Sophie Hedwig – die starke Frau von Diez

  • VonVolker Thamm
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Die Kunst-Arbeitsgemeinschaft des Diezer Sophie-Hedwig-Gymnasiums zeichnet im Treppenhaus des Nebeneingangs der Schule das Leben ihrer Namenspatronin nach. Hier entstehen rund 20 Bilder, geschaffen von künstlerisch begabten Jugendlichen unter der Leitung ihrer Lehrerin Nicole Kramer.

Sophie Hedwig? Den Namen kennen viele Menschen der Region nur durch das gleichnamige Gymnasium, das seit 50 Jahren besteht. Dabei hat die Stadt Diez dieser Sophie Hewig von Braunschweig-Wolfenbüttel unendlich viel zu verdanken. Ohne Sophie Hedwig würde Diez wahrscheinlich heute anders aussehen. Nachdem sie nach dem Tod ihres Mannes Ernst-Casimir im Diezer Grafenschloss ihren Witwensitz genommen hatte, gelang es ihr während des Dreißigjährigen Krieges, durch Verhandlungsgeschick bei Gesprächen mit Truppenkommandeuren Plünderungen und Einquartierungen in der Stadt Diez und der Diezer Grafschaft zu verhindern. Dafür können wir ihr heute noch dankbar sein.

Ihre Wertschätzung der Herzogin von Braunschweig-Wolfenbüttel, Gräfin von Nassau-Dietz, haben die Diezer durch den Straßennamen „Sophie-Hedwig-Straße“ in Oranienstein sowie durch ein 1935 vom Diezer Kunstmaler Rudolf Fuchs gefertigtes Fresko in der Altstadt ausgedrückt. Und durch die Namensgebung des staatlichen Gymnasiums. Seit 1996 heißt die Schule „Sophie-Hedwig-Gymnasium“, häufig verkürzt SHG genannt.

Ehre wird Sophie Hedwig jetzt ein weiteres Mal erwiesen durch die künstlerische Gestaltung des Treppenhauses. Hier macht sich die Kunst-AG von Nicole Kramer verdient, die in filigraner Detailarbeit die Lebensstationen der couragierten Gräfin an die Wand bannen.

Unmittelbar neben dem Haupteingang haben sich die Schüler in künstlerisch interessanter Farbgebung selbst verewigt, jüngere Schüler mit kleinen, ältere mit immer größer werdenden Gesichtern. Gleich nebenan zahlreiche Begriffe aus dem Schulleben wie Abi-Gag, Tinte, chill and work, Verantwortung, Schüler-Lehrer-Spiele und viele mehr. Hier konnten sich die Schülerinnen und Schüler eigene Ideen, ihre persönliche Sicht der Schule einbringen. Gegenüber des Lehrerzimmers hat die Kunst-AG, die aus Elft- und Zwölftklässlern besteht, das Logo entworfen, um das mittlerweile viele Hundert Fingerabdrücke von Schülern und Lehrern für bunte Farbtupfer sorgen.

Und jetzt das Treppenhaus mit Sophie Hedwig. Deren Bild, nachempfunden einem alten Kupferstich, ist gleich im Erdgeschoss zu finden. Dann geht es die Treppe empor und auf dem Lebensweg der einstigen Gräfin weiter. „Das Leben kann mit einem Treppenhaus vergleichen werden“, erläutert Nicole Kramer, die übrigens auch selbst künstlerisch tätig ist, aber dafür leider zu wenig (Frei-)Zeit hat.

Eine Karte der Religionen um das Jahr 1600 soll Einblick geben in die Spannung zwischen Katholiken und Reformierten jener Zeit, die im Dreißigjährigen Krieg explodierten. Sophie Hedwigs Eltern werden dargestellt, der Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel und die Tochter des dänischen Königs. Dann schließlich ihr 15 Jahre älterer Mann Ernst-Casimir, Graf von Nassau-Diez. Der wurde für seine Leistungen mit Sophie Hedwig belohnt. „Und die hat unter ihrem Stand geheiratet“, erklärt Nicole Kramer. Immerhin waren die beiden 25 Jahre verheiratet, dann starb Ernst-Casimir, und Sophie Hedwig zog nach Diez.

Ein Bild zeigt die Gräfin mit drei ihrer Kinder, ein typisches Barockbild, auf dem Zitrusfrüchte abgebildet sind, was ausdrücken sollte, dass sie durchaus wohlhabend war. An diesem Bild haben die kunstbeflissenen Jugendlichen diese Woche noch eifrig gearbeitet. Dabei ist ihnen der Overhead-Projektor eine wertvolle Hilfe, trotzdem erfordert die Liebe zum Detail umfangreiche und langwierige Pinselarbeit. Weitere Stationen auf Sophie Hedwigs Lebensweg sollen noch entstehen. Die Informationen über dieses Leben holt Nicole Kramer aus einem Buch aus dem Jahre 1912. Ein alter Stich bietet die Grundlage für ein Bild, das darstellt, wie das Volk im 30-jährigen Krieg gelitten hat. All die Bilder sollen zum Ausdruck bringen und daran erinnern, dass Sophie Hedwig Diez vor Unheil bewahrt hat. Sie galt als Frau mit diplomatischem Geschick und männlichem Wesen. Die geplanten Beschriftungen sollen die jungen Leute ebenfalls selbst anbringen.

Doch damit nicht genug. Nicole Kramer hat noch weitere Ideen. Nach Abschluss des Projekts „Sophie Hedwig“ will sie im Bereich der naturwissenschaftlichen Räume über asiatische Kunst die Elemente an die Wand bringen.

Und dann geht es in die Bibliothek. Nicole Kramer ist eine bemerkenswerte Frau. Wie Sophie Hedwig.

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