23 Jahre gemeinsam an der Palette

Renate Felden und Waltraud Hirschberger, die eine Lehrmeisterin, die andere Schülerin, stellten nach 23 Jahren der Zusammenarbeit Gemälde in Acryl und Öl, Radierungen und Aquarelle im Haus Eberhard aus.

Von Volker Hermanns

In Gegensatzfarben gehaltene, miteinander ringende Farbgluten, urknallartige Tiefen im Bildzentrum, umgeben von versöhnlich tröstlichen Ozeanen besänftigter Lichtflächen, linke und rechte Seite in ähnlicher Formgebung, aber basierend auf unterschiedlichen Farbgestaltungen – so bannt das Diptychon „Himmel“ das Auge des Betrachters in der Kunstausstellung wie Morgen- und Abendrot eines Tages. Renate Felden erweist sich mit diesem mutigen die Gegenständlichkeit überwindenden Werk als Meisterin ihres Faches.

Auch die übrigen Gemälde und die Art, wie sie zueinander angeordnet sind, deuten auf eindrückliche Dualitäten hin, deren Widerspruchsauflösung aber bereits grundgelegt ist. Neben diesen ab-strakten Glanzlichtern und Höhepunkten der Entwicklung einer Künstlerpersönlichkeit komplettieren Werke mit eher gegenständlichen Sujets, gehalten in einer teils spätromantisch-impressionistischen teils expressiven Bildsprache die Werkschau. Nicht mehr als Fingerübungen – wie die Künstlerin augenzwinkernd verrät – mit der Zielsetzung, auch die Seherwartungen zu bedienen, bei denen Abstraktes auf Unverständnis stößt.

Eine ganz ähnliche Entwicklungslinie zeigt die Werkesammlung von Waltraud Hirschberger: Auch bei ihr verraten Auswahl und zunehmend abstraktere Behandlung der Sujets ihren Gestaltungswillen, der Realität ihrer umgebenden Welt die Vision ihrer inneren Stimmungsfarben an die Seite zu stellen. Auch bei dieser Grande Dame der Diezer Kunstszene mündet die Entwicklungslinie in einem abstrakten Gemälde, das expressivste Farben aus dem Malkasten August Mackes wie den Magmastrom eines Vulkans durch und über eine aufgewühlte See beunruhigender Grundierungen gleiten lässt und dabei den Betrachter ganz in seinen Bann zieht.

Auch Waltraud Hirschberger hat eine große Anzahl von Aquarellen und Gemälden in der Sammlung vereint, die sich in der Wiedergabe von Blumen- und Landschaftsmotiven eher der traditionellen Bildsprache bedienen und den Besuchern im Haus Eberhard vermitteln, dass eine technisch kompetente Gestalterin nicht nur den Erwartungen des Ausstellungspublikums entsprechen möchte, sondern ihre ganz spezifische Vision zum Ausdruck bringt.

Gerade bei Waltraud Hirschberger zeigt sich, wie sich durch intensive Beschäftigung und Arbeit Kreativität entfalten kann, die Darstellung immer komplexer, aber auch runder wird. Erst nach dem Tod ihres Mannes fand sie 1993 die Zeit, sich intensiv der Malerei zu widmen. Seitdem war Renate Felden ihre Mentorin und Begleiterin.

Renate Felden begann 1977 mit Kursen in der europäischen Kunstakademie und widmete sich, unter anderem als Dozentin für Malerei in der Volkshochschule, nach Abschluss ihres Studiums mit großem Geschick der kunstpädagogischen Arbeit.

Ein Künstlerinnen-Diptychon: Im Haus Eberhard präsentierten sich zwei Charaktere, die aus ganz unterschiedlichen Ausgangspositionen in den Zenit ihrer künstlerischen Gestaltungskraft vorgedrungen sind.

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