Michael Maxeiner zieht dem ehemaligen Elzer Kirmeshammel Paul das Fell aus. Heraus kommt ein völlig anders aussehendes Tier.
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Michael Maxeiner zieht dem ehemaligen Elzer Kirmeshammel Paul das Fell aus. Heraus kommt ein völlig anders aussehendes Tier.

Schafscherer am Werk

Dornburg: Er hilft den Schafen geschickt aus dem Wollmantel

Kinder schauen Michael Maxeiner beim Scheren zu und staunen über das Ergebnis

Thalheim -Fast wäre Paul ungeschoren davongekommen. Der ehemalige Elzer Kirmeshammel, der sozusagen als Pensionär auf der Neumühle lebt, war nämlich ausgebüxt und hatte sich hinter den Hof in den Garten verkrümelt, wo bekanntlich die besten Kräutlein wachsen. Glücklicherweise hatten die beiden Buben Tizian und Kilian aber aufgepasst. Sie brachten den Drückeberger zum Stall. Und dort war Michael Maxeiner bereits an der Arbeit.

Auf den Hintern gesetzt

Der Schafscherer aus Thalheim war gerade damit fertig geworden, Pauls Schwester zu scheren. Der weißgrau gefleckte, zehnjährige Hammel kam also gerade richtig. Schafscherer Maxeiner packte das große Tier und setzte es mit einer geschickten Drehung auf den Hintern. Das sah einfach aus, ist es aber nicht, denn Paul wiegt immerhin stolze 63 Kilogramm. Anschließend kam die elektrische Schafschermaschine wieder zum Einsatz. Mit fester, aber sehr sorgsamer, ja, liebevoller Hand hielt Michael Maxeiner den Schafbock fest, während zunächst der Rücken, dann der Hals auf der rechten Seite, die linke Hälfte und der Bauch von oben bis unten geschoren wurden. Dabei zog der erfahrene Mann die Haut immer wieder straff, damit es keine Schnittwunden gibt.

Das Zuschauen war nicht nur für die Kinder richtig spannend. Unter dem dicken Vlies kam ein ganz neues Tier zum Vorschein. "So sieht Paul viel feiner aus", staunten die kleinen Besucher. Und gleich darauf kam die Frage "Tut das dem Schaf nicht weh?"

"Nein", erklärte Michael Maxeiner, "schaut doch selbst!" Tatsächlich machte Paul einen äußerst zufriedenen Eindruck. Das ist vielleicht auch der Ruhe und Gelassenheit geschuldet, mit der Maxeiner ans Werk geht. Der Tierfreund, der auch Pferde hält, bringt über 20 Jahre Erfahrung mit. "100 Schafe kann ein Profi mit Unterstützung am Tag scheren", beantwortet er eine weitere Frage der Kinder. "Das geht dann ganz fix!" Aber bei den neun Schafen in Elz hat er viel Zeit.

Maniküre und Pediküre müssen sein

Von Hause aus ist der Thalheimer eigentlich Straßenbaumeister und arbeitet bei der Straßenmeisterei Hachenburg. Aber privat hat er viele, viele Jahre selbst eine Schafherde gehalten - und sein Hobby von der Pike auf gelernt. Die Tiere haben Vertrauen zu ihm - auch, wenn es nach dem Scheren mit dem Klauenmesser an die Maniküre und Pediküre geht. Das lässt sich Paul zwar nicht ganz so gerne gefallen, da der Schafscherer aber flott und vorsichtig arbeitet, ist auch das Thema rasch erledigt. Die Klauen müssen gestutzt werden, da sie sonst, ähnlich wie die Fuß- und Fingernägel immer weiter wachsen. Irgendwann beginnt das Schaf dann zu hinken. Zu lange Klauen können aber nicht nur zu Schmerzen beim Laufen und Fehlstellungen führen, sondern auch zu Krankheiten, wie zum Beispiel zur sogenannten Moderhinke.

Nach dem Scheren kehrt Paul auf die Weide zurück. Die Kinder bleiben und greifen neugierig in den riesigen Fellhaufen. Sie staunen nicht schlecht, als ihre Hände sofort wie eingeölt glänzten und das Fett sogar von den Fingern tropft. "Das ist Lanolin", erklärte ihnen der Fachmann, "ein aus den Talgdrüsen von Schafen gewonnenes Fett, das in vielen Salben und in Kosmetik verwendet wird, in Seifen und Haarwaschmitteln, in Sonnenschutzmitteln und Rasierschaum."

Auch der Rest der Wolle findet gerne Abnehmer. Nicht nur als Dünger im Garten oder zum Ausstopfen von Ritzen in Altstadthäusern, sondern auch von engagierten Spinnerinnen, die die weiße Wolle waschen und mit Pflanzen wie Rhabarber oder sogar mit Pilzen bunt einfärben. Anschließend werden warme Pullover gestrickt.

"Und wann kommst Du wieder?", will der Kleinere der Brüder noch vom Schafscherer wissen. "Musst Du jedes Jahr kommen?" "Mindestens einmal im Jahr", so steht es im Tierschutzgesetz", sagte Michael Maxeiner. "Das erste Mal wird zwischen Pfingsten und Mitte Juni geschoren, das zweite Mal im Spätsommer zum Herbst hin - damit die Tiere im Winter wieder ein richtig warmes Fell haben!"

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