Die Helfer: Wolfgang Klasen, Hananeh Mirzad, Christiane Beule und Ola Almetel (von links) in der Kleiderstube.
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Die Helfer: Wolfgang Klasen, Hananeh Mirzad, Christiane Beule und Ola Almetel (von links) in der Kleiderstube.

Tatkräftige Unterstützung

Ein Willkommenskreis für alle Menschen

  • VonRobin Klöppel
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DIEZ Vom Foodsharing bis zur Nachbarschaftshilfe - Initiative stellt sich im Stadtrat vor

Christiane Beule hat im Diezer Stadtrat die Arbeit des Willkommenskreises vorgestellt. Dieser entstand zur Flüchtlingsunterstützung, bietet aber mittlerweile ein vielfältiges Angebot für alle Bürger. So gibt es eine Kleiderstube in den Willkommenskreis-Räumen im Wilhelm-von-Nassau-Park 11, in der für kleines Geld jeder gebrauchte Kleidung erwerben kann. Vor dem Gebäude findet einmal wöchentlich in Kooperation mit der Aktion Foodsharing eine kostenlose Essensverteilung statt. Der Willkommenskreis bietet zudem für alle heimischen Schüler, die Lernhilfe brauchen, einen Nachhilfeunterricht online oder in 1:1-Präsenz an.

Die Koordinatorin betonte, dass es vielen in Diez offenbar nicht klar sei, was der Willkommenskreis alles für die Allgemeinheit tue. Beule findet es schade, dass die unermüdliche ehrenamtliche Tätigkeit ihrer 70 Helfer in Diez so wenig Beachtung finde, obwohl das Land Rheinland-Pfalz beispielsweise die Bedeutung der Gruppe erkannt und sie Ende 2020 mit dem Brückenpreis ausgezeichnet habe.

Beule sagte, dass es sich um keinen Verein handele, sondern die Arbeit unter dem Dach der evangelischen Kirchengemeinde laufe. Seit 2017 gibt es ihre hauptamtliche Stelle. Beule berichtete, dass es in der Anfangszeit zu Zeiten der großen Flüchtlingswelle vor allem um die Flüchtlingsunterstützung gegangen sei. Diesen seien unter anderem Deutschkurse und Ausstattung organisiert worden. Mittlerweile seien viele dieser Flüchtlinge selbst im Willkommenskreis als Helfer aktiv.

Kaum noch Flüchtlinge

Dieses besondere Engagement von Flüchtlingen sei ein großes Plus der Initiative. Aus Arabisch und Persisch sprechenden Flüchtlingen habe sich ein eigenständig agierender Flüchtlingsbeirat gebildet, der Neuankömmlingen in Diez bei Fragen mit Rat und Tat zur Seite stehe. Christiane Beule erklärte, dass derzeit nicht mehr groß neue Flüchtlinge kämen. Im ersten Quartal 2021 seien lediglich vier männliche und zwei weibliche Flüchtlinge nach Diez gekommen. Es gehe aktuell mehr um Familiennachzug, der vom Willkommenskreis auch betreut werde.

Beule sagte, dass die Gruppe sich weiterentwickelt habe und bereit sei für den Fall, dass noch einmal eine größere Flüchtlingswelle nach Deutschland kommen sollte. Wenn man, so Beule, auf die aktuelle Lage in den Flüchtlingscamps schaue, sei dieses Szenario auf keinen Fall auszuschließen.

Der Willkommenskreis biete auch eine Nachbarschaftshilfe. Es würden viele Fahrten gemacht, um Lebensmittel zu verteilen. Unter anderem seien Pakete für Bedürftige, Kranke, Senioren und Obdachlose gepackt worden. Beule sagte, dass sie Senioren, die niemanden sonst hätten, gerne Lebensmittel vorbeibringe. Sie bittet aber, dass sich hierfür wirklich nur Menschen melden, die wirklich keinen Nachbar oder Verwandten hätten, der das für sie erledigen könne. Bürger, die Hilfe bräuchten, bekämen sie, so Beule, unbürokratisch, beispielsweise wenn jemand ein funktionsfähiges Bett brauche.

Der Willkommenskreis erhält von Bürgern außerdem zahlreiche Kleiderspenden. Diese werden von den Ehrenamtlichen sortiert und dann in der Kleiderstube gegen eine kleine Spende wieder abgegeben. In der Kleiderstube könne sich jeder Kleidung kaufen, sagte Beule. Der Nachweis einer Bedürftigkeit sei nicht nötig. Alles, was in der Kleiderstube nicht verkauft wird, wandert in einen großen Container und geht in Krisengebiete. Beule würde gerne in der Innenstadt zentral gelegen einen Second-Hand-Laden eröffnen, bräuchte aber für die Mietkosten noch einen Sponsor, da die evangelische Kirche kein Geschäft betreiben dürfe.

Masken und Bumerang-Taschen

Zur wöchentlichen Lebensmittelverteilung des Willkommenskreises könne prinzipiell jeder kommen, erklärte die Koordinatorin. Teilweise kämen 40 Menschen samstags von 11 bis 12 Uhr vor das Willkommenskreisgebäude. Durch die Kooperation mit der Aktion Foodsharing können die Lebensmittel kostenlos ausgegeben werden.

Beules Einschätzung nach nimmt Bedürftigkeit in Corona-Zeiten eher zu. In der Nähstube des Willkommenskreises seien viele Masken und sogenannte Bumerang-Taschen genäht worden. Diese liegen in Diezer Geschäften aus und sollen anstelle von Plastiktüten verwendet werden. Der Willkommenskreis sei, wie Beule betonte, eine Anlaufstelle für viele in Diez, die sich engagieren wollten. "Vielen tut es einfach gut, in der Gemeinschaft etwas Gutes zu tun", erklärte die Koordinatorin.

Jedes Jahr ist der Willkommenskreis auch eine der Akteure der Interkulturellen Woche in Diez, die dieses Jahr aber voraussichtlich nur online wird stattfinden können. Bürgermeisterin Annette Wick (SPD) sagte: "In Zeiten der Pandemie bin ich sehr dankbar, dass es den Willkommenskreis gibt. Immer wenn Hilferufe ans Rathaus kommen, gebe ich die gerne weiter." Jede Stadt könne sich, wie Wick betonte, glücklich schätzen, solch engagierte Menschen in ihren Reihen zu haben.

Infos und Kontakt

Christiane Beule, E-Mail c.beule@willkommenskreis-diez.de, 01 71/9 64 97 40, www.willkommenskreis-diez.de.

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