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Der gute Ton seit 75 Jahren

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Von: Anken Bohnhorst

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Vier Generationen Schmidt: Zum 75-jährigen Bestehen der Firma versammelten sich alle rund um den Familientisch.
Vier Generationen Schmidt: Zum 75-jährigen Bestehen der Firma versammelten sich alle rund um den Familientisch. © Anken Bohnhorst

Dornburg: Stephan Schmidt Gruppe feiert ihr Jubiläum - Starker familiärer Zusammenhalt ist Teil der Erfolgsgeschichte

Frickhofen -Ausbeutung ist nicht immer schlecht - wenn der gute Ton gewahrt bleibt. So wie bei der Stephan Schmidt Gruppe. Seit 75 Jahren befasst sich das Familienunternehmen aus Langendernbach mit der Ausbeutung, also dem Abbau und der Verarbeitung von Ton. Das wird gefeiert. Die derzeitigen Chefs, die Enkel des Firmengründers, haben ins Bürgerhaus nach Frickhofen eingeladen. Stephan Schmidt, Geschäftsführender Gesellschafter, und seine Schwestern Regina und Eva leiten seit einigen Jahren die Bereiche im In- und Ausland. In dritter Generation setzen sie das Werk fort, das Großvater Stephan Schmidt 1947 begann und das dessen Sohn Günter lange Jahre fortführte.

Jetzt also stehen ein Mann und zwei Frauen an der Spitze des Unternehmens. Weiblich ist der Bergbau trotzdem nicht. Im Gegenteil: Bei der Jubiläumsfeier sind es die Männer, die den Ton angeben. Rund 130 überwiegend männliche Gäste sind gewissermaßen auf 16 Westerwälder Tongruben verteilt. Einen Abend lang sitzen sie in der Grube Sedan, in Sandborn, Birkenheck, Maria 2 oder in der Grube Zuversicht. Die Firma hat die Tische im Bürgerhaus nach ihren Betriebsstätten benannt, es wird kräftige Kost gereicht und irgendwann später auch eine besondere Ton-Veredelung, ein Whisky, dessen Wasser aus den Tonlagerstätten des 35 Millionen Jahre alten Tertiärs entstammt.

Kein Fachkräftemangel

Zunächst aber heißt es „Glück auf“, findet Geschäftsführer Stephan Schmidt und liefert eine Kurzversion der Familien- und Unternehmensgeschichte. Dass das Unternehmen sich entwickeln, expandieren und florieren konnte, liege an dem „starken familiären Zusammenhalt“, sagt Stephan Schmidt. Jeder trage zum Gelingen bei, besonders Großmutter Irmgard, die Frau des Firmengründers, sowie sein Vater Günter, der die nachfolgende Generation kontinuierlich in die Aufgaben miteinbezogen habe. Der Vater habe erkannt, dass er ein „Auslaufmodell“ sei, sagt Stephan Schmidt, was schroff klingt, aber liebevoll gemeint ist. Und weiter: „Die jüngere Generation muss die Aufgabe aber auch annehmen wollen“.

Seine Schwestern und er sind dazu bereit. Regina Schmidt lebt seit mehr als 20 Jahren in Italien und hat dort eine Unternehmenssparte errichtet. Jede zweite in Deutschland verlegte Fliese komme aus Italien und werde zu einem großen Teil aus Westerwälder Ton produziert. Ein Drittel des Umsatzes generiere die Firma in Italien, beschreibt sie den Wirtschaftskreislauf dieses Boden- und Wandbelags.

Eva Schmidt ist zuständig für den Bereich Advanced Clay Minerals, bei dem Ton für Bau- und Füllstoffe, für Deponie-, Tief- und Wasserbau benutzt wird. Auch die Forschungs- und Entwicklungsabteilung ist hier angesiedelt. Eines der Themen, die Stephan Schmidt antreiben, ist, „die Qualität unserer Produkte sogar bei reduziertem Rohstoffeinsatz nicht nur konstant zu halten, sondern fortwährend zu steigern“. Es gehe um Nachhaltigkeit, darum, das Erbe zu bewahren.

Gibt es Reibereien zwischen dem Geschäftsführenden Gesellschafter und den Schwestern? Mischt der Vater im Hintergrund vielleicht doch auch im Vordergrund mit, fragt Kai Gemeiner, der als Moderator durch den Abend führt. Und werden Diskussionen vom Schreibtisch am Küchentisch fortgesetzt? Die Antwort darauf gibt ein wenig später Ulrich Heep, Präsident der Industrie- und Handelskammer. Er spricht von der „Unternehmens-DNA“, die zugleich die Familien-DNA sei. Schließlich würden 75 Jahre Unternehmenstradition beweisen, dass die „wichtigen Entscheidungen richtig getroffen“ wurden. So müsse das Unternehmen beispielsweise keinen Fachkräftemangel abwehren, weil es attraktiver Arbeitgeber sei. Auch bei den Mitarbeitern gebe es Betriebszugehörigkeiten, die sich über Generationen hinweg fortsetzen. „Seit 30 Jahren werden in Langendernbach junge Leute ausgebildet“, berichtet Heep. Außerdem unterstützt die Stephan-Schmidt-Stiftung Studenten in ihrer Forschungsarbeit. Im Jubiläumsjahr ist es Jonas Weber aus dem mittelhessischen Schotten, der sich mit der Digitalisierung im Bauhandwerk beschäftigt hat und dafür im Bürgerhaus von Frickhofen einen Geldpreis bekommt. Selbst mit den Mitbewerbern pflege man ein enges Verhältnis, erklärt Günter Schmidt, langjähriger Chef und Ulrich Heeps Vorgänger im Amt des IHK-Präsidenten. Freilich gehe diese Nähe „nicht so weit, dass es Ärger mit dem Kartellamt gibt“.

Ärger gibt es an diesem Feier-Abend ohnehin nicht. Das Unternehmen Stephan Schmidt ist 75 Jahre alt geworden - weil der Ton stimmt. Auch akustisch. Denn ganz am Ende, nachdem das Musiker-Duo Piano-Pearls das Programm mit zartem Klang unterlegt hat, wird es noch einmal deftig. Der Chor der 130 überwiegend männlichen Gäste stimmt das Bergmannslied an: Glück auf!

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