Kalkwerk scheidet als Nutzer aus

Handicaps für die Aartalbahn

Die überarbeitete Nutzen-Kosten-Untersuchung für den rheinland-pfälzischen Teil der Aartalbahn sollte längst vorliegen. Aber dem ist nicht so. Dennoch sind Zahlen „durchgesickert“ und sorgen nun für Diskussionsstoff.

Die Bahn würde nur wenige Meter von seinem Haus entlang fahren. „Aber das macht nichts. Als wir 1979 in das Haus zogen, da fuhr die Bahn noch, und es hat uns nichts ausgemacht“, sagt Bernd Felten aus Holzheim. Die Reaktivierung der Aartalbahn („Neue Chancen für die Aartalbahn“, NNP vom 25. Januar) zwischen Diez und Hahnstätten beziehungsweise Zollhaus sei ein Unding. Viel zu teuer und vor allem stellt sich für Felten die Frage, wer damit fährt.

2015 war mal angepeilt für einen Schienenverkehr, doch Züge verkehren nach wie vor nicht. Wer einmal mit ihnen fahren soll, ist zumindest von der Planung her klar. Die Schülerinnen und Schüler, die aus dem Aartal kommend weiterführende Schulen in Diez besuchen. Doch wer sonst noch? „Es wird keine weiteren Fahrgäste geben“, sagt Bernd Felten. Und deshalb habe es auch nie eine Bedarfsermittlung gegeben.

Wer in den Dörfern links und rechts des Aartals wohne, der komme ohne Auto nicht aus. Und wenn es kein eigenes Fahrzeuge gebe, dann sei der Bus die deutlich bessere Alternative. Der Bus fahre die Orte an, biete ein viel engeres Netz an Haltestellen und ermögliche auch in Diez ein Aussteigen nahe der Reiseziele. Wer jedoch mit der Aartalbahn fahren werde, der habe nur die Möglichkeit, am Bahnhof auszusteigen – ein ganzes Stück weg von der Innenstadt.

„In der Diskussion wird immer so getan, als würde die Aartalbahn nach Limburg fahren. Das macht sie aber nicht. Wer nach Limburg will, muss in Diez umsteigen.“ Und der Umstieg werde nicht einfach, denn von Barrierefreiheit sei der Diezer Bahnhof noch weit entfernt.

Die von Bernd Felten und seinem Freund Alexander Ettlich initiierte und betriebene Interessengruppe gegen die Reaktivierung der Bahn hat rund 50 Teilnehmer. Felten und Ettlich haben durch ihre Initiative beim Landesrechungshof erreicht, dass die Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) aus dem Jahr 2012 einkassiert worden ist.

Etwas über sechs Millionen Euro standen dort als Investitionskosten für die Reaktivierung der Aartalbahn drin. „Viel zu wenig“, so Felten. Und die Zweifler scheinen recht zu haben. Von 19 Millionen Euro ist jetzt die Rede, wie Staatssekretär Randolf Stich beim Neujahrsempfang der Aar-SPD bekannt gab. Die Zahl stammt aus der neu erarbeiteten NKU, die offiziell noch nicht vorliegt.

Die NKU war vom Ministerium des Innern, für Sport und Infrastruktur in Auftrag gegeben worden. Von dort gibt es von Joachim Winkler die Bestätigung, dass die Kostenermittlung für die Reaktivierung der Trasse die Summe von 19 Millionen Euro ergeben habe. Die komplette NKU werde in den nächsten Wochen erwartet.

Felten ist gespannt auf die neue Untersuchung und wird sich ihr mit Hingabe widmen. Er ist gespannt darauf, mit welchem Nutzen-Kosten-Quotienten die Untersuchung aufwartet. Mit Investitionskosten in Höhe von sechs Millionen Euro kam die Untersuchung von 2012 auf einen Quotienten von 1,31 und damit auf ein volkswirtschaftlich sinnvolles Verhältnis. Volkswirtschaftlich sinnvoll wird es bei Werten von 1,0 und größer.

Anhänger der Reaktivierung bringen stets auch die Nutzung der Aartalbahn zum Gütertransport ins Spiel. Die aktuelle NKU bezieht nur den Personenverkehr ein, macht Jan-Olaf Heiland vom SPNV Nord mit Sitz in Koblenz deutlich. Theoretisch sei die Strecke auch mit Gütern zu befahren, doch das erfordere zumindest noch Änderungen der Signaltechnik.

Entlang der Strecke gibt es nur einen Kandidaten für Gütertransport:

Schaefer-Kalk

. Doch kurz- oder mittelfristig ist nicht an einen Gütertransport auf der Schiene gedacht, sagt Dr. Kai Schaefer. Das Unternehmen werde sich für einen Erhalt der Trasse aussprechen, um den Schienenweg zu erhalten. Aber von Hahnstätten aus sei eine Nutzung des Schienenweges aktuell kein Thema. Zum Einen gebe es keine Möglichkeit, Waggons zu beladen, zum Anderen haben die Kunden nicht die Infrastruktur, um auf dem Schienenweg beliefert zu werden. Im Werk Steeden gibt es einen Schienenanschluss. Für den Steedener Kalk gibt es mit der BASF auch einen Großkunden, der per Bahn beliefert werden will. Für den „Werkverkehr“ zwischen Steeden und Hahnstätten scheidet nach Angaben von Schaefer die Schiene aus.

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