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Dornburg: Den eigenständigen Charakter immer bewahrt

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Der Fremdenverkehr spielte in Dorndorf zeitweise eine große Rolle: In den 1950er Jahren wurden die Kurgäste oftmals mit Pferde- oder Ochsenkarren vom Frickhöfer Bahnhof abgeholt und nach Dorndorf gefahren. Hier leitet Margarethe Weber, verheirate Willecke, das Gespann.
Der Fremdenverkehr spielte in Dorndorf zeitweise eine große Rolle: In den 1950er Jahren wurden die Kurgäste oftmals mit Pferde- oder Ochsenkarren vom Frickhöfer Bahnhof abgeholt und nach Dorndorf gefahren. Hier leitet Margarethe Weber, verheirate Willecke, das Gespann. © Privat

Feste, Wettbewerbe, Vereine und das Dorfduell: Mit viel Engagement machen die Bürger vieles möglich

Dorndorf -Für Dorndorf ist dieses Jahr ein ganz besonderes. Der älteste Ortsteil Dornburgs wurde vor 1250 Jahren erstmals urkundlich erwähnt. Aus diesem Anlass feiern die Menschen am Fuß des "Watzenhahn" sich und ihre lange Geschichte mit ganz unterschiedlichen Veranstaltungen und Aktionen. Auch die NNP würdigt und begleitet diese Jubiläum.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Dorndorf 772 in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Lorsch. Die Tochter des Gründers, Komtesse Rachilt, schenkte am 12. August 772 dem Kloster Besitzungen im Lahngau, zu denen auch Dorndorf gehörte. In der Schenkungsurkunde, die im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München aufbewahrt ist, heißt es: "Dem Heiligen Märtyrer Nazarius, dessen Leib im Kloster Lorsch ruht, schenke ich, Rachilt, was ich im Lahngau besitze und 44 Leibeigene." Darunter befand sich "Torndorph", das heutige Dorndorf.

.In diesen 1250 Jahren hat Dorndorf eine wechselvolle Geschichte erlebt. Christlicher Glaube prägte das Land. Auf den Ruinen einer abgebrannten Turmburg wurde schon im Mittelalter eine Kapelle errichtet, dort, wo auch heute noch die 1932 erbaute Kirche auf den Fundamenten der alten Ritterburg steht. Trotzdem gingen die Dorndorfer über Jahrhunderte zur Heiligen Messe den beschwerlichen Weg hinauf zur Blasiuskapelle auf dem Blasiusberg, ab 1731 dann nach Frickhofen in die neu erbaute Kirche "St. Martin". Denn Dorndorf war nach Frickhofen eingepfarrt. Erst 1913 wurde es eine eigenständige Pfarrvikarie und erst 1964 bekam

Dorndorf eine eigene Pfarrei und einen eigenen Pfarrer.

Da das Kirchspiel "Blasiusberg" zum Stift Dietkirchen und zur Diözese Trier gehörte, versahen die Priester aus Dietkirchen dort den Gottesdienst. Sie ritten auf einem Esel nach Dorndorf, der dort bei einem Gastwirt untergestellt wurde. Als einer der Priester einmal die Stallmiete nicht bezahlen konnte, behielt der Wirt den Esel als Pfand. Aus dieser Zeit und dieser Episode stammt der Dorfname "Dorndorfer Esel".

Der Dreißigjährige Krieg brachte Not und Elend. Fremde Söldner plünderten das Land, die Pest raffte ganze Familien hinweg. 1636 gab es nur noch eine einzige Familie in Dorndorf, die die Pest überlebt hatte. Sie flüchtete auf die "Schlaudermühle". Erst viele Jahre später kehrten die Bürger wieder nach Dorndorf zurück. Auch große Brandkatastrophen stürzten die Bürger immer wieder in schreckliche Not; 1765 wurden 23 Häuser durch ein Feuer zerstört.

Mit dem Großherzogtum Berg kam 1806 französische Einquartierung, die bis zum Jahre 1813 anhielt. Dorndorf wurde dem Herzogtum "Nassau-Oranien" zugeteilt, dann kam es 1866 als Kriegsbeute zu Preußen. Die Bevölkerung lebte in diesen Jahrzehnten in bitterer Armut. Ihren kargen Lebensunterhalt verdienten sich die Bürger als Händler oder Bauern. Unter dem Druck der wirtschaftlichen Verhältnisse wanderten in dieser Zeit viele Dorndorfer nach Amerika aus.

