Thomas Konschak mit einigen Jugendlichen im Zeltlager im Westerwald im vergangenen Jahr.
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Thomas Konschak mit einigen Jugendlichen im Zeltlager im Westerwald im vergangenen Jahr.

Hilfe für junge Leute in Diez

Wenn Kindern der normale Alltag fehlt

  • VonMariam Nasiripour
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Verantwortliche des Jugendzentrums suchen weiter den Kontakt zu den Heranwachsenden

Kinder und Jugendliche gehören zu den Leidtragenden der Corona-Pandemie. Sie dürfen nicht wie gewohnt in die Schule, Treffen mit Freunden sind nur eingeschränkt erlaubt, und die Freizeitgestaltung ist mehr als spärlich. Das bemerken auch Mathias Fischer und Thomas Konschak vom Jugendzentrum in Diez. Ganz besonders mache sich der fehlende geregelte Tagesablauf bemerkbar. So würden Lerninhalte fehlen, und erlernte Fähigkeiten seien auf einmal weg.

"Die Kinder sind aus ihren Rhythmus geworfen worden und fühlen sich verloren", berichtet Thomas Konschak, Diplom-Sozialpädagoge und stellvertretender Leiter des Jugendzentrums Diez. "Kinder, die vorher benachteiligt waren, sind jetzt noch mehr benachteiligt", fügt Mathias Fischer, Diplom-Pädagoge und Leiter des Jugendzentrums Diez hinzu. Außerdem hätten viele Kinder und Jugendlichen zugenommen. Das sei der mangelnden Bewegung und den vielen Stunden vor der Spielekonsole geschuldet, so Konschak. Zwar hat das Jugendzentrum für Kinder und Jugendliche geöffnet, aber mit Einschränkungen.

So musste der offene Treff zu Beginn der zweiten Corona-Welle schließen. Beim offenen Treff können die Jugendlichen die Einrichtung jederzeit während der Öffnungszeiten aufsuchen und verlassen. Dort erhalten sie verschiedene Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, wie Billard, Kicker, Internetcafe, Spielekonsole oder sie können sich mit Freunden treffen und "chillen". Außerdem steht den Jugendlichen ein Trainingsraum im Keller zur Verfügung, wo sie sich sportlich betätigen können.

Zudem haben die Jugendlichen die Möglichkeit, zu basteln, zu werkeln oder in der hauseigenen Küche etwas zu kochen. "Sie gehen dann in den Supermarkt, kaufen sich alle Zutaten und machen sich dann in der Küche eine Pizza. Für die Nutzung der Küche müssen sie fünf Euro Pfand bezahlen. Den bekommen sie wieder, wenn sie die Küche wieder aufgeräumt und sauber gemacht haben", erzählt Thomas Konschak.

Beratung und

Hausaufgaben

Stattfinden dürfen die Hausaufgabenbetreuung und die Beratungen. Beide Angebote gibt es aktuell nur als Einzeltermine. Vor der Pandemie fand die Hausaufgabenbetreuung dienstags bis freitags mit 25 Kindern und Jugendlichen in Gruppen statt. Ihnen standen bei Fragen mit Rat und Tat die beiden ehrenamtlichen Helfer Wolfgang May und Michael Pflitsch zur Seite. Diese Gruppenarbeiten sind aufgrund der aktuell geltenden Kontaktbeschränkungen nicht möglich. Deswegen werden Termine vergeben, so dass jeder Jugendliche einmal pro Woche die Hausaufgabenbetreuung in Anspruch nehmen kann.

Auch wenn die Besuche im Jugendzentrum wegen Corona reglementiert wurden, gehen die Jugendlichen immer noch mit ihren Sorgen und Nöten zu Thomas Konschak und Mathias Fischer. "Sie rufen uns an oder klingeln an der Tür", berichtet Fischer. Den Kindern und Jugendlichen fehlen die Treffen im Jugendzentrum, der Sport und der Verein, erklären beide Pädagogen einstimmig. Aber ganz besonders fehle den Jugendlichen der ganz normale Alltag mit Schule und Freunden.

Zwar sehen die beiden die Kinder und Jugendlichen nicht mehr so häufig, wie vor der Pandemie. Trotzdem erkennen sie sofort, wenn einer ihrer Schützlinge etwas auf dem Herzen hat. Das sei die jahrelange Erfahrung in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, so Konschak. Um den Kontakt zu den Jugendlichen nicht ganz zu verlieren und bei ihnen nach dem Rechten zu sehen, laufen die beiden Pädagogen bei schönem Wetter auch schon mal durch Diez und besuchen die Jugendlichen an ihren üblichen Treffpunkten.

Einen positiven Nebeneffekt hat der eingeschränkte Besuch im Jugendzentrum: Die beiden Pädagogen haben jetzt mehr Zeit für die Beratungsgespräche mit den Eltern. Die kommen immer dann, wenn ihre Kinder Probleme in der Schule, mit Drogen oder Alkohol haben.

Neben den pädagogischen Angeboten im Jugendzentrum, bietet die Einrichtung auch Veranstaltungen und Ferienaktivitäten für Kinder und Jugendliche an. Im vergangenen Sommer hätten fast alle Veranstaltungen und Freizeitangebote stattfinden können. Natürlich alles unter strengen Auflagen und Beachtung der Hygiene- und Abstandsregeln. Was in diesem Jahr veranstaltet werden kann und was ausfallen muss, sei noch ungewiss. Konschak und Fischer haben trotz der Ungewissheit alles organisiert und auch die Unterkünfte gebucht. Sollte es doch dazu kommen, dass sie die eine oder andere Aktivität absagen müssen, dann könne das unkompliziert gemacht werden. Dann werden alternativ Tagestouren und -aktivitäten angeboten. "Es hat den Kindern im vergangenen Jahr gut getan, einfach mal eine Woche weg zu sein", erinnert sich Fischer. Mariam Nasiripour

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