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Gewalt gegen Polizisten ist Alltag

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Von: Rolf-Peter Kahl

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Sprach deutliche Worte bei der Kreis-CDU: Karl Hofstätter (stehend), eingerahmt von Frank Dobra (links) und Matthias Lammert.
Sprach deutliche Worte bei der Kreis-CDU: Karl Hofstätter (stehend), eingerahmt von Frank Dobra (links) und Matthias Lammert. © Rolf Kahl

Zum Thema „Polizeiarbeit in der Region – Innere Sicherheit gewährleisten“ referierte der Leiter der Polizeiinspektion Diez, Erster Kriminalhauptkommissar Karl Hofstätter, in einer CDU-Veranstaltung in Diez. Dabei gab Hofstätter erstaunliche Erkenntnisse preis.

Die Zahl der Wohnungseinbrüche steigt stark an, doch die Aufklärungsquote liegt gerade einmal bei 13 Prozent. „Hier herrscht dringender Handlungsbedarf in allen Zuständigkeitsbereichen“, waren sich Karl Hofstätter und der CDU-Kreisvorsitzende Matthias Lammert einig. „Die steigende Einbruchskriminalität stellt ohne Frage ein gravierendes Problem dar und verunsichert viele Bürger.“. Hofstätter, seit 44 Jahren im Polizeidienst, machte diese negative Entwicklung unter anderem an drei Dingen fest: zu wenig Personal, angestiegene Aufgabenfelder für die Polizei und der Tatsache, dass seit der Bankenkrise immer mehr Menschen höhere Bargeldbeträge zu Hause aufbewahren. Hofstätter: „Heute lohnt sich ein Einbruch für die Straftäter.“ Für den Zuständigkeitsbereich der Diezer Dienststelle (die Verbandsgemeinden Diez, Hahnstätten und Katzenelnbogen) weise die Statistik für das vergangene Jahr „erfreulicherweise“ eine bessere Aufklärungsquote aus. Bei 40 Wohnungseinbrüchen liegt die Aufklärung bei 21,7 Prozent und bei 20 Tageswohnungseinbrüchen (von 6 bis 18 Uhr) bei 25 Prozent. Bei meist lokalen Tätern gehen auf das Konto einer jugendlichen Bande allein zwölf Straftaten.

Immer wieder die Raser

Im Bereich der Verkehrsunfälle konnte Hofstätter für 2014 einen Rückgang auf insgesamt 1013 Unfälle (Durchschnitt zuvor 1200) vermelden. Dabei ist ein Verkehrstoter zu beklagen. Hauptursache der Unfälle sei nach wie vor die Raserei. „Deswegen werden wir die oftmals geforderte Reduzierung von Radarkontrollen auch nicht durchführen“, so Hofstätter. In der Kriminalstatistik sei im Bereich der Rohheitsdelikte (Konzentration bei Kirmesveranstaltungen) ebenfalls ein deutlicher Rückgang zu registrieren. Demgegenüber häufen sich Diebstähle bei Benzin und Diesel. „Genauso steigt das Problem der sogenannten Planenschlitzer rasant an“, sprach Hofstätter von gut organisierten Banden, die auf Autobahnraststätten ganze Lkw-Ladungen plündern. Nachts patrouilliert die Polizei oder legt sich vor Ort auf die Lauer. Hier wünschte sich der Polizeichef jedoch mehr Härte bei der Justiz. „Wir haben nach einer erfolgreichen Festnahme die Einstellung eines Verfahrens wegen Geringfügigkeit erfahren dürfen.“ Die Beamten hatten beim Abtransport eines TV-Gerätes zugegriffen.

Sichtlich beeindruckt reagierten die Veranstaltungsbesucher, als Hofstätter feststellte: „Freund und Helfer, das war gestern.“ Heute sei der Polizist oft Ziel von verbalen, manchmal körperlichen Attacken. Erschreckend findet er „dass verbale Gewalt uns gegenüber fast zur Normalität geworden ist“, während die Beamten selbst „nie etwas persönlich nehmen dürfen“. Den Respekt vor der Uniform, der beim Beginn seiner Laufbahn in den 70er-Jahren noch bestanden habe, gebe es schon lange nicht mehr. Rückendeckung erfahre die Polizei wenig, weder bei der Justiz noch bei der Politik. Polizist zu sein, sei manchmal fast unerträglich, insbesondere dann, wenn es bei Verhandlungen viel mehr um das Verhalten der Polizei als um die eigentliche Tat ginge. Selbst wenn Beamten ins Gesicht gespuckt werde, verlange man von ihnen ein „hohes Maß an Toleranz und professionelles Verhalten“. Immer öfter müsse sich die Polizei teilweise Ungeheuerliches gefallen lassen und dies bei der Bewältigung immer neuer Aufgaben – bei gleichbleibendem Personal. Die Runde schüttelte ungläubig den Kopf, als Hofstätter die „nicht in die Statistik einfließenden Tätigkeitsfelder“ wie Einsätze bei ruhestörendem Lärm, bei Vermisstensuche, bei der Rettung von Tieren in Not, bei der Aufklärung von ungeklärten Todesfällen oder bei Präventionsarbeit in Schulen erwähnte. Josef Oster, stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender im Kreistag, sprach beim Schlusswort davon, dass die Politik nicht nur für die Ausstattung der Polizei zu sorgen habe, sondern sich auch und gerade um Verbesserung der politischen Wertschätzung der Polizei kümmern müsse.

(rpk)

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