Mit dem Aufblühen der Basaltindustrie wurde das Leben erträglicher. Als 1890 der Steinbruch "Nil" eröffnet wurde, bekamen viele Familienväter Arbeit im Steinbruch. 1926 waren es etwa 300 Männer, die dort Arbeit hatten. Der Lebensstandard stieg und die Menschen schöpften wieder Hoffnung.

1946 kamen 240 Heimatvertriebene aus dem Sudetenland, die in Dorndorf eine Heimat fanden. Infolge der Vollbeschäftigung in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einem Wirtschaftsaufschwung. Es war in erster Linie der Fremdenverkehr, der vielen Familien ein Erwerbszweig war. 1966 gab es in Dorndorf 15 Pensionen mit insgesamt 16 998 Übernachtungen. Die waldreiche Umgebung des Ortes und die gute Luft zogen besonders Menschen aus dem Ruhrgebiet an, die dort ihre Ferien verbrachten.

Heute ist Dorndorf ein Ortsteil der Gemeinde Dornburg mit 1592 Einwohnern. Es gibt neben einem Kindergarten noch eine eigene Grundschule, die im Jahre 2001 ihr 100-jähriges Bestehen feiern konnte. Um den Erhalt dieser Grundschule haben die Dorndorfer in der Vergangenheit immer wieder gekämpft. Ein Förderverein kümmert sich heute mit viel Erfolg um deren Belange.

Natürlich hat Dorndorf ein blühendes Vereinsleben, das auch großen Herausforderungen gewachsen ist, wie sich im Juni 2003 zeigte, als Dorndorf unter 50 hessischen Dörfern den fünften Platz beim Wettbewerb zum "Dollen Dorf" des hessischen Rundfunks belegte.

Hessenweite Anerkennung

Ebenso ist es den Dorndorfern gelungen, 2018 in der ersten Runde beim hessischen Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" in den Landesentscheid zu kommen. Was die Vereine und die gesamte Dorfbevölkerung in diesen Wochen der Vorbereitung geleistet haben, hat hessenweit große Anerkennung gefunden. Ein Beweis, wie gut die Gemeinschaft in dem Westerwalddorf funktioniert.

Ein ganz besonderes Event wird auch in diesem Jahr wieder das "Dorfduell" sein, dessen Motto "Vereint für alle Tage, getrennt für eine Nacht" lautet. In zehn Spielen duellieren sich am 20. August das Ober- und Unterdorf in abwechslungsreichen Action- und Wissensspielen - ein Ereignis bei dem das ganze Dorf auf den Beinen ist, aber natürlich auch auswärtige Zuschauer gern gesehen sind!

Es gibt zwei große Gesangvereine im Ort, den MGV "Eintracht" und den "Quartettverein", aus denen zwei erfolgreiche Gemischte Chöre hervorgegangen sind: "Quattro Nuovo" und "Chourage", sowie einen Kirchenchor. Darüber hinaus hat Dorndorf einen leistungsfähigen Sportverein, der im 2021 auf erfolgreiche 100 Jahre zurückblicken konnte, eine katholische Frauengemeinschaft, den Jugendclub "No Limits", den Verschönerungsverein, die Bürgerinitiative "Rettet den Watzenhahn", den Ski-Club und natürlich eine aktive Freiwillige Feuerwehr, in der sich besonders viele junge Menschen mit großem Einsatz engagieren wie auch bei den "Traktorfreunden Dorndorf".

Dorndorf im Westerwald am Fuße des Watzenhahn ist ein Ort mit viel Vergangenheit und einer lebendigen Gegenwart! Trotz der Eingemeindung in die Großgemeinde Dornburg hat sich der "Dorndorfer Esel" seinen eigenständigen Charakter bewahrt.

Die Dorndorfer sind besonders stolz darauf, dass alle Mitbürgerinnen und Mitbürger das Jubiläumsfest aktiv mitgestalten können, und freuen sich darauf, viele Besucher aus nah und fern mit gewohnter Gastlichkeit begrüßen zu dürfen.

Folgende Aktionen sind zum Dorfjubiläum geplant:

Festwochenende: Freitag 17. Juni: Dornef danzt; Samstag 18. Juni: Dornef es schee; Sonntag 19. Juni: Dornef es dahaam.

Montag 25. Juli: Kirmes - Frühstück.

Sonntag, 11. September: Historischer Markt.

Donnerstag 15. Dezember: After-Work-X-mas-Party.

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