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Maxeiner: Rathaus-Sanierung gemeinsam stemmen

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Von: Rolf Goeckel

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Das Diezer Rathaus ist in die Jahre gekommen und gilt als Sanierungsfall.
Das Diezer Rathaus ist in die Jahre gekommen und gilt als Sanierungsfall. © Goeckel, Rolf

Ex-Stadtbürgermeister stellt Lösungsmöglichkeiten vor -

Diez -Nein, als Stadtbürgermeister will er 2024 nicht noch einmal kandidieren. Aber ja, Gedanken um die Zukunft des Diezer Rathauses mache er sich trotzdem. Gerhard Maxeiner (79) ist seit acht Jahren Ruheständler. Doch die Diskussion um den Ort, in dem er 25 Jahre lang "residiert" hat, macht ihn ganz offensichtlich unruhig. Und so setzte sich der Polit-Rentner hin, um sich Gedanken zu machen, wie die Zukunft des nur noch eingeschränkt nutzbaren Rathauses aussehen könnte. Ergebnis: Nur wenn Stadt und Verbandsgemeinde Diez an einem Strang ziehen, lässt sich eine Sanierung des Diezer Rathauses in der Stadtmitte bewerkstelligen. Und noch eines machte Gerhard Maxeiner in einer gemeinsamen Fraktionssitzung von CDU und FWG am Samstagvormittag in der Sporthalle des SV Diez-Freiendiez deutlich: Von einem Anbau an das Gebäude der Stadtwerke hält er nichts.

Seit Monaten wird in Diez über die Zukunft des Rathauses diskutiert und spekuliert. Auslöser ist ein fast einstimmiger Stadtratsbeschluss vom vergangenen Sommer, in dem der Umzug von Stadtverwaltung und Tourist-Info in einen noch zu errichtenden Anbau an die Stadtwerke in der Oraniensteiner Straße, also in der Diezer Peripherie, ins Auge gefasst wurde. Hintergrund ist, dass das Rathaus in der Wilhelmstraße dringend sanierungsbedürftig ist und der Sitzungssaal im ersten Stock wegen Brandschutzauflagen nicht mehr nutzbar ist. Zwischenzeitlich hat sich die Situation geändert: Zum einen gab es aus der Diezer Bürgerschaft deutlich Kritik an dem Anbauvorhaben. Wichtiger noch ist aber die Tatsache, dass es für das Projekt wohl keine Fördermöglichkeit gibt und die Stadtwerke infolge des Ukraine-Krieges einen anderen Platzbedarf haben als früher.

Maxeiner schlug vor, dass die Stadt das Rathaus gemeinsam mit der Verbandsgemeinde saniert und einen neuen Sitzungssaal baut. Voraussetzung wäre, dass der Neubau-Beschluss vom Sommer vorigen Jahres aufgehoben wird. Die Stadtbürgermeisterin und ihr Vorzimmer sollten, so der Vorschlag des Altbürgermeisters, ins Erdgeschoss umziehen. Der bisherige Sitzungssaal könnte für Ausschuss- und Fraktionssitzungen genutzt, der dritte und vierte Stock geräumt und in zwei Wohnungen umgewandelt werden.

"Wir haben mit

dem Feuer gespielt"

Um den Brandschutz auf einen modernen Stand zu bringen, wären umfangreiche Sanierungsarbeiten notwendig. So müsste ein Personen- und Lastenaufzug in Verbindung mit einem zweiten Treppenhaus außen an das Gebäude angebracht werden. Er denke rückblickend mit Schrecken an die vorweihnachtlichen Ausstellungen mit bis zu 140 Besuchern im Sitzungssaal zurück, sagte Maxeiner selbstkritisch. "Das war fahrlässig und leichtfertig; da haben wir mit dem Feuer gespielt."

