Der Tag, an dem John Lennon starb

  • schließen

Protokoll eines Todes: Waldorf-Schüler der achten Klasse bringen den „Tag, an dem John Lennon starb“ als nostalgische Revue auf die Bühne.

Er wird später einmal sagen, wie „unter Zwang gehandelt“ zu haben. Dass er auch mal „jemand sein wollte“, ihn der „Teufel geritten habe“. Marc David Chapman, nach Auffassung der Gutachter geistig verwirrt, streckte am 8. Dezember 1980 eine Weltfigur nieder – John Lennon, einer von vier Pilzköpfen aus dem legendären Quartett. Ein Beatle, der die Welt verbessern wollte, der eine ganze Generation an Frieden glauben ließ. Vier von fünf Schüssen trafen den Musiker abends um 22.50 Uhr Ortszeit vor dem New Yorker Dakota-Building in den Rücken, nicht weit von jener Stelle entfernt, an der sich Chapman, der bis heute in Haft sitzt, Stunden zuvor eine Schallplatte von dem Star signieren ließ . . .

Wohl selten dürften die 29 beteiligten Schüler so gefordert gewesen sein. Nach nur 17 Tagen Proben unter der Regie von Michael Türk hatten die Akteure nicht nur als Darsteller auf der Bühne zu funktionieren, sie hatten sich auch für die auf einer Leinwand im Hintergrund eingespielten Videos und Fotos verdingt, waren mit häufigen Umbauarbeiten beschäftigt und durften – ergänzend zu den eingespielten Melodien – ihre gesanglichen Fähigkeiten als Chor- und Solointerpreten unter Beweis stellen. An die Zuschauer gerichtet forderte Klassenlehrer Michael Wagner auf: „Mitsingen erlaubt. Es ist ein interaktives Stück.“

Zu beiden Vorstellungen war die Turnhalle vollbesetzt, um die im Theaterverlag Coco Speyer erschienene und 2010 in der Domstadt uraufgeführte Revue von Norbert Franck zu sehen und zu erleben. Mit dem vorgetragenen Protokoll der chronologischen Ereignisse im 40. Lebensjahr des Ex-Beatle eröffneten die 14 und 15 Jahre alten Schüler und Schülerinnen eine Liebesgeschichte, die fünf Jahre nach dem Tod Lennons beginnt. Michelle Robert, die 17-jährige Tochter eines Modearztes, lernt Rod Kite, einen Artisten kennen und lieben. Doch der Zirkus zieht weiter, und so beschließt Michelle, ihrem geliebten Rod nach Liverpool hinterher zu reisen. Das zerrüttete Verhältnis zu ihren Eltern bestärkt sie in ihrem Entschluss. Einzig Lucy Best, ihre Busenfreundin, zieht sie ins Vertrauen, und die ist es auch, die ihr nachreist, um sie zurückzuholen.

Die Zuschauer begleiten Michelle und Lucy auf einer musikalischen Reise durch die Zeit, zurück zum Flower-Power-Feeling der Sixties, zurück zu freier Liebe und revolutionären Ideen. Auf dem nostalgischen Trip werden so manche Songs der Beatles lebendig und sorgen für ein fast wehmütiges Dejavue bei den älteren Zuschauern.

Ein paar der besten Beatles-Schöpfungen eingebunden in eine Liebesgeschichte – schade nur die ungewöhnlich gleichwertige Gewichtung im Stück. Der erste der beiden je 60 Minuten langen Teile wird (viel zu) komplett von der Einleitung der späteren Ereignisse vereinnahmt.

(hbw)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare