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Montabaur: Dorfkirche zu verkaufen

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Von: Rolf Goeckel

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Die Dorfkirche in Görgeshausen wurde 1952 erbaut und soll nun verkauft werden, weil sie kaum noch genutzt wird.
Die Dorfkirche in Görgeshausen wurde 1952 erbaut und soll nun verkauft werden, weil sie kaum noch genutzt wird. © Privat

Runder Tisch befasst sich mit der Zukunft des Gotteshauses

Görgeshausen -Wenn in der katholischen Kirche St. Josef Görgeshausen Gottesdienst gefeiert wird, sind die meisten Sitzbänke leer. Der demografische Wandel, aber auch die hohe Zahl von Kirchenaustritten spiegelt sich darin wider. 300 Sitzplätze bietet das Gotteshaus, kaum ein Zehntel davon wird noch benötigt. Auch während eines runden Tisches am Mittwochabend in der Löwensteinhalle, der sich mit der Zukunft des Kirchengebäudes befasste, blieben viele Stühle unbesetzt. Offenbar ist das Interesse daran, was aus der 1952 erbauten Dorfkirche wird, nur gering. Immerhin hatten sich auf Einladung von Ortsbürgermeister Martin Bendel knapp 20 vorwiegend ältere Bürger eingefunden, um gemeinsam über Nutzungsmöglichkeiten für das Gemäuer zu beraten. Denn soviel steht fest: Das Bistum Limburg will das Gebäude, das sich im Eigentum der Pfarrei St. Laurentius Nentershausen befindet, nicht länger als Kirche nutzen und daher verkaufen. Nicht sofort, sondern in einem Zeitraum von zwei oder drei Jahren, wie Verena Schäfer, Projektleiterin in der Abteilung Controlling des Bistums Limburg, erklärte. "Es dauert so lange, wie es dauert", sagte sie.

"Wir suchen nach einer guten Lösung für unsere Kirche", versicherte Ortsbürgermeister Martin Bendel, der zunächst einige Eckdaten bekanntgab. Gebaut von Bürgern der Gemeinde Görgeshausen, wurde die St. Josef-Kirche 1952 dem Bistum Limburg geschenkt, das sie anschließend auf die Kirchengemeinde übertrug. Das Gebäude steht nicht unter Denkmalschutz, was laut Bendel den Spielraum für einen künftigen Nutzer erweitere. 484 des insgesamt 3000 Quadratmeter großen Kirchengeländes sind bebaut, es gibt ein Vollgeschoss und eine Teilunterkellerung. Rund 540 Quadratmeter werden sakral genutzt, der Turm hat eine Fläche von weiteren 90 Quadratmetern, und die ebenfalls in dem Gebäude untergebrachte katholische Bücherei ist 44 Quadratmeter groß.

Inklusionshaus könnte eine Lösung sein

Der Erhalt der Bücherei sei eines der Ziele, das die Ortsgemeinde verfolge, sagte Bendel; sie könnte beispielsweise in die alte Schule ausweichen und von der Gemeinde betrieben werden. Wichtig, so Bendel weiter, sei, dass der dorfprägende Charakter des Kirchengebäudes, besonders mit Blick von der Diezer Straße aus, erhalten bleibt. Und auch der Erhalt des Kriegerdenkmals sei der Gemeinde wichtig, betonte er. Die auf Kirchengelände stehende Gedenkstätte könnte ab- und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden. Nur eines kann Bendel sich nicht vorstellen: Dass die Ortsgemeinde die Kirche übernimmt. "Das lässt die Gemeindeordnung nicht zu", so der Ortschef.

Ganz abgesehen davon, dass eine Gemeinde keine Kirche betreiben darf, zeigte die Diskussion aber auch, wie begrenzt die Möglichkeiten für eine Umnutzung sind. Für den Kindergarten wäre die Kirche zu groß, als Konzertsaal würde sie kaum genutzt, eine Turnhalle und ein Gemeindesaal sind im Dorf vorhanden, ja selbst für ein Heimatmuseum gäbe es keinen Bedarf. "Was wollen wir darin zeigen außer uns selbst und ein paar landwirtschaftliche Geräte?", fragte Bendel.

Vorstellbar sei aber, dass die Kirche zu einem inklusiven Wohngebäude oder einem Mehrgenerationenhaus umgebaut wird. Peter Steinhauer, Abteilungsleiter Controlling beim Bistum Limburg, griff diesen Gedanken auf und verwies auf das Inklusionshaus Dorfmitte im Mengerskirchener Ortsteil Waldernbach. "Das könnte auch ein Thema für Görgeshausen sein", sagte Steinhauer. Das Inklusionshaus in Mengerskirchen, in dem behinderte Menschen leben und arbeiten können, wurde mit starker Bürgerbeteiligung verwirklicht - möglicherweise ein Modell für Görgeshausen? Auch eine Tagespflegeeinrichtung konnte Steinhauer sich vorstellen und brachte als möglichen Investor den Caritasverband ins Spiel.

Steinhauer versprach den anwesenden Bürgern einen "partnerschaftlichen Umgang". Gegen den erklärten Willen der Görgeshäuser werde das Gotteshaus nicht verkauft - eine Zusage, die einige Zuhörer als beruhigend empfanden. Laut Ortschef Bendel gibt es immerhin schon einen Interessenten für das Gebäude, der "aus der Baubranche" komme.

Keine Sorge müssten die Gläubigen laut Steinhauer haben, dass das Inventar der St. Josef-Kirche "einfach verschwindet". Verena Schäfer versicherte, dass sämtliches Kircheninventar erfasst werde. Die Glocken könnten aus ihrer Sicht ohnehin im Turm verbleiben; schwieriger sei, was aus der Orgel wird.

In den nächsten Monaten soll ein Gutachter den Wert der Kirche ermitteln. Wobei schon jetzt klar ist, dass saniert werden muss. Alleine ein neues Kirchendach würde 500 000 Euro kosten, dazu kommen neue Fenster und eine neue Heizung. Ortsbürgermeister Martin Bendel rief die Bürger zu Ehrlichkeit auf: "Wir müssen uns eingestehen, dass die Kirche die meiste Zeit im Jahr egal ist. Sie wird nur noch von zehn der 950 Bürger genutzt. So kann es nicht weitergehen."

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