangig darum, Kitas und Schulen wieder zu öffnen.

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