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Oranienstein wird zum Musik-Palast

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Die Blechbläser vom Musikgymnasium Montabaur haben die Schloss-Gäste mit ihrem sauberen, abwechslungsreichen Spiel aufhorchen lassen. Nach fast dreistündigem Programm hat diese Gruppe die Instrumentenkoffer gepackt.
Die Blechbläser vom Musikgymnasium Montabaur haben die Schloss-Gäste mit ihrem sauberen, abwechslungsreichen Spiel aufhorchen lassen. Nach fast dreistündigem Programm hat diese Gruppe die Instrumentenkoffer gepackt. © spies

Wandelkonzert zur Feier des 350. Schloss-Geburtstages

Diez -Ein vielfältiges, vor Spielfreude nur so sprühendes Musikangebot auskosten, durch Schloss und Park schlendern, dabei einen Kaffee genießen: Die Oraniensteiner Konzerte hatten zusammen mit dem Förderverein "Freunde der Oraniensteiner Konzerte" zur Feier des 350. Schloss-Geburtstages zu einem Wandelkonzert mit Preisträgerinnen und Preisträgern des Wettbewerbs "Jugend musiziert"eingeladen.

Die Musizierenden reisten zum weitaus größten Teil vom Landesmusikgymnasium Montabaur an. Die ersten Wandelkonzerte 2014 und 2016, die gleichfalls zusammen mit Montabaur ausgerichtet worden waren, hatten längst schon nach einer Wiederholung gerufen. Jetzt wurde dieser kleinen Erfolgsgeschichte ein weiteres Kapitel hinzugefügt, denn das Format aus "jung und klassisch" kam erneut gut an.

Weitab von der steiferen Etikette, die zwangsläufig mit der Bindung an nur einen Konzertraum einhergeht, konnten die Gäste beim Wandelkonzert aus dem reichhaltigen Programm-Angebot (mit Kompositionen aus fünf Jahrhunderten) auswählen oder alles "mitnehmen", hereinschneien in die einzelnen Räume oder sie noch vor Konzert-Ende auf leisen Sohlen wieder verlassen, auf den Stufen des Großen Treppenhauses hockend Klängen etwa von Bach, Claude Gervaise, Chris Hazell oder Telemann lauschen: also einfach zwanglos Musik genießen - so vielfältig, so bunt war die Literatur, so versiert und erfrischend unverbraucht der Vortrag aller jungen Solisten und Ensembles, dass man aus dem bewundernden Staunen nicht mehr herauskam.

Wenn ein junger Mann von 13 Jahren am Klavier Rachmaninow schon so virtuos wie ein Profi interpretiert (Michael Späth) und gleich im Anschluss mit einer Klarinettistin (Eunice Keminsi) ganz andere Töne anschlägt, ist das kaum zu fassen. "Es ist unglaublich, was die jungen Leute schon können", war ein Ausspruch, der immer wieder nach der festlichen, mit Fanfarenklängen von der Schlossterrasse erfolgten Konzerteröffnung zu hören und meist auch mit einer Empfehlung verbunden war: "Lass dir bloß den Blau-Goldenen Saal mit den Pianisten und den verschiedensten Ensembles nicht entgehen." "Das Gesangs-Duo und das Klavier-Trio im Amalien-Saal gehen unter die Haut", riefen sich die Gäste im Vorbeigehen zu. "Und verpass nicht die Blechbläser, das Streichquartett und das goldige Harfen-Duo im Großen Treppenhaus."

Ersatzkräfte für

Corona-Fälle

Ab und zu entstand bei Kaffee und Kuchen allerdings ein Plausch, der etwas länger dauerte und so die "Abarbeitung" aller Programmpunkte enger werden ließ - obwohl die Musikerinnen und Musiker knapp drei Stunden lang unverdrossen in dem ihnen jeweils zugewiesenen Schlosssaal ihr Programm wiederholten. Allein das in der Schlosskapelle zauberhaft residierende Gitarren-Duo aus dem Koblenzer Raum, die Geschwister Sophie und Marc Lüfing, musste ein wenig vor der Zeit die Instrumente aus der Hand legen, weil für die Künstler des Abendkonzerts noch eine Probe anstand. Dass hier indes leider nicht alle Namen der zahlreichen beteiligten Künstlerinnen und Künstler sowie die der von ihnen dargebotenen Stücke genannt werden können, ist vordergründig eine Frage des Platzes. Hinzu kommt, dass das Programmblatt nicht mehr aktualisiert werden konnte, weil es Corona-Krankmeldungen gegeben hatte und dafür andere junge Talente eingesprungen waren.

Für die meisten von ihnen offenbar kein Problem: Luise Kaiser hatte gerade am Klavier als "Ersatzkraft" anstelle eines erkrankten Kameraden das Bach'sche Prélude aus der Englischen Suite 2 am Klavier gespielt, da reihte sie sich schon wieder in den Chor "prima la voce" ein. Der hatte einen besonderen Ausfall zu verkraften - der Lehrer, der beim Stück "From The Bottom Of Your Heart" (Anonymous) als Klavierbegleiter fungiert, war gerade Vater geworden. Kurzerhand übernahm Chorsängerin Ellinor Wilms den Tasten-Part. Lore Spies

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