Rund 2400 Medien betreuen Elke Schardt und die anderen KÖB-Mitarbeiterinnen. Der Zuspruch sei groß, sagen sie. Die Bücherei gehöre zum kulturellen Angebot des Orts.
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Rund 2400 Medien betreuen Elke Schardt und die anderen KÖB-Mitarbeiterinnen. Der Zuspruch sei groß, sagen sie. Die Bücherei gehöre zum kulturellen Angebot des Orts.

Umzug erwünscht

Dornburg: Die Bücherei ist in der Corona-Krise in Not

  • vonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten, ist in der Bibliothek in Dornburg unmöglich. Daher droht die Schließung.

Dornburg -2400, 40, 100. Das sind die Maße für die Katholische Öffentliche Bücherei (KÖB) im größten Ortsteil der Gemeinde Dornburg. 2400 Medien befüllen ein paar Dutzend Regale, die auf einer Fläche von 40 Quadratmetern zusammengeschoben sind und die von etwa 100 "aktiven" Lesern frequentiert werden könnten, wenn die Bücherei öffnen dürfte.

Daraus wird allerdings nichts. Auch hier hat die Corona-Pandemie für Stillstand gesorgt. Dabei war die Situation davor bereits äußerst prekär. Denn die Räume der Katholischen Öffentlichen Bücherei sind winzig, sanierungsbedürftig und ohne sanitäre Einrichtungen. Nicht einmal einen Wasseranschluss gibt es in der Wohnung im ehemaligen Schwesternhaus. Deshalb steht die Bücherei in Frickhofen, in der seit 26 Jahren jeder Bürger unabhängig von seiner Konfession lesen und ausleihen darf, vor dem Aus, befürchten Christa Krämer und Elke Schardt. Seit Jahren betreuen sie die Einrichtung zusammen mit Beate Laux-Jung liebevoll und ehrenamtlich.

Jahrelang haben Krämer, Schardt, Laux-Jung und ihre Mitstreiter die Haustür am alten Schwesternhaus der Armen Dienstmägde Jesu Christi jeden Donnerstagnachmittag für zwei Stunden aufgesperrt, haben Bücher empfohlen und Leselust geweckt. Und auch nach Feierabend der KÖB haben sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter engagiert, haben Medien katalogisiert, Bücher in Folie eingeschlagen, sortiert, drapiert. "Weil die Bücherei zum kulturellen und Bildungsangebot des Ortes gehört", sagt Christa Krämer.

Nicht selten erlebten Vorschulkinder dort ihren Einstieg in die Welt der Bücher. Und auch für Erwachsene habe man in der Vergangenheit regelmäßige Buchbesprechungen organisiert. Zum 20. Geburtstag der Einrichtung hatte das Bücherei-Team Burkhard Engel mit seinem Cantaton-Theater für einen amüsant-kulturellen Abend angeheuert. An mangelndem Zuspruch leidet die Bücherei nicht.

Der Mangel herrscht beim Zustand der Räume. Die Fenster sind undicht, der Kunststoffboden ist abgewetzt, und ein Wasserschaden in der darüberliegenden Wohnung hat ein wenig Putz von der Decke abplatzen lassen. Am schlimmsten aber ist, "dass wir hier keine Toilette haben und auch sonst keinen Wasseranschluss", sagt Elke Schardt. "Wenn man Wasser braucht, muss man sich das von zu Hause mitbringen." Das ist schwer zumutbar, und unter den jetzt geltenden Hygieneregeln das Ende des Büchereibetriebs.

Undichte Fenster

kein Wasseranschluss

Natürlich habe man auch in den zurückliegenden Jahren kein fließendes Wasser in der Bücherei gehabt, sagt Christa Krämer. Nur habe man da die sanitären Einrichtung der anderen Wohnung im Haus nutzen können. Die sei aber jetzt vermietet, weshalb diese Wasserquelle versiegt ist.

In ihrer Not wandten sich die Frauen vom Bücherei-Team an den Träger, die katholische Kirche. Vielleicht könne man mit allen Medien ins Pfarrhaus umziehen, war ihre Hoffnung. Doch die Illusion verpuffte, als sie erfuhren, dass der Pastorale Raum St. Blasius einen neuen Kaplan bekommt. Für die Pfarrei sei das sehr schön, finden die Frauen. Für die Bücherei nicht. Denn der neue Kaplan wird in der Wohnung im Pfarrhaus leben. Andere Räume der Kirche stünden in Frickhofen leider nicht zur Verfügung, habe Pfarrer Frank-Peter Beuler ihnen mitgeteilt, berichtet Christa Krämer.

Aufgeben kam für die Frauen vom Bücherei-Team dennoch nicht in Frage. Sie fragten im nahe gelegenen Rathaus der Gemeinde nach. Schließlich unterstützt die Zivilgemeinde die KÖB finanziell, sagt Krämer. Und dafür sei man auch dankbar, betont sie. Aber dass man auch im Frickhöfer Rathaus keine entsprechenden Räume ausmachen konnte, betrübt die Bücherei-Frauen.

Wie es weitergehen kann, wissen sie nicht. Klar ist, sie können weder die Hygieneregeln noch den gebotenen Abstand zwischen Besuchern einhalten. "Die Bücherei ist in Not", sagen sie. Ohne neue Räume mit Sanitäranlagen wird die Tür zu 2400 Medien geschlossen bleiben müssen - wohl für immer.

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