Doch wo sollen künftig die Stadtratssitzungen stattfinden? Maxeiners Antwort lautete: Das marode Hintergebäude des Rathauses sollte abgerissen und von der Verbandsgemeinde Diez durch einen Neubau ersetzt werden. Dort könnte im Erdgeschoss ein barrierefrei vom VG-Parkplatz aus zugänglicher Sitzungssaal entstehen, ebenso Archiv- und Wirtschaftsräume und gegebenenfalls Heizung und Sanitär. Die Stadt, so Maxeiners Vorschlag weiter, würde der VG Diez das Teilgrundstück in Erbpacht kostenfrei zur Verfügung stellen und im Gegenzug den Sitzungssaal kostenfrei nutzen können.

Verbandsbürgermeister Michael Schnatz (SPD) habe in einem Gespräch mit ihm bereits signalisiert, dass die Verbandsgemeinde ein "erhebliches Interesse" an zusätzlichen Büroräumen hat und daher gerne den ersten Stock des städtischen Rathauses erwerben würde. "Der Idealfall wäre, dass sich die Verbandsgemeinde einbringt", sagte Maxeiner. "Denn ohne die Verbandsgemeinde wird es nicht gehen." Über Lösungsmöglichkeiten wollen die Spitzen von Stadt und Verbandsgemeinde gemeinsam mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in einem Gespräch diesen Mittwoch beraten. Ob dabei auch über einen eventuellen Abriss des Hintergebäudes beraten wird, ließ Maxeiner offen.

"Fit für die

nächsten 50 Jahre"

Er schlug vor, den neu zu errichtenden Sitzungssaal mit einem Flachdach zu versehen und darauf Solarthermie und Photovoltaik zu errichten. Eine Wärmepumpe für das neue Gebäude sei obligatorisch. Damit wäre das Gebäude energetisch autark und könnte seine benötigte Wärme und Strom selbst produzieren. Das Problem wären jedoch die hohen Kosten für diese Lösung, räumte der Ex-Bürgermeister ein. Allerdings wären Stadt und Verbandsgemeinde "fit für die nächsten 50 Jahre". Dies auch vor dem Hintergrund, dass "Verwaltungen die Unart haben zu wachsen".

Nach Maxeiners Einschätzung wäre ein solches Projekt als Teil der Innenstadtsanierung förderfähig. Auch rechne er damit, dass die Stadt Diez in den nächsten Jahren wieder Eigenmittel für Investitionen aufbringen kann. "Alleine wird die Stadt aber nicht in der Lage sein, ein solches Projekt zu stemmen." Ohne Beteiligung der Verbandsgemeinde würde sich die Stadt nur die Sanierung des Erdgeschosses des Rathauses leisten können.

Maxeiner riet dazu, seine Vorschläge nach Vorarbeiten auf der Ebene der Bürgermeister und Beigeordneten sowohl im Stadtrat als auch im Verbandsgemeinderat vorzustellen. Die Verbandsgemeindeverwaltung sei gefordert, Fördermöglichkeiten zu ermitteln. Dringend riet Maxeiner davon ab, das Thema Rathaus hinter verschlossenen Türen zu behandeln. "Das ist transparent nach außen zu machen, auch wenn es Gegenwind gibt, aber der gehört zur Demokratie dazu", sagte er. Und: "Das Interesse der Bürger an ihrem Rathaus ist riesig und vergleichbar mit der innerstädtischen Verkehrslösung."

Sowohl der FWG-Fraktionsvorsitzende Stefan Holl als auch sein CDU-Kollege Axel Fickeis begrüßten Maxeiners Überlegungen. Holl fand besonders den Gedanken eines Abrisses des ohnehin baufälligen Hinterhofgebäudes interessant. FWG-Mitglied Andreas Pabst sagte, dass viele Diezer befürchteten, dass das Rathaus im Falle eines Verkaufes zu einem zweiten Diezer Bahnhof werden könnte, der seit Jahren verfällt. Er habe sich schon vor Monaten mit Bürgermeister Schnatz unterhalten, und dieser habe die Nutzung des städtischen Rathauses als einzige Möglichkeit gesehen, die Verwaltung zu vergrößern.

Rolf Goeckel

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