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Lösung für Rathaus-Sanierung in Sicht

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Von: Rolf Goeckel

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Schön, aber sanierungsbedürftig: das Diezer Rathaus in der Wilhelmstraße.
Schön, aber sanierungsbedürftig: das Diezer Rathaus in der Wilhelmstraße. © Mariam Nasiripour

Verbandsgemeinde hat Interesse an Räumen in der Wilhelmstraße

Diez -In der Diskussion um die Zukunft des Diezer Rathauses zeichnet sich eine Kehrtwende ab: Hatte der Stadtrat vor gut einem Jahr noch beschlossen, das Gebäude in der Wilhelmstraße aufzugeben und in einen Anbau an die Stadtwerke zu ziehen, so ist diese Möglichkeit nun vom Tisch. Stattdessen zeichnet sich ab, dass Stadt und Verbandsgemeinde das bisherige Rathaus gemeinsam sanieren könnten.

In einer Sondersitzung befasste sich der Stadtrat am Mittwoch in der Freiendiezer Turnhalle mit der Zukunft des Diezer Rathauses, die in den vergangenen Monaten nicht nur viele Bürger in unzähligen Stellungnahmen und Leserbriefen beschäftigt, sondern auch den früheren Bürgermeister Gerhard Maxeiner auf den Plan gerufen hatte. Tenor war, dass das repräsentative Rathaus in der Wilhelmstraße unbedingt weitergenutzt werden sollte - vor allem wegen seiner verkehrsgünstigen Lage mitten in der Stadt. Darauf könnte es nun tatsächlich hinauslaufen. Denn wie Stadtbürgermeisterin Annette Wick (SPD) zu Beginn der Sitzung erklärte, hat der Aufsichtsrat der Stadtwerke seinen Beschluss, einen als Rathaus genutzten Anbau zu errichten, aufgehoben. Auslöser sei vor allem die veränderte Situation auf dem Energiemarkt. „Jetzt fangen wir neu an“, sagte Wick.

Kosten von drei bis fünf Millionen

Das bisherige Rathaus sei wegen Brandschutzauflagen und der nicht vorhandenen Barrierefreiheit nur noch beschränkt nutzbar, so die Bürgermeisterin. Nach Gesprächen mit Verbandsgemeinde-Bürgermeister Michael Schnatz (SPD) habe dieser seine Bereitschaft signalisiert, die Rathaussanierung gemeinsam mit der Stadt zu stemmen. Ohne Fördermittel hätte ein solches Projekt allerdings keine Chance, sagte Wick.

Der VG-Fachbereichsleiter Torsten Loosen verlas am Mittwochabend eine Absichtserklärung des Verbandsbürgermeisters, wonach die Verwaltung Interesse hat, ihren zusätzlichen Platzbedarf in Räumlichkeiten des Rathauses zu decken. In ersten Gesprächen mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) sei darüber bereits gesprochen worden, und auch die Frage von Zuschüssen sei erörtert worden. Loosen erläuterte, dass zunächst der Raumbedarf der Verbandsgemeindeverwaltung ermittelt werden müsse, der wiederum abhängig von der Zahl der Mitarbeiter ist. Zusätzliche Aufgaben habe die Verwaltung in den Bereichen Klimaschutz und Energiemanagement übernommen. Aber auch die Stadt, so heißt es in Schnatz’ Schreiben weiter, soll ihren Raumbedarf definieren. Und: Stadt- und Verbandsgemeinderat müssten diesem Projekt zustimmen, das aus Schnatz’ Sicht für beide Seiten Vorteile hätte und Synergieeffekte erzeugen könnte.

Einen Grundsatzbeschluss soll der Stadtrat auf Vorschlag von Bürgermeisterin Wick bereits am 29. September fassen. Schon jetzt sei aber klar, dass der Sanierungsbedarf enorm ist. Nach jüngsten Berechnungen wurde er auf 3,3 Millionen Euro beziffert. Loosen sprach sogar von drei bis fünf Millionen Euro. „Aber dann hätten wir endlich etwas Schönes für die Bürger“, sagte er.

Der FWG-Fraktionsvorsitzende Stefan Holl meinte: „Auf dieser Schiene sollten wir fahren.“ Allerdings dürften die „Schrottimmobilie“ hinter dem Rathaus und die Hangsicherung nicht vergessen werden. Holl prophezeite mit Blick auf die Kosten: „Wir werden erschrocken sein, wenn wir die Zahlen hören.“ Der Erste Stadtbeigeordnete Marco Rosso (CDU) hoffte, dass das Thema Rathaus bis zur 700-Jahr-Feier der Stadt 2029 abgeräumt ist. Mehrere Ratsmitglieder unterstrichen jedoch, dass eine Sanierung ohne Hilfe der VG nicht möglich ist. Deshalb müsse Bürgermeister Schnatz - oder eine eventuelle Nachfolgerin - klar zu dem Projekt stehen. Wick versicherte: „Die Verbandsgemeinde will diesen Weg mitgehen.“ Thomas Klein (FWG) forderte seine Kolleginnen und Kollegen auf, für die gemeinsame Rathaussanierung zu stimmen, die eine „Idealvorstellung“ sei.

Bedenken wegen der hohen Sanierungskosten für das Rathaus äußerte allerdings der SPD-Fraktionsvorsitzende Karl Schönborn. Vielleicht wäre es deshalb besser, einen privaten Investor zu suchen, der das Gebäude auf eigene Kosten saniert und dann an die Stadt vermietet. „Wir sollten für alle Wege offen bleiben“, sagte Schönborn. Herbert Pechmann (FDP) erklärte: „Der gemeinsame Weg kann scheitern. Aber momentan ist das kein Zustand für Diez.“ Rolf Goeckel

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