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Magdalene Brandt geht mit ihren Schafen spazieren, jeden Tag durch den Wald bei Wilsenroth. Fotos: Anken Bohnhorst

Im Wald bei Limburg

Diese Frau lebt mit vielen Tieren und pflegt mit ihnen ein besonderes Hobby

Ein Leben ohne Tiere? Für Magdalene Brandt aus Wilsenroth ist das unvorstellbar. Inzwischen leben auch seltene Tiere auf ihrem Grundstück und mit ihnen teilt sie ein eigentümliches Hobby.

Dornburg - Jeden Tag geht Magdalene Brandt im Wald von Wilsenroth spazieren. Mit dabei sind die Peanuts - Lucy, Linus und Schroeder - sowie eine ältere, ein wenig eigenwillige Dame namens Patty. Die Länge des Ausflugs richtet sich nach der Wetterlage und dem Befinden der Gesellschaft. 

Alle fünf sind nicht mehr die Jüngsten. Magdalene Brandt ist 83 Jahre alt, ihre Begleiter haben ebenfalls ein paar Jahre auf ihren Buckeln. Lucy, Linus, Schroeder und die eigenwillige Patty sind Schafe.

Wie die Tiere zu Magdalene Brandt kamen, ist eine lange Geschichte. Um die zu verstehen, muss man weit ausholen. Bis in ihre Jugend, sagt die Seniorin mit den kurz geraspelten weißen Haaren. Sie sei in einer Ziegelei im Rheinland aufgewachsen. Schweine, Ziegen, Hühner, Pferde und natürlich Hunde und Katzen lebten dort. Ganz selbstverständlich sei das gewesen, sagt sie. "Menschliches Leben ohne Tiere kann ich mir nicht vorstellen."

Mit Liebe zur Natur

Auch nicht als sie viele Jahre später in das ehemalige Ferienhaus ihres Vaters in die Waldstraße nach Wilsenroth zog. Da war Magdalene Brandt längst pensioniert. Die Leidenschaft für deutsche und englische Sprache, für die Protagonisten der US-amerikanischen Comicserie Peanuts hielt an. Auch ihre Liebe zur Natur loderte unvermindert.

Auf ihrem riesigen Anwesen hatte sie Hunde und Pferde - und bald darauf die ersten Schafe. Als nämlich in Wilsenroth bei der jährlichen Kirmes-Tombola Schafe gewonnen werden konnten, für die sich aber keine Unterbringung fand.

Es schmeckt. Beim Spaziergang wachsen am Wegesrand schließlich die besten Leckereien.

Tiere sind mit ihr unterwegs

Unwürdig sei dieser Umgang mit den Tieren gewesen, sagt Magdalene Brandt. Deshalb nahm sie sie auf. Im Garten in der Waldstraße hatten sie Platz. Sie habe sich Bücher gekauft, sich intensiv mit den Tieren und ihren Lebensgewohnheiten befasst, und dann war es eines Tages so weit. Magdalene Brandt hatte den Eindruck, "die Schafe kennen ihre Freiheit". Deshalb öffnete sie die Gartenpforte und spazierte los. Die Tiere hinterher. Eine Versicherung hatte sie dennoch eingeplant. Ihr Sohn stand am Ende der Waldstraße, um zu verhindern, dass die Schafe auf die Straße liefen. Dazu kam es nicht. Sie spazierten Magdalene Brandt hinterher in den Wald. "Schafe sind Herdentiere", sagt die Seniorin. Alles lief gut.

Als die drei Schafe an Altersschwäche gestorben waren, ging sie allein spazieren und begegnete einem Mann, der Schafe für Ramadan und für das Schächten aufpäppelte. Magdalene Brandt zögerte nicht lange, vereinbarte einen Kaufpreis und übernahm vier Tiere. Aber nicht, betont sie, aus religiösem Eifer. Nicht etwa, weil sie den Moslems zeigen wollte, dass die Tiere nicht getötet werden sollen. Das wäre ohnehin fadenscheinig, denn schließlich lassen Christen sich ihre Osterlämmer schmecken.

Freiheit für Schafe

Nein, sie wollte diesen Vier zur Freiheit verhelfen. Und das tat sie. Mit seinem Pkw habe der Mann ihr die neuen Gefährten gebracht. Die Mutter mit ihren Kindern, die sie später Peanuts nannte, saßen hinten "und Patty auf dem Beifahrersitz", so sei das Auto angekommen, erinnert sie sich und lacht.

Die Tiere lebten sich schnell ein. Magdalene Brandt vertiefte ihre Studien und Beobachtungen und stellte fest, dass Patty nicht nur äußerst eigenwillig, sondern auch besonders intelligent ist. Sofern man das überhaupt sagen kann, schränkt sie ein. Die Beschreibung der Tiere basiere auf der menschlichen Ausdruckskraft. Trotzdem haben die in der Natur lebenden Tiere die vielleicht beste Lebensform. Jedenfalls aber leben sie nach Überzeugung von Magdalene Brandt aufrichtig und echt ökologisch. Niemals würden sie Gräser, Sträucher und Hecken völlig vertilgen. Immer bleibt so viel übrig, dass die Pflanzen sich erholen und nachwachsen können. "Das ist doch wunderbar", sagt die Seniorin und klettert mit ihren Peanuts und der alten Dame Patty eine Böschung im Wald von Wilsenroth hinab zu ihrem Garten.